Vor der Wahl: Attacke auf FDP-Kandidat

Auf Plakate des Großschirmaer Bürgermeisters Volkmar Schreiter, der erneut ins Amt strebt, wurden Zettel mit beleidigenden Sprüchen geklebt. AfD-Kandidat Rolf Weigand distanziert sich von der Aktion.

Großschirma.

Eine Woche vor der Bürgermeisterwahl in Großschirma rutscht der Wahlkampf der beiden Kandidaten unter die Gürtellinie. In der Nacht von Freitag auf Samstag sind in Obergruna, Großvoigtsberg, Hohentanne und Reichenbach etwa 30 Wahlplakate des Kandidaten und amtierenden Bürgermeisters Volkmar Schreiter (FDP) mit Sprüchen beklebt worden. Die Täter sind bislang unbekannt; die beschädigten Plakate zum Teil schon entfernt.

Volkmar Schreiter erfuhr am Samstagmorgen davon; Bürger riefen ihn an, erzählte er am Sonntag. Dann stieg er ins Auto und fuhr alle Ortsteile ab. Sprüche wie "Demokratie ist mir lästig", "Dümmlich grinsen kann ich am besten" oder "Wer mich kritisiert, den mache ich überall madig" waren, ausgedruckt auf DIN-A3 großem Papier, zu lesen. "Es ist einfach traurig. Viele Bürger sind empört. Beim Dorffest in Reichenbach habe ich aber auch Schadenfreude gehört", sagte er.

Sein Gegenspieler, Rolf Weigand (AfD), bemerkte die Plakate auf dem Weg zum Bäcker; dann erhielt auch er Anrufe von Bekannten. Auf Nachfrage betonte er am Sonntag: "Das hat nichts mit meinem Wahlkampf zu tun, so derb unter die Gürtellinie zu gehen." Beim Dorffest trafen sich Schreiter und Weigand. "Ich habe ihn direkt angesprochen und mich ganz klar davon distanziert", sagte Weigand. Kurz darauf postete er eine Stellungnahme bei Facebook. Darin bittet er um "einen fairen Wahlkampf ohne Sach- und Personenbeschädigung". Er selbst habe bislang etwa 30 Plakate eingebüßt; ein Großplakat sei beschmiert worden, erzählte er. Anzeige habe er nicht erstattet; Schreiter schon. Denn Wahlplakate sind Eigentum der jeweiligen Partei. Wer diese beschädigt, beschmiert oder beklebt, begeht Sachbeschädigung und verstößt gegen Paragraf 303 des Strafgesetzbuches. Die Polizei war zu diesem Fall am Sonntag nicht zu erreichen. "Herr Dr. Weigand hat sich aktiv davon distanziert, ja. Aber die Wortwahl weist doch auf die geistige Urheberschaft hin", sagte Schreiter. Weigand: "Ich vermute, es war eine Truppe, die frustriert ist. Aber wer so etwas macht, das sind nicht unsere Anhänger. Wir können in aller Härte diskutieren, aber so etwas lehne ich ab", so der AfD-Bürgermeisterkandidat.

Die Wahl ist am kommenden Sonntag in Großschirma.

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1Kommentare
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  • 5
    1
    Chillinger
    10.06.2018

    Auch wenn sich Herr Weigand distanziert, werden die Täter am nächsten Sonntag ganz sicher genau ihn wählen. Die AfD fördert mit ihrem Populismus eine politische Unkultur, die sich gerade durch solche Aktionen bestätigt. Wenn solch ein angestachelter Hass nun auch schon im ländlichen Kommunalwahlkampf angekommen ist, dann muss man sich um unsere Demokratie langsam richtige Sorgen machen. Ich hoffe, dass die anständigen Wähler wissen, wo sie ihr Kreuz nicht machen sollten. Diese Genugtuung sollte man den Tätern als den wahren Feinden der Demokratie nicht verschaffen.



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