Bahnlinie nach Leipzig: Neue Wagen - aber keine modernen

Die bisherigen Züge aus DDR-Zeiten sollen durch etwas neuere Reisezug- und Doppelstockwagen ersetzt werden. Klimaanlage und Barrierefreiheit soll es geben - es kommt aber immer darauf an, in welchen Wagen man sich setzt.

Chemnitz.

Tausche alte Eisenbahnwagen gegen weniger alte: Für die Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig ist eine Entscheidung gefallen. Nach Informationen der "Freien Presse" soll das bisherige Material auf der Regionalexpresslinie durch andere gebrauchte Reisezug- und einzelne Doppelstockwagen ersetzt werden. Darauf haben sich die zuständigen Verkehrsverbünde Mittelsachsen (VMS) und Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) verständigt.

Die Verbandsversammlungen, in denen die Landräte und Oberbürgermeister des Verbundgebietes sitzen, müssen dem aber noch zustimmen. Von den Verbünden war bislang jedoch noch keine Bestätigung zu bekommen.

Die Idee, auf der 81 Kilometer langen Strecke die im vorigen Jahr bei der Deutschen Bahn ausgemusterten Diesel-ICE einzusetzen, ist damit vom Tisch. Die Bahn hatte die Züge angeboten, gescheitert ist die Offerte wohl am Preis und an den Platzkapazitäten. Ein Diesel-ICE hat rund 200 Sitzplätze, abzüglich Fahrradstellflächen blieben weniger als 200 übrig. Das ist den Entscheidern offenbar zu wenig gewesen.

Zwei Züge aneinanderzukoppeln, ist auch nicht möglich, weil die Bahnsteige in Chemnitz und den Unterwegsbahnhöfen zu kurz sind. Mittwochnacht hatte es noch eine Probefahrt mit einem Diesel-Triebfahrzeug der Baureihe 611 gegeben. Dabei handelt es sich um den Vorgänger des Neigetechnikzuges, der bis Ende 2015 auf der RE-Linie im Einsatz war. Auch für diese Züge gab es ein Angebot von der Bahn. Aber auch dafür konnten sich die Vertreter der Verbünde wohl nicht erwärmen.

Nun sollen über die Jöhstadter Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn ausgemusterte Wagen beschafft werden, die in der Nähe des Ostseefährhafens Mukran abgestellt sind. Im Gegensatz zu den derzeitigen Wagen, die noch zu DDR-Zeiten gebaut wurden, sollen die "neuen" aus den 1990er-Jahren stammen. Statt der lauten Klotzbremsen sollen sie moderne, zeitgemäße Scheibenbremsen haben. Einzelne Wagen sollen zudem eine Klimaanlage besitzen, der Großteil wird aber weiter nicht klimatisiert sein.

Den Plänen nach sollen die Züge offenbar in einer gemischten Garnitur fahren - mit einem Steuerwagen auf der einen Seite, gefolgt von Reisezug- und einem Doppelstockwagen sowie einer Diesellok auf der anderen Seite. Der Doppelstockwagen soll dafür sorgen, dass die Züge zumindest teilweise barrierefrei zugänglich sind.

Der Freistaat will die Anschaffung der Wagen bezuschussen, wie aus Bahnkreisen verlautete. Das Wirtschaftsministerium wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Wie viel Geld die Beteiligten in die Hand nehmen, blieb zunächst offen. In Branchenkreisen waren zuletzt Summen zwischen vier und acht Millionen Euro zu hören. Die ersten Wagen sollen aber erst zum Jahresende einsatzbereit sein - sie müssen aufgemöbelt und neu lackiert werden.

Die RE-Linie Chemnitz-Leipzig wird laut VMS im Schnitt von 9000 Reisenden pro Tag genutzt und ist die nach dem Reisendenaufkommen viertwichtigste Nahverkehrsstrecke in Sachsen. Bis sie elektrifiziert ist, werden noch mindestens zehn Jahre vergehen. Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), die die Strecke derzeit betreibt, hat einen Vertrag bis 2023, der bis Ende 2025 verlängert werden kann.

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4Kommentare
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  • 2
    2
    Zeitungss
    03.07.2018

    Für die zwei Roten noch eine kleine Anmerkung: Manche Eisenbahnvereine haben noch alte sächsische Abteilwagen im Bestand und vermieten diese sehr günstig oder wollen sie noch einen 6. Verband gründen, interessierte Landräte und Bürgermeister sind aufzutreiben.

  • 7
    1
    HHCL
    02.07.2018

    @872888 Was Sie leider nicht verstanden haben, ist, dass die MRB die Züge bereitstellt, die der VMS bezahlt. Auf anderen Strecken fährt die MRB ja mit neuen Zügen. Der VMS ist an dieser saumäßigen Zugverbindung schuld. Raten Sie mal wer da im Vorstand sitzt?

  • 8
    3
    Zeitungss
    02.07.2018

    @872...: Die Landräte und Bürgermeister lernen noch, die Chemnitzer OB studiert schonmal die Fotos. Es gibt europaweit genug Anbieter von guten Schienenfahrzeugen und Fahrzeuge welche bereits eine Zulassung für Deutschland haben, was beim VMS und deren Schwestervereine noch unbekannt ist.
    Um ein paar Fahrleitungsmasten zu stellen braucht man 10 Jahre, die DR schaffte weit über 300 Km jährlich und hatte dabei sehr bescheidene Voraussetzungen im Gegensatz zu heute. Allerdings waren Vereine wie der VMS & Co auch nicht vorhanden, welche heute außer den Landräten und Bürgermeistern kein Mensch braucht.
    Selbige hätten eigentlich mit ihren eigentlichen Aufgaben genug zu tun, was soll´s, die Kasse klingelt auch hier und zwar weit über dem Mindestlohn. Sachsen braucht gleich mal 5, Berlin / Brandenburg kommt schon mal mit zusammen 2 aus.

  • 8
    1
    872889
    02.07.2018

    Das klingt doch so, dass Schrott durch Schrott ersetzt wird. Bleibt zu hoffen, dass der Vertrag mit der MRB spätestens 2023 ausläuft. Andere Verkehrsgesellschaften im Land zeigen, wie es geht. Und an Fahrgästen mangelt es auf der Strecke auch nicht.



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