Null Plan für die "Nulle"? Schwimmer sorgen sich um Bad

In einem Jahr soll die Stadt das stark sanierungsbedürftige Pölbitzer Freibad wieder übernehmen. Noch ist nicht bekannt, wie es dann weitergeht. Nun ruft der Schwimmverein das Rathaus zum Handeln auf.

Zwickau.

Es müsste sich dringend etwas tun. Trotz tausender Besucher jedes Jahr verfällt das 04-Bad im Zwickauer Stadtteil Pölbitz mehr und mehr. Eine Saison unter Regie des Fördervereins steht noch bevor, dann geht das Freibad wieder an die Stadt über und soll ab 1. Januar 2021 in den Sportstättenbetrieb eingebunden werden. Die Hoffnung ist groß, dass dann der Weg für Sanierungen frei ist. Nur hat darüber noch niemand im Rathaus öffentlich ein Wort verloren. Das hat der Schwimmverein Zwickau von 1904 zum Anlass genommen, die Stadtverwaltung in einem öffentlichen Brief zum Handeln aufzurufen.

Der Verein, auf den der Name des 04-Bads zurückgeht, warnt in dem Schreiben vor einer drohenden Schließung. "Wir bitten dringend, kurzfristig die Erfassung notwendiger Arbeiten, die Veranlassung der dazu erforderlichen Planungsleistungen und die Bereitstellung entsprechender Mittel zeitgerecht vorzusehen", heißt es in dem Brief. "Wichtigste Prämisse sollte sein, eine zwischenzeitliche Schließung des Bades zu verhindern."

Der Brief ist dem Rathaus zwar schon vor einer Woche zugegangen, dort will man sich aber nicht in die Karten sehen lassen. "Er wird derzeit im Dezernat 1 auf Umsetzung geprüft", teilt die Verwaltung mit. Eine Antwort wolle man dem Verein am 21. Februar zukommen lassen. Weitere Fragen der "Freien Presse" blieben unbeantwortet. Dezernat 1 beschäftigt sich mit Ordnung und Finanzen. Es gehört zum Geschäftsbereich von Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Die Linke), der Ende Juni in Ruhestand geht. Sein Nachfolger ist noch nicht gewählt. Und der künftige Betreiber des 04-Bads, der Sportstättenbetrieb, hat zurzeit nur einen kommissarischen Leiter. Über die Besetzung des Chefpostens wird wohl das Zwickauer Arbeitsgericht entscheiden.

Wie viel Geld eine Sanierung kosten würde, ist unbekannt. Der Förderverein, der das Bad seit 2006 betreibt, sprach in der Vergangenheit von einer Millionensumme. Die Stadtverwaltung hat dagegen nie eine Größenordnung benannt. In der Vergangenheit hatte die Verwaltung lediglich darauf hingewiesen, dass sowohl die Sanierung als auch Fragen nach einer möglichen Schließung des Bades in die Zuständigkeit des Stadtrats fallen würden. Jener hat die "Nulle", wie das Pölbitzer Bad genannt wird, eigentlich extra zur Stadt zurückgeholt, um es zu erhalten.

Auch wenn die Zwickauer Schwimmsportler längst in der Glück-Auf-Schwimmhalle trainieren, hängt ihr Herz weiter am alten Vereinsbad. In den Schließzeiten der Schwimmhalle trainieren sie in der "Nulle" und springen ein, wenn wie 2019 der Schwimmmeister unvorhergesehen ausfällt. Jetzt fürchten sie, dass die Stadt sich zu viel Zeit lässt. "Wenn man sich erst 2021 die Lage ansieht und überlegt, was zu tun ist, wäre das viel zu spät", sagt der stellvertretende Vorsitzende Werner Beuschel, der Verfasser des offenen Briefs. Die Stadtverwaltung will für die Jahre 2021 und 2022 einen Doppelhaushalt aufstellen. Maßnahmen, für die bis Ende 2022 Geld ausgegeben werden sollen, müssen demnach noch im laufenden Jahr eingerechnet werden. Sonst droht ein weiterer jahrelanger Stillstand. Dabei ist das Bad schon jetzt in so schlechtem Zustand, dass manchmal der Putz von den Wänden fällt und der Zehnmeterturm seit Jahren gesperrt ist.

Der Förderverein, der die "Nulle" betreibt, verweist stets darauf, dass bei der knappen finanziellen Lage nur kleinere Reparaturen, aber keine größeren Sanierungen möglich seien. Der Verein war am Donnerstag nicht für Nachfragen erreichbar. Im Sportausschuss in der kommenden Woche soll er zum letzten Mal von der Stadt Geld für den Betrieb des Freibads erhalten. 30.000 Euro sind vorgesehen. Ideal wäre aus Sicht des Schwimmvereins, wenn die Stadt gleich nach Ende der 2020er-Saison mit den Sanierungen beginnen und zu Saisonbeginn 2021 wieder öffnen würde. "Das wäre ideal", sagt Beuschel. "Es geht einfach darum, dass das Bad geöffnet bleibt."


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