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Immer mehr Kunden greifen zu veganen und vegetarischen Produkten. Ein Siegel ist die Blume der Vegan Society.

Foto: dpa/D. Karmann

Fleischlos ist nicht immer gesund

Verbraucherschützer bemängeln Inhaltsstoffe und Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Ersatzprodukten.

Von Tobias Hoeflich
erschienen am 07.12.2017

Sojamilch, Tofuschnitzel, veganer Aufschnitt: Ersatzprodukte für Fleisch, Käse und andere Lebensmittel liegen im Trend. Neun von zehn Deutschen haben sie schon wenigstens einmal probiert, ergab eine nicht repräsentative Umfrage der Verbraucherzentrale unter 6000 Teilnehmern. Die Gründe sind vielfältig: Vor allem Tierschutz und Ethik, aber auch generell ein gesünderes Essen wurden genannt.

Dieser Trend spiegelt sich in der steigenden Zahl derer wider, die kein Fleisch essen. Zu den 7,8 Millionen Bundesbürgern kommen nach Angaben des Vegetarierbundes noch einmal 900.000 Veganer dazu, die also auf jegliche tierische Produkte verzichten. Anlass für die Verbraucherzentralen, die fleischlosen Alternativen einem Marktcheck zu unterziehen.

Der Test: Bei dem Marktcheck wurden 127 Produkte gekauft und unter anderem auf den Gesundheitswert, verwendete Siegel und Transparenz auf der Verpackung überprüft. Die Tester haben die Produkte in drei Kategorien unterteilt: Fleisch-, Wurst- sowie Ersatzprodukte für Joghurt, Frischkäse, Eis und Quark. Diese wurden dann noch in Unterkategorien aufgeteilt.

"Vegetarische und vegane Ersatzprodukte bieten nicht zwangsläufig eine gesündere Alternative. Verbraucher müssen genau hinschauen und jedes Produkt anhand der Zutaten bewerten", so das Fazit von Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Eine generelle Aussage zum Gesundheitswert ist aufgrund der Variationsbreite der Zusammensetzung aber nicht möglich."

Zutaten: Zwar enthalten Ersatzprodukte für Fleisch und Wurst im Schnitt weniger Kalorien und gesättigte Fette als die originalen. In 80 Prozent der untersuchten Produkte sei jedoch zu viel Salz, kritisiert Brendel, denn: "Viele erwarten, dass Ersatzprodukte eine gesündere Alternative zu tierischen Produkten sind." Ebenso greifen viele Hersteller auf Zusatzstoffe zurück. Während nur zwölf Prozent der getesteten Produkte überhaupt keine aufwiesen, enthielten manche bis zu acht Zusatzstoffe.

Transparenz: Bei einem Viertel der getesteten Ersatzprodukte wird Hühnerei als Zutat verwendet, überwiegend in den Ersatzprodukten für Wurst und Fleisch. Aber: Bei fast einem Drittel ist nicht eindeutig ersichtlich, woher die Eier kommen. Brendel plädiert daher für eine durchgängige Kennzeichnung der Haltungsform, "da der Tierschutz eine große Rolle für Verbraucher spielt". Ebenfalls ist bislang der Hinweis nicht Pflicht, dass vielleicht Spuren tierischer Bestandteile in einem Produkt enthalten sind. Auf nur knapp zehn Prozent der getesteten Produkte fanden sich entsprechende Angaben.

Kennzeichnung: Fast die Hälfte aller getesteten Produkte trägt weder das Wort "vegan" noch "vegetarisch" im Namen. Die Ersatzbasis für Tiererzeugnisse wird sogar bei 54 Prozent nicht im Namen genannt. Die Kennzeichnung sollte von den Herstellern verbessert werden, fordert Brendel. "Hierzu sind gesetzliche Regelungen erforderlich." Viele Hersteller schmücken ihre Verpackungen mit Siegeln von bestimmten Organisationen oder Labeln. Am häufigsten - bei knapp zwei Dritteln - findet sich das Vegetarisch- oder Vegansiegel des Vegetarierbundes Deutschland auf der Verpackung. Knapp ein Sechstel wirbt mit der Vegan-Blume der Vegan Society, einer Organisation aus Großbritannien. Informationen zu diesem Siegel gibt es aber im Internet nur auf Englisch, bemängeln die Verbraucherschützer. Hinzu kommt eine Vielzahl an Labeln auf den Verpackungen. Dabei reicht die Palette von "fleischfrei" oder "vegetarisch" bis zu "natürlich veggie", "pflanzliche Genussideen" oder "100% pflanzlich". Die Vielzahl an verwendeten Siegeln und Labeln könne ebenfalls eher zur Verwirrung als zur Aufklärung der Käufer beitragen, so die Verbraucherschützer.

Kompletter Marktcheck: freiepresse.de/ersatzprodukte



Foto: VZ Niedersachsen

Vielleicht Schalentier in veganem Produkt

Hersteller: ProLaTerre

Produkt: Seetangbällchen

Kritik: Mit dem Slogan "100% pflanzlich" wirbt der Hersteller. In der Zutatenliste findet sich aber der Hinweis, dass Spuren von Schalentieren enthalten sein können.



Foto: VZ Niedersachsen

Gesundheitswerbung bei hohem Salzgehalt

Hersteller: alberts

Produkt: LupinenRost-Bratwürstchen

Kritik: Erweckt mit Slogans wie "natürlich lactosefrei", "Ballaststoffquelle" und "eiweißreich" einen gesunden Eindruck, enthält aber viel Salz (1,9g/100g).



Foto: VZ Niedersachsen

Korn-Frikadelle mit kaum Korn-Anteil

Hersteller: Calendula

Produkt: Bio-5-Korn-Frikadelle

Kritik: Der Name verspricht 5 Korn-Arten im Produkt. Die finden sich zwar darin, aber alle zusammen addiert, machen sie nur fünf Prozent der Zutaten aus.



Foto: VZ Niedersachsen

Benutzung geschützter Worte

Hersteller: Heirler

Produkt: Wie Frischkäse

Kritik: Laut Bezeichnungsschutz darf die Aufmachung veganer Produkte nicht dem Original ähneln. Trotzdem wird das geschützte Wort "Frischkäse" verwendet.

 
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