Neue Blitzer bremsen Raser aus

In Mittelsachsen sind 2017 zwei Tempo-Messanlagen neu installiert worden. Die Statistik deutet auf einen Erziehungseffekt hin.

Freiberg.

Das wird teuer: Mit einer Geschwindigkeit von 64 Kilometern pro Stunde ist ein Fahrzeug auf der Anton-Günther-Straße in Freiberg geblitzt worden. Erlaubt war um diese Zeit Tempo 30 - der Bußgeldkatalog sieht dafür 160 Euro Strafe, zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot vor.

Die Blitzersäule ist seit Ende 2016 in Betrieb. Insgesamt hat sie laut Ordnungsamt der Stadt im vergangenen Jahr 10.738 Raser erfasst. "Im Jahresschnitt sind die Verstoßzahlen erwartungsgemäß zurückgegangen", sagt Amtsleiterin Antje Liebernickel. Zudem seien in der Kreisstadt voriges Jahr 2332 Temposünder durch mobile Laser- und Radarmessgeräte überführt worden. Die Spitzenwerte: 90 Stundenkilometer bei erlaubten 50 km/h und 68 "Sachen" in einem Tempo-30-Bereich.

Der Landkreis hat voriges Jahr mit mobilen Radar- und Lasermessgeräten 12.433 Geschwindigkeitsübertretungen erfasst; das waren 133Fälle mehr als im Jahr zuvor. Zudem war die stationäre Messanlage des Landratsamtes auf der Colditzer Straße in Leisnig 2017 voll im Einsatz und zeichnete 1684 Temposünder auf; die Anlage war 2015 und 2016 infolge umfangreicher Reparatur- und Umrüstarbeiten nicht durchgängig im Einsatz gewesen.

Darüber hinaus hat die Kreisbehörde voriges Jahr Anfang Dezember auf der Augustusburger Straße in Flöha und Ende November auf der Mittweidaer Straße in Burgstädt zwei neue Blitzer in Betrieb genommen. Bis Jahresende wurden dabei in Flöha 351 und in Burgstädt 1033 Fahrer ertappt.

Zum Vergleich: Die drei städtischen "Starenkästen", die seit 2013 in Burgstädt stehen, haben 858 Tempoverstöße im Gesamtjahr 2017 dokumentiert. Die meisten Kraftfahrer würden jetzt bremsen, hat Bürgermeister Lars Naumann beobachtet: "Damit haben wir unser Ziel erreicht." Denn die Stadt habe die Anlagen vor fünf Jahren angeschafft, um die Raserei auf der Ortsdurchfahrt und vor der Goetheschule zu unterbinden. Noch im März soll Burgstädt eine weitere Messsäule erhalten: Der Kreis nehme an der Chemnitzer Straße eine Anlage in Betrieb, so Sprecher André Kaiser.

Die Polizei hat voriges Jahr in Mittelsachsen bei 865 Geschwindigkeitskontrollen 4349 Raser zur Verantwortung gezogen. Im Jahr zuvor hatten die Beamten ihre Laserpistolen zwar 38-mal weniger aufgebaut, aber in Summe 318 Tempoverstöße mehr festgestellt.

Polizei, Landkreis und Kommunen verweisen unisono darauf, dass die Kontrollen der Verkehrssicherheit dienten. Wo regelmäßig geblitzt werde, so Kreissprecher Kaiser, werde langsamer gefahren: "Besonders deutlich zeigt sich der Effekt an den stationären Anlagen." (mit bj)


Abgeblitzt: In Greifendorf spielt das Eichamt nicht mit

Sie darf nicht: Die im Oktober 2017 in Greifendorf an der B 169 errichtete stationäre Geschwindigkeitsmessanlage wird in absehbarer Zeit nicht in Betrieb genommen. Das hat das Landratsamt Mittelsachsen bestätigt. "Auch nach mehrfacher Überprüfung mit Änderungsversuchen durch die beauftragte Fachfirma" konnte die Anlage mit dem Radar-Messverfahren nicht geeicht werden. Das teilte die Pressereferentin des Landkreises, Tina Soltysiak, mit.

Das Eichamt hatte die Prüfung abgelehnt. "Für dieses Messverfahren ist die Stelle ungeeignet", sagte Holger Leibelt, kommissarischer Leiter des Eichamts Zwickau. In Greifendorf kämen gleich zwei Faktoren zusammen: Die Straße in der Ortslage sei kurvig und nicht gerade. Zudem werde entlang eines Geländers gemessen. Dies könne für Messfehler sorgen. Das Gerät müsse an einen anderen Standort versetzt oder die Messmethode geändert werden.

Das Landratsamt will am Standort festhalten. Laut Tina Soltysiak werden statt Lasertechnik voraussichtlich Sensoren in der Fahrbahn zum Einsatz kommen: "Für den Übergangszeitraum sollen mobile Geschwindigkeitsmessungen geprüft werden."

Kein großes Problem ist laut Tim Küchenmeister, ADAC-Anwalt für Verkehrsrecht, dass der übliche Abstand von 150 Metern zwischen Blitzer und Geschwindigkeitsschild nicht eingehalten würde: "Eine Ausnahme besteht immer dann, wenn es eine besondere Gefahrenstelle gibt." (fa)

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