Agricola-Schule: Aus Alt mach Neu

Die Bildungseinrichtung im Münzbachtal wird ab Dezember abgerissen. Grünen-Politiker Wolfram Günther hat dazu kritische Fragen gestellt.

Freiberg.

Bei der Grundschule "Georgius Agricola" im Freiberger Münzbachtal ist vor allem der 1876 als Volksschule errichtete Altbauteil von denkmalpflegerischem Wert. Das hat Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) in dieser Woche auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Wolfram Günther erklärt. Der Grünen-Politiker hatte unter anderem auch wissen wollen, ob eine Förderung des geplanten Neubaus auch zustande gekommen wäre, wenn zwei Fassaden der alten Schule erhalten geblieben wären.

Letzteres sei eine hypothetische Fragestellung, antwortet der Minister, und sei insoweit nicht vom Fragerecht umfasst. Ulbig bestätigt aber, dass die Untere Denkmalbehörde, die dem Stadtentwicklungsamt im Freiberger Rathaus angegliedert ist, dem beantragten Abbruch nicht zugestimmt habe. Die Genehmigung war letztlich von der Landesdirektion Sachsen erteilt worden.

Den Untersuchungen zufolge ist insbesondere der 1902 umgebaute Altbau aus stadtentwicklungs-, sozial- und architekturgeschichtlichen Gründen denkmalpflegerisch von Belang. Die 1958/59 erfolgte Erweiterung habe den historischen Bestand zwar respektiert, erklärt Ulbig weiter, werde in sich selbst aber den Kriterien eines Baudenkmals nicht gerecht. Die Aussagekraft des Kulturdenkmals konzentriere sich auf die bauliche Hülle der Schule, so der Minister, "da der Raumstruktur und der Ausstattung selbst keine besondere Qualität zukommt".

Die neue Schule sehen die Planer von Phase 10 (Freiberg) und Assmann (Dortmund) als dreigeschossiges Gebäude mit Flachdach und farblich betonten Fenstern. Aktuell würden Varianten diskutiert, sagte Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) gestern, wie bei dem Neubau der Standard eines "Null-Energie-Hauses" erreicht werden könne. "Eine sehr gute Wärmedämmung allein reicht dafür nicht aus", bestätigte Reuter. Erforderlich sei zudem die Nutzung regenerativer Energien. Zu diesen gehören beispielsweise Sonnenstrom und -wärme oder auch die Erdwärme.

Der Aspekt ist umso wichtiger, da die Stadt auf Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) hofft. Nach Minister Ulbigs Worten gibt es diese bei Schulneubauten aber nur für energetisch innovative Modell- und Pilotvorhaben. Insgesamt rechnet die Stadt momentan mit einer Bauzeit von April 2017 bis Dezember 2018 und Baukosten von 5,2 Millionen Euro. Wie hoch die Zuschüsse ausfallen, steht laut Baubürgermeister Reuter noch nicht fest. Im Januar hatte die Stadt noch mit 1,23 Millionen Euro Eigenanteil gerechnet.

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