Chemnitzer Türmer Stefan Weber ist tot

Chemnitz. Die Stadt Chemnitz trauert um ihren langjährigen Türmer Stefan Weber. Er ist am Freitag im Alter von 72 Jahren gestorben. Das teilte die Stadt am Nachmittag mit. Bis zuletzt leitete Weber Führungen durch das Rathaus und brachte so den Besuchern die Chemnitzer Geschichte humorvoll und leidenschaftlich näher.r.

"Mit Stefan Weber verlieren wir einen der großartigsten, leidenschaftlichsten Botschafter für unsere Stadt. Wie kein anderer konnte er seine Zuhörer mit Geschichten und Anekdoten in den Bann ziehen. Chemnitz war sein Leben. Als Türmer hatte er seine Bestimmung gefunden. Wir werden ihn ganz sehr vermissen. Wir trauern mit seiner Familie und den vielen, vielen, die ihn mochten und schätzten", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig am Freitag.
 
Stefan Weber übernahm am 1. März 1991 das wieder eingeführte Amt des Chemnitzer Türmers und setzte so eine Tradition fort, deren Anfänge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Zu seinem 70. Geburtstag erhielt er für seine Verdienste den Ehrenpreis der Stadt Chemnitz.

Ein bewegtes Leben

Bevor Weber jedoch Türmer wurde, hatte er bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Am 17. September 1942 hinein in den Zweiten Weltkriegs geboren, entwickelte er schon früh eine Vorliebe für Türme, Uhren und Glocken. Wie er einmal berichtet hatte, habe er im Alter von etwa vier Jahren alle Chemnitzer Kirchtürme gekannt. Ein Phänomen, das nicht zuletzt auch mit dem Blick aus dem Fenster der elterlichen Wohnung an der Neefestraße zusammenhing. Denn von dort aus sah er mehr als zehn Türme der Stadt. Der stille, sensible und zurückhaltende Junge blieb auch in der Schule in sich gekehrt.

Nach der achten Klasse stand die Berufswahl an. Der Vater drängte ihn zur Lehre als Maschinenschlosser, obwohl Weber gern andere Wege gegangen wäre. Denn er hatte eher Interesse an einer künstlerischen Ausbildung. Während der Lehre wurde jedoch sein künstlerisches Talent erkannt. Deshalb kam er zur Vorbereitung eines Kunststudiums an die Arbeiter- und Bauernfakultät. Doch der Weg zur Kunst blieb ihm verwehrt, weil er sich nicht politisch engagieren wollte.

Vom Kochtopf zum Kirchturm

Während seiner Armeezeit nutzte er die Gelegenheit, sich gleichzeitig zum Koch ausbilden zu lassen. Danach ging er wieder den künstlerischen Weg. Die Werbung bot dafür ein gutes Feld. Bei einer Werbeagentur qualifizierte er sich zum Plakat- und Schriftmaler. Dem folgten Beschäftigungen in verschiedenen Betrieben und Einrichtungen.

1966 trat er dem Chor der Schloßkirche bei. 1970 zog er in den dortigen Kirchturm in die Wohnung des Küster ein und übernahm dessen Aufgaben im Nebenjob.

Auf die eintretende angespannte Finanzlage der Chemnitzer Kommune reagierte Weber mit dem Verzicht auf Honorar für Führungen sowie Einsätze zu besonderen Anlässen. Zu seinen Aufgaben zählten auch protokollarische Termine der Stadtverwaltung und die Gestaltungen für das Goldene Buch der Stadt.

Neben seinen Einsätzen, bei denen er die traditionelle Uniform des Türmers mit Mantel und Hut trug, engagierte sich Weber in der europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft. Er repräsentierte bei den alljährlich in verschiedenen Städten organisierten Treffen der etwa 130 Mitglieder zählenden Vereinigung seine Heimat Chemnitz.

 

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