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Foto: Sven Hoppe/dpa

Augenärztin nur noch für Privatpatienten

Weil sich Medizinerin und Kassenärztliche Vereinigung nicht einigen, haben Kassenpatienten das Nachsehen. Zankapfel: der neue Bereitschaftsdienst.

Von Astrid Ring
erschienen am 14.11.2017

Brand-Erbisdorf. Besorgnis und Unmut in Brand-Erbisdorf: Mit Jahreswechsel gibt es keinen Augenarzt mehr, der Kassenpatienten behandelt. Fachärztin Boryana Krasteva gibt ihre kassenärztliche Zulassung zurück. "Ab Januar 2018 werden wir als Privatpraxis weiterhin unseren Service in der Region anbieten", teilt sie ihren Patienten schriftlich mit. Als Grund nennt die 42-Jährige unter anderem Forderungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die sie nicht erfüllen könne. Die Kassenpatienten der Augenärztin sind ratlos, unter ihnen Lothar Kötzsch aus St. Michaelis, der sich wie andere an die "Freie Presse" wandte. "Ich habe fünf Augenärzte in Freiberg angefragt, nicht einer nimmt uns an", sagt die 69-jährige Margita Zothe. Sie und ihr 73-jähriger Ehemann müssten wegen Erkrankungen einmal je Quartal zur augenärztlichen Kontrolle. "Mir wurde Wilsdruff vorgeschlagen", schildert Volker Strauß. Die Krankenkassen würden auch keine Einzelfallentscheidungen zur möglichen Kostenerstattung für die Behandlung als Privatpatient ab 1. Januar treffen. Strauß wandte sich schriftlich an die KV in Chemnitz. Die bestätigte: Wenn sich Kassenpatienten privat behandeln lassen, müssten sie die Kosten tragen. "Das kann sich kein Rentner leisten", so Margita Zothe.

Zum Hintergrund: Seit Juli hat die KV den augenärztlichen Bereitschaftsdienst neu geregelt. An das Chemnitzer Klinikum angegliedert, besteht eine augenärztliche Bereitschaftspraxis, die außerhalb der Sprechzeiten eine ambulante Notfallversorgung anbietet. Diese sichern die kassenärztlichen Augenärzte mittwochs und freitags, 14 bis 22 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen, 9 bis 22Uhr zusätzlich zu ihren Sprechstunden ab. Laut KV sei das je Arzt etwa ein Bereitschaftsdienst im Monat.

Augenärztin Boryana Krasteva sieht sich vor allem aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage. Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Ich kann aber nicht anders", sagt sie und zeigt ihren Dienstplan: Sie behandle mittwochs zwischen 7.30 und 14.30 Uhr knapp 50 Patienten - habe einen viel größeren Stamm als andere Kollegen. Den Bereitschaftsdienst müsse sie bereits 14 Uhr in Chemnitz antreten. Gegen 23 Uhr wäre sie wieder zu Hause. Am nächsten Morgen beginne ihre Sprechstunde morgens. "Das halte ich nicht durch."

Sie kenne ihre kassenärztliche Verpflichtung zu Bereitschaftsdiensten, habe diese regelmäßig in ihrer Praxis geleistet. "Das würde ich auch weiterhin. Hier habe ich die Ausstattung für die Patienten und muss nicht 90 Kilometer fahren", sagt sie. Hinzu komme, dass nur wenige ihrer Patienten die Fahrt nach Chemnitz organisieren könnten. "Sie warten bis zum nächsten Tag, um in der Praxis vor Ort behandelt zu werden", so Boryana Krasteva. Einen Antrag auf Befreiung von den Chemnitzer Bereitschaftsdiensten habe die KV abgelehnt. "Ich habe keine andere Wahl", begründet die Augenärztin die Rückgabe ihrer Zulassung. Ihre Anwältin Silke Aigeltinger hat ebenfalls eine Einigung mit der KV versucht. Diese aber gebe es nicht. In der KV Chemnitz sind laut Geschäftsführerin Carmen Baumgart viele Patientenbriefe eingegangen. Das jetzige Bereitschaftssystem sei lange mit den Augenärzten diskutiert worden. "Die Bereitschaftspraxis in Chemnitz wird angenommen. Sie bietet den Patienten gute Behandlung und bedeutet weniger Dienste für den einzelnen Arzt." Acht Augenarztstellen stehen im Plan für den Altkreis Freiberg. Neun Augenärzte gibt es. "Die Bedarfsplanung bildet jedoch nicht das ab, was nötig ist", weiß Carmen Baumgart. Es gebe zu wenige Augenärzte. Zudem wolle kaum jemand im ländlichen Raum arbeiten. "Wir bemühen uns, zeitnah die augenärztliche Versorgung in Brand-Erbisdorf sicherzustellen", sagt sie. Der Ausgang der Gespräche könne aktuell aber "noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden".

 
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