Wo Mehrkosten nichts kosten

Zunächst wollte sich die Stadt nicht zu den Vorwürfen aus einem anonymen Schreiben äußern, jetzt dementiert sie eine der Anschuldigungen ganz energisch. Es geht um das Puppentheater.

Zwickau.

Jetzt also doch. Der Umbau des Zwickauer Puppentheaters, der im Vergleich zum benachbarten Gewandhaus als regelrechte Musterbaustelle galt, wird ebenfalls teurer. Bei Weitem nicht um so viel wie das Gewandhaus und bei Weitem nicht so folgenreich, aber dennoch teurer. Auch wenn die Stadt die Mehrkosten nicht selbst tragen muss, aber das muss sie beim Gewandhaus auch nicht in voller Höhe. Nur wirft der Kostenanstieg beim Puppentheater die Frage auf, ob nicht doch etwas dran ist an den Vorwürfen aus dem anonymen Brief, der im Rathaus vor zwei Wochen für erstaunliche Diskussionen gesorgt hatte.

In dem besagten Schreiben, das die Stadtverwaltung selbst öffentlich gemacht hatte, gibt es einen kurzen Absatz zum Puppentheater. Darin heißt es, es sei dort zu einer "deutlichen Kostensteigerung" gekommen, die aber von der Stadtspitze vertuscht würde, "um politische Unannehmlichkeiten zu vermeiden." So seien Fördermittel "umgeleitet" worden, und eine Information an die zuständigen Gremien des Stadtrats habe nie stattgefunden. Die Stadt wollte den Vorwurf damals nicht kommentieren und verwies auf eine selbst angeschobene, aber noch ausstehende externe Prüfung der Vorwürfe aus dem Brief.

Christoph Ulrich

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Jetzt steht tatsächlich die Kostensteigerung am Puppentheater fest und soll in der kommenden Stadtratssitzung beschlossen werden. Eine entsprechende Vorberatung im Finanzausschuss fand hinter verschlossenen Türen am 2. April statt, einen Tag, nachdem die Stadt öffentlich gemacht hatte, dass ein anonymer Brief existiert. Gibt es da einen Zusammenhang? Oder ist es reiner Zufall, dass das Bekanntwerden der Vorwürfe zeitlich mit der Information über die Mehrkosten beim Puppentheater zusammenfällt?

Die Stadtverwaltung jedenfalls legt ihr ursprüngliches Schweigen zu den einzelnen Vorwürfen ab und dementiert energisch. "Der Vorwurf der Vertuschung entbehrt jeglicher Grundlage", sagt Sprecher Mathias Merz. Und auch der Bauherr, die Kultour Z., weist die Anschuldigungen zurück. "Den Vorwurf kann ich völlig entkräften", sagt Geschäftsführer Jürgen Flemming.

Statt den geplanten 1,4 Millionen Euro kostet das Vorhaben nun voraussichtlich 1,8 Millionen. Die Mehrkosten sollen komplett durch Fördermittel (trotz allem also Steuermittel) beglichen werden, der städtische Haushalt wird nicht belastet. Das Thema habe den Stadtrat aber erst jetzt erreicht, da aufgrund des Baufortschritts die exakte Höhe der Mehrkosten früher noch nicht festgestanden habe. Die letzte Vergabe sei erst im Februar erfolgt.

Allerdings zitierte die "Freie Presse" Flemming am 1. Dezember 2018 noch mit den Worten: "Wir sind im Zeit- und Finanzplan." Wieso er sich damals so geäußert hat? "Ich sagte damals: Für die Stadt werden keine weiteren Mehrkosten entstehen, es stehen genug Fördermittel bereit", sagt Flemming jetzt. Es habe auch keine Fehlplanung vorgelegen. Die Mehrkosten seien teils durch Brandschutzauflagen entstanden, die von den Ämtern strenger ausgelegt worden seien als vom Planer. Der Großteil der Steigerung (200.000 Euro) kommt durch Arbeiten im zweiten Obergeschoss zustande, die ursprünglich nicht eingeplant waren. "Das hat sich erst im Lauf der Baumaßnahme ergeben", sagt Flemming. Der Eröffnungstermin des Puppentheaters bleibe unverändert bei Anfang Oktober 2019.

Ist der Vorwurf aus dem anonymen Brief damit entkräftet? "Die Vorlage für den Finanzausschuss muss schon Wochen vorher existiert haben, vertuschen lässt sich bei Mehrkosten sowieso nichts", sagt Stadtrat Tristan Drechsel (BfZ/Grüne). Und Sven Itzek (AfD) sagt: "Das ganze Schreiben ist unglaubwürdig." Die Ergebnisse der externen Prüfung stehen noch aus.

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