Tante-Emma-Laden versorgt Nachbarn mit allem Nötigen

In Marienthal leuchtet wieder ein Licht in einem kleinen Geschäft. Die Anwohner freuen sich - der Chef ist noch nicht zufrieden.

Zwickau.

Es muss keiner Hunger leiden in Marienthal: Vor allem für ältere Anwohner hat nach der Schließung des Supermarktes am Eschenweg an der Ecke Heinrich-Braun-Straße/Platanenweg ein neuer Lebensmittelladen eröffnet, der auch Waren des täglichen Bedarfs bietet. In der ehemaligen Bäckerei kaufen Kunden wie Marion Hengst Brot, Eier, Getränke oder Duschgel. Die Verkäuferinnen Claudia Schwab und ihre Kollegin Nicole Denker haben schnell einen Draht zu den Marienthalern gefunden - und die wiederum sind froh, dass sie die beiden Damen haben. Vor allem für die vielen älteren Bewohner aus dem Westen des Stadtteiles sind sie die letzte Rettung.

Schnell hat sich eine Stammkundschaft gefunden. "Unser Angebot wird wirklich gut angenommen", sagt Claudia Schwab. Nur, wer ein wirklich edles Menü kochen möchte, kommt in der Einrichtung an seine Grenzen. "Wir können nur eine gewisse Auswahl anbieten", sagt die Verkäuferin. Allerdings will der Chef das Sortiment noch um Obst und Gemüse erweitern - dann kommen Hobbyköche dem edlen Menü einen Schritt näher.

Am liebsten aber würde Klaus Schneider richtig einsteigen, so der Chef des Geschäfts, der an den Wochenenden auch einen Lieferservice betreibt. "Man darf nicht vergessen, dass hier rund 3500 Menschen wohnen", sagt er und denkt darüber nach, aus dem geschlossenen Edeka-Markt am Eschenweg einen genossenschaftlich geführten Laden zu machen. Allerdings würde eine Modernisierung samt Erstausstattung mehrere hunderttausend Euro kosten. "Das hat kein Kleinunternehmer", sagt Schneider, der sich mehr Mitarbeit vonseiten der Stadt wünscht.

Die Verwaltung hatte sich im Vorfeld intensiv um Kontakte bemüht, um für den geschlossenen Markt eine Alternative zu schaffen, sagt Rathaussprecher Mathias Merz. Nach der Eröffnung des kleinen Ladens jedoch gab es keine Kontakte mehr - obwohl Schneider darauf gehofft hatte. Vor allem ärgert sich der Unternehmer, dass nach den öffentlichkeitswirksam geführten Diskussionen kein einziger Stadtrat mal in seinem Geschäft vorgesprochen hat.

Vielleicht, so seine Hoffnung, kommt man in nächster Zeit ins Gespräch, wenn sich tatsächlich genug Menschen finden sollten, die in eine Genossenschaftskasse einzahlen, um aus der Gemeinschaft heraus einen größeren Laden zu betreiben. "Wir würden das auch mit unseren Angestellten übernehmen", sagt er. Dann wäre für die Betreuung gesorgt. Solange das aber nicht mehr als ein Wunsch ist, bleibt für die Marienthaler nur der Weg an die Platanenstraße. Für frisches Brot, Milch und auch für ein nettes Gespräch.


Thema heute im Rat

Ein Antrag wird heute im Stadtrat verhandelt, nach dem die Stadtverwaltung beauftragt werden soll, sämtliche Möglichkeiten zu prüfen, wie die Nahversorgung in Marienthal verbessert werden kann. Dabei soll Wert auf die Bedürfnisse derjenigen gelegt werden, die nicht ohne weiteres mobil sind. Die Fraktionen von BfZ/Grüne, CDU und Linken, die den Antrag stellen, wünschen sich, dass die Verwaltung den Rat regelmäßig über den Fortschritt informiert.

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