Stadtversteher lädt zum Mitmachen ein

Der Experte weiß: Händler allein retten das Zwickauer Zentrum nicht. Es braucht Ideen und Macher, die die City in einen Showroom verwandeln.

Zwickau.

Marc Schwade kam rasch auf den Punkt. "Der Handel allein schafft es nicht, mehr Leute in die Innenstadt zu locken", erklärte der Geschäftsführer der Berliner Firma Consilium vor etwa 150 Anwesenden während des 15. Wirtschaftsforums der Stadt Zwickau. Die Gesellschaft für Planungs- und Entwicklungsmanagement befasst sich gegenwärtig mit dem 2011 beschlossenen Einzelhandelskonzept, für dessen Fortschreibung der Stadtversteher nun Mitstreiter sucht.

Schwade warf Bilder mit Straßen der Innenstadt an die Wand, in denen gähnende Leere herrscht. "Sanierte Häuser sind keine Magnete, die gibt's inzwischen überall", sagte der Einzelhandelsexperte. Zum Vergleich: Auch Gera habe mitten in der Stadt ein Shoppingcenter. Ums dortige Einkaufszentrum herum würde mehr passieren. Sein Tipp: Die B-Lage macht den Unterschied. Und die müsse mit unterschiedlichen Marketing-Ideen gestärkt werden. Dann fasste Schwade, der sich mit Standort- und Marktanalysen sowie Nahversorgung und Stadtentwicklung auskennt, einem Fazit gleich zusammen: "Es braucht mehr als Handel, Events und Parken." Zur Beruhigung legte er im zweiten Teil seines Vortrages nach und stellte klar: "So schwierig ist der Standort nicht."

Kunden wollen zwar schnell einkaufen. Schwade hat aber auch die wichtige Erfahrung gemacht, dass die Menschen mit dem Innenstadtbesuch mehr als nur das Einkaufen und Versorgen verbinden. Und genau hier müssen seiner Meinung nach Kommunen ansetzen, die bei der Innenstadtbelebung einen Zahn zulegen wollen. Letzteres sei aber nicht nur die Aufgabe der Händler, betonte er mehrfach. Denn die Innenstadt sei ein Platz zum Treffen und Verweilen - "ein Erlebnis- und Erfahrungsraum". Dabei sollten sich neben den Händlern auch die Unternehmer, Großvermieter sowie Ver- und Entsorger einbringen. Die Innenstadt müsse zum Showroom werden. Dass das funktioniert, zeigten bereits andere Kommunen. So könnten in der einen Stadt selbstfahrende Busse getestet, in der anderen City leuchtende Fassaden und Lichtspiele beobachtet werden. Damit längst nicht genug: Großvermieter könnten mitten in der Stadt eine Wohnung als Schauobjekt vorstellen, die das digitalisierte Zuhause erklärt. Auch die Firmen seien gefragt, die für die Vorstellung ihrer Produkte mehr Präsenz in der Innenstadt zeigen sollten.

Im zweiten Teil des Forums erklärte Andreas Gosch von der Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, die die zentrale Schau der Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen" ausrichtet, welche Chancen die Zwickauer Innenstadt dabei hat. Fakt ist: Die Gäste der Landesausstellung kommen mit der Buslinie 10 rasch in die City. "Dafür sollen spürbar kürzere Taktzeiten eingerichtet werden", ergänzte Stadtmanagerin Ariane Spiekermann. Das soll unter anderem auf Großplakaten und als Buswerbung öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden.

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