Sogar New Yorker stehen auf Stangengrün

Der Kirchberger Ortsteil gehört zu den 33 schönsten Fleckchen Deutschlands und beteiligt sich am Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Zuzug gibt es inzwischen von weither.

Stangengrün.

Den Satz "Unser Dorf hat Zukunft" hätte wohl vor gut 20Jahren noch kein Stangengrüner ausgesprochen. Da ist sich Katja Müller sicher. Die Juristin war die einzige von sieben Stangengrünern aus ihrer Klasse, die nach dem Studium 1995 in ihr Heimatdorf zurückgekehrt ist. Und sie hat es nicht bereut. "Inzwischen ist eine Stangengrünerin mit Mann und drei Kindern sogar aus Namibia wieder hergezogen. Und jetzt baut eine ehemalige Dorfbewohnerin auf dem elterlichen Grundstück, um mit Mann und Zwillingen aus New York City heimzukehren", berichtet Katja Müller stolz der Kommission, die innerhalb des Bundeswettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft" gestern am späten Nachmittag Stangengrün besuchte.

Die Juristin, die mit ihrem Mann, der aus dem Nachbardorf Wolfersgrün stammt, und drei Kindern in dem Kirchberger Ortsteil lebt, lud die Kommission auf den Dreiseithof ein, den die Familie 2011 erworben hat. Sie ist dabei, daraus ein Kleinod zu machen. Die Blockstube im Umgebindehaus ist denkmalgerecht saniert, erste Tiere sind schon eingezogen, Hühner und Schafe noch geplant. Genau wie eine Filzwerkstatt.

Einen Steinwurf entfernt steht der Hakenhof, der nach 20 Jahren 2006 Leerstand aufgemöbelt wurde und ein beliebtes Café, einen Blumenladen sowie Wohnungen beherbergt. Er hat sogar etwas zu bieten, das bisher nur wenige Städte haben: eine Ladestation für Elektrofahrzeuge.

An seinem ehemaligen Firmensitz, in dem es noch eine Verkaufsstelle gibt, empfängt Volker Seifert, Geschäftsführer der Stangengrüner Mühlenbäckerei, die Kommission. Er hat die Firma 1991 mit zwei Mitarbeitern in vierter Generation vom Vater übernommen. Der Unternehmer, der bis zur Eingemeindung 1996 als ehrenamtlicher Bürgermeister die Geschicke des Dorfes leitete, hat ein Stück weiter neu gebaut und beschäftigt heute 600 Mitarbeiter, darunter auch Stangengrüner.

Weil Jugendliche im Dorf bleiben und junge Familien in den Ort ziehen, der neben dörflicher Idylle mit schmucken Drei- und Vierseithöfen unter anderem auch Friseur, Kos-metik, Verkaufsstelle und Postshop sowie ein aktives Vereinsleben bietet, musste die Kapazität der Kita "Spatzennest" erhöht werden. Zurzeit werden dort 29 Steppkes betreut, weitere im benachbarten Hirschfeld. Langfristig soll das Gebäude sogar zum Mehrgenerationenhaus ausgebaut werden. Beeindruckt zeigte sich die Kommission auch von der Marienkirche nebenan, die über einen Peter-Breuer-Altar verfügt und bald neue Bronzeglocken bekommt. Bei einer kleinen Rundfahrt wurden unter anderem noch das Museum und der Dorfplatz mit Linde und Wanderwegetafel präsentiert, ehe es am Abend zum Abschlussgespräch in den Gasthof "Zur Talmühle" ging. Jetzt sind die Stangengrüner gespannt, ob ihre Leistungen am Ende für Gold, Silber oder Bronze reichen.


32 Orte kämpfen mit Stangengrün um Gold, Silber und Bronze

Noch bis zum 7. Juli bereist eine Kommission mit Vertretern aus mehreren Bundesländern die 33 Landessieger aus 13 Bundesländern, die sich für den 25. Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" qualifiziert haben. Gestern Nachmittag besuchte sie den Kirchberger Ortsteil Stangengrün, der im sächsischen Landeswettbewerb den ersten Platz belegt hatte. Die feierliche Auszeichnung der Bundessieger findet im Januar statt. Es werden Gold, Silber und Bronze vergeben.

Mit dem Wettbewerb, der alle drei Jahre stattfindet, ehrt das Bundes- ministerium für Ernährung und Landwirtschaft bürgerliches Engagement für eine lebenswerte Zukunft auf dem Lande. Teilnahmeberechtigt sind Gemeinden oder Gemeindeteile mit überwiegend dörflichem Charakter und bis zu 3000 Einwohnern. Diesmal haben 2400 Dörfer mitgemacht, 33schafften es bis ins Bundesfinale.

Stangengrün ist ein typisches Waldhufendorf und hat 650 Einwohner, Tendenz steigend. Die Gegend war 1250 von Oberpfälzern und Franken besiedelt worden.

Im 90 Jahre alten Familienunternehmen Ebert & Weichsel, in dem heute 33 Mitarbeiter arbeiten, ist die Bundeskommission gestern begrüßt worden. Früher wurden dort Hand- besen und Bürsten hergestellt, jetzt sind es flexible Schleifwerkzeuge. Warum sie und andere gern in Stangengrün leben, haben Robin Jugel und Jacob Gündel, zwei junge Leute, der Kommission vor dem Rundgang in einem kurzen Film gezeigt. (vim)

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