Winterbekleidung wird dringend benötigt

Noch immer wird die Kleiderkammer im Verwaltungszentrum gut genutzt. Es fehlt jedoch an einem ausreichenden Angebot.

Zwickau.

Der große Ansturm an Asylbewerbern ist vorbei. Um diese in der Anfangszeit mit dem Nötigsten an Bekleidung und Waren des täglichen Bedarfs versorgen zu können, hatte der Förderverein "Modellprojekt Lutherkirchgemeinde" am 28. Oktober 2015 im Verwaltungszentrum eine Kleiderkammer eingerichtet. Vier Jahre später ziehen der Koordinator Lukas Schöps und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter eine positive Bilanz. "Am Anfang wurden wir regelrecht überrannt", sagte Fridrun Schwarz, die von Anfang an dabei ist. Zweimal musste die Ausgabe geschlossen werden, nachdem es zu tumultartigen Zuständen gekommen war. Aber das ist lange her. "Es macht aber auch heute noch großen Spaß", sagte sie. Wie viele Tonnen an Textilien den Besitzer wechselten, wagt heute keiner zu schätzen.

Inzwischen hat die Nachfrage nachgelassen, sowohl was die Kunden angeht, als auch die Spendenbereitschaft. Nicht nur die Bestände in den Lagern sind gesunken, auch die Zahl der Ehrenamtler ist von 35 auf jetzt fünf zurückgegangen. Die meisten Textilien gehen sehr schnell wieder raus, heißt es. Kinderwagen, -betten und -bettwäsche finden in der Regel neue Besitzer, kaum dass die in den Regalen einsortiert sind.

Auch wenn andere Kleiderkammern in der Region bereits dicht gemacht haben, ist für Lukas Schöps eine Schließung kein Thema. Immerhin hat die Kleiderkammer auch regelrechte Stammkunden. "Es kommen derzeit im Durchschnitt etwas mehr als zehn Personen", sagte Schöps. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ausgabe nicht nur Flüchtlingen, sondern allen Menschen offensteht. Die Abgabe ist grundsätzlich kostenlos. Jeden Mittwoch können sich Bedürftige mit Textilien, Haushaltwaren und Spielsachen versorgen. "Wir sorgen dafür, dass nur unbeschädigte Artikel angeboten werden", sagte Schöps. Das freilich setze voraus, dass nur gut erhaltene und saubere Waren gespendet werden. Daher sein Appell an alle Spender, die Kleiderkammer nicht als Entsorgungsbetrieb zu betrachten. "Manchmal kommt es vor, dass Säcke mit völlig vergammelten Klamotten abgegeben werden", sagte Fridrun Schwarz.

Nach wie vor stammen alle angebotenen Artikel von freiwilligen Spendern. "Häufig denken die Leute, wir bekommen auch einen Anteil aus den Kleidercontainern, die überall am Straßenrand stehen", sagte Angelika Renkewitz. Doch dem sei nicht so. Ameen Fayyadh ist für die Annahme der Spenden zuständig. Der Iraker gehört seit vier Jahren zum Team. "Abholungen sind im Einzelfall möglich", sagte er. Vor allem ältere Menschen oder Personen, die nicht über ein eigenes Auto verfügen, nutzen den Service gern. Lukas Schöps hat eine Liste an Waren aufgeschrieben, die besonders dringend benötigt werden. Kinderbekleidung, vor allem für den Winter, steht dabei ganz oben. "Aber auch für Erwachsene wird warme Kleidung benötigt", ergänzte Fridrun Schwarz. Angenommen werden auch Geschirr, Spielsachen und Plüschtiere, jedoch keine Puzzle sowie kleine elektrische Haushaltsgeräte. "Elektrogroßgeräte können wir nicht annehmen", sagte Schöps. Wichtig sei zudem, dass die abgegeben Waren sauber und gut erhalten sein müssen.

Banaz Aldalawi arbeitet seit etwa sechs Monaten in der Kleiderkammer - ehrenamtlich wie alle fünf Mitarbeiter. Die junge Irakerin hat ihre Mithilfe selbst angeboten. "Es war mir zu Hause zu langweilig", sagte sie. "Die Arbeit und der Kontakt zu meinen Kollegen macht mir viel Spaß." Sie hat auch die Funktion der Dolmetscherin übernommen.

Nicht alles, was in der Kleiderkammer angeboten wird, entwickelt sich zum Renner. Weggeworfen wird dennoch nichts. "Alles, was unsere Kunden nicht brauchen, geht an die Deutsche Kleiderspende", sagte Lukas Schöps.

Die Kleiderkammer hat jeweils am Mittwoch von 7 bis 10 Uhr im Haus 4 des Verwaltungszentrums Eingang D geöffnet. Spenden können ebenfalls am Mittwoch in der Zeit von 16 bis 18 Uhr abgegeben werden. Informationen und Terminvereinbarungen sind telefonisch möglich.

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