Die Puhdys und Freiberg - Dokument einer niemals endenden Liebe

Die Puhdys und Freiberg, das bleibt auch nach dem offiziellen Ende der Band ein Thema. Erstmals erzählt Thomas Reibetanz nun die Geschichte dieser innigen Beziehung.

Freiberg.

Die Tinte der Widmung ist schon getrocknet. Das erste Exemplar seines Buches "Auf Lebenszeit" schickt Autor Thomas Reibetanz nach Berlin. Dieter Birr, genannt Maschine, Frontmann der Puhdys, bekommt das Buch nachträglich zum 72. Geburtstag. "Es ist toll, dass die Geschichten, die uns mit Freiberg verbinden, endlich in einem Buch nachzulesen sind", sagt Birr. "Ich kann es kaum erwarten, es endlich in den Händen zu halten und darin herumzublättern."

Wie es genau begann, warum die Puhdys also ausgerechnet im Tivoli das erste Mal vor Publikum spielten, wer sie nach Freiberg holte, das sei im Dunkel der Geschichte verschüttet, sagt Reibetanz. Dieter "Maschine" Birr erinnert sich kaum noch an den Auftritt im November 1969. Jedenfalls muss es von Anfang an Sympathie gewesen sein. Wie anders ist es zu erklären, dass die junge Band mit einem Repertoire von 15 Cover-Songs das Publikum fünf Stunden lang bei Laune hielt, wie Keyboarder Peter Meyer berichtet: "Wir können, wenn wir über Freiberg reden, also gern von einer gegenseitigen Begeisterung von der ersten Begegnung an sprechen."

Was Puhdys und Freiberg im Lauf der folgenden Jahrzehnte bis zum letzten Tivoli-Konzert 2015 zusammenschweißte, lässt Thomas Reibetanz, langjähriger "Freie-Presse"-Journalist und heute Mitarbeiter im Tivoli-Management, auf 100 Seiten wieder aufleben: Der Gitarrist, der die Stadtführung in Jogginghosen verfolgt. Der Keyboarder, der für ein Pressefoto beinah in den Straßengraben fällt. Der Frontmann, der mit einem unbedachten Satz 8000 Menschen ins Tivoli einlädt. Der Bassist, der fast in Freiberg studiert hätte. Der Junge, denen die Lieder der Band helfen, trotz Leukämie den Mut zu behalten. Die Schülerband, die die Instrumente ihrer Helden spielen darf. Der Vater, der seine Tochter nach einem Puhdys-Song "Melanie" tauft. Das Paar aus Niedersachsen, dass sich unbedingt in der Stadt das Ja-Wort geben möchte, in der beider Lieblingsband das erste Konzert gab.

Großen Anteil an der Liebe zwischen Band und Stadt hat der langjährige Tivoli-Chef Roland Säurich, der die Puhdys immer wieder überraschte: Mit der Baumpflanzung, dem Besuch in der Schmiede, dem traditionellen Arschledersprung, der Fahrt im Traditionszug. Und der nun am Fantreffen für den ersten November nach den Puhdys bastelt. "Das Buch ist sehr farbig, sehr bunt geworden", sagt Säurich. "Ich habe mich beim Lesen richtig wohl gefühlt. Die Puhdys und die Fans werden sich über dieses Bild freuen."

Zu letzteren gehört Harald Börner von den Fotofreunden Freiberg, der fürs Buch zahlreiche Aufnahmen beisteuerte. "Lebenszeit ist eines meiner Lieblingslieder", sagt er mit Blick auf den Buchtitel. "Ein Lied, das mir viel sagt und viel gibt. Imponiert haben mir vor allem das Durchhaltevermögen der Puhdys und die Konsequenz, mit der sie ihren Weg gegangen sind. Auch mich haben sie mitgerissen. Ich bin auch etwa in ihrem Alter, und wenn man erlebt, wie diese alten Herren auf der Bühne abgehen, vergisst man eventuelle Zipperlein einfach." (mit kf)

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