Bio-Großhändler kauft Vogtlands größten Landwirtschaftsbetrieb

Für 20 Millionen Euro erwirbt die Firma Dennree aus Töpen die Agrofarm Eichigt. Der Betrieb wird nun auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt.

Eichigt. Der größte Landwirtschaftsbetrieb des Vogtlandes steht vor einem jahrelangen Umstellungsprozess. Die Agrofarm Eichigt, seit mehr als zwei Jahrzehnten ein typischer Mehrfamilienbetrieb, soll auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt werden. Das ist das Ziel des neuen Eigentümers, des Biohandelshauses Dennree aus Töpen. Der Großhändler hat die Agrofarm für 20 Millionen Euro erworben, erklärte Antje Müller von Dennree. Der neue Besitzer sicherte den 100 Mitarbeitern der Agrofarm weitere Beschäftigung zu. Das Personal erfuhr vor wenigen Tagen vom Verkauf.

Dass es einen Wechsel gibt, sein Ruhestand ansteht, daraus hat Klaus Rank, der 35 Jahre lang die Agrofarm geprägt hat, kein Geheimnis gemacht. Er selbst ist 71, viele der anderen 17 Gesellschafter sind in ähnlichem Alter, aber jeder hat einen Nachfolger. Den Anstoß, sich um Käufer zu bemühen, gab der Verkauf des Landwirtschaftsbetriebes Aproha Droßdorf vor einem Jahr, sagt Rank. Seit Februar wurde vier Monate lang verhandelt, mehrere Interessenten gab es für das Unternehmen.

Dass Dennree auf die Öko-Schiene setzt, sei ausschlaggebend für die Vergabe gewesen, erklärt Rank. "Wir haben da einen Reifeprozess durchlaufen. Die Menschheit will Bioprodukte, und sie will mehr Geld dafür ausgeben. Das ist eine neue Ära, die jetzt beginnt, und zugleich eine Riesenaufgabe, den Betrieb umzustellen." Rank sieht es als Chance für seine Mitarbeiter, zu beweisen, welch gute Landwirte sie sind. An erster Stelle steht Gerhard Feustel, seit drei Jahren Co-Geschäftsführer, künftig alleiniger Geschäftsführer der Firma. Durch die Umstellung des Betriebes wird die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Sachsen um etwa zehn Prozent wachsen. Für das organische Düngen der Flächen wird perspektivisch mehr Vieh benötigt, schätzt Rang ein.

Einen Landwirtschaftsbetrieb besaß Dennree bislang nicht, sagt Antje Müller. Möglich, dass das Eichigter Beispiel Schule macht: Ein Kompetenzzentrum aufbauen, andere zur ökologischen Umstellung anregen - es sind langfristige Ziele. Landwirtschaftsbetriebe kleinerer Größe sind mit Flächen in etwa zwei Jahren umgestellt, so Müller. Für Eichigt wird mit fünf bis zehn Jahren gerechnet. Eine langfristige Geschichte, bei der die Kosten von Beginn an wie für einen reinen Biobetrieb entstehen, die Produkte aber als "Bio in Umstellung" in den Handel kommen. Der Kauf sei für Dennree eine wichtige Stütze, die Brücke zu den Landwirten auszubauen, die Firma zu erden. "Ohne Landwirtschaft hätten wir unsere Produkte nicht. Das ist der Kern, der Bio ausmacht", so Antje Müller.

Klaus Rank wird die Entwicklung genau beobachten. "Ich stehe nach wie vor bei Fragen zur Firma zur Verfügung", sagt er - aber er wolle sich keinesfalls einmischen. Mit Familie, Damwild, Teich, Wald und dem Anspruch, fit zu bleiben, hat er genug Ziele für die nächste Zeit.

Dennree und Agrofarm Eichigt

Die Firma Dennree sitzt in Töpen im Landkreis Hof. Thomas Greim gründete 1974 im Alter von 22 Jahren das Unternehmen, das heute Marktführer im Großhandel für Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik im deutschsprachigen Raum ist. Dennree versorgt per eigener Logistik 1300 selbstständige Biomärkte und Biosupermärkte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol. Zum Sortiment gehören etwa 12.000 Artikel. Die Dennree-Gruppe hat 4000 Mitarbeiter und bildet jährlich 260 Lehrlinge aus.

Die Agrofarm Eichigt wurde in ihrer heutigen Form als Agrofarm 2000 GmbH am 1. Juli 1992 gegründet. Sie hat die Schwerpunkte Milch-, Futter- und Marktfruchtproduktion auf etwa 2700 Hektar Fläche. Die Agrofarm 2000 GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Agrar Holding GmbH, die sich um die Mutterkuhhaltung und die extensive Bewirtschaftung von Grünland auf etwa 500 Hektar kümmert. Zum Unternehmensverbund gehört die Agrar s.r.o. in Silberbach/ Stříbrná (Tschechien) als Marktfruchtbetrieb auf etwa 800 Hektar. Die Agrofarm beschäftigt 100 Mitarbeiter und bildet pro Jahr vier Lehrlinge als Landwirte oder Tierwirte aus.

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1Kommentare
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  • 1
    1
    aussaugerges
    04.08.2015

    Das ist das totale Verbrechen.
    Da das keine Genossenschaft war ist so eine perversition möglich.
    Die werden sich mit der DDR Mitgift in den Balearen absetzen.



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