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Nadin Pohlers war fünf Jahre die rechte Hand von SRM-Geschäftsführer Wolfgang Streubel. Nun übernimmt sie den Posten, ist aber froh, dass ihr Vorgänger sich weiter engagieren will.

Foto: Andreas Kretschel

"Noch einen Grand Prix wie 2017 kann es für die SRM nicht geben"

Die neue Geschäftsführerin des Sachsenring-GP-Veranstalters, Nadin Pohlers, über ADAC, Dorna und Freistaat

erschienen am 12.10.2017

Hohenstein-Ernstthal. Nadin Pohlers hat Wolfgang Streubel auf dem Posten des SRM-Geschäftsführers abgelöst. Sebastian Siebertz sprach mit der 27 Jahre alten Oberlungwitzerin über ihre persönliche Verbindung zum Sachsenring-Grand-Prix, Herausforderungen bei der Ausrichtung des Motorrad-WM-Laufes und ihr Ziel für die nächsten Jahre.

Freie Presse: Bisher haben Sie im Hintergrund als rechte Hand von Wolfgang Streubel den Sachsenring-Grand-Prix mitorganisiert. Freuen Sie sich darauf, nun an der Spitze des Veranstalters zu stehen?

Nadin Pohlers: Ich stehe nicht allzu gerne im Vordergrund, aber die Position bringt das eben mit sich. Ich bin Betriebswirtin, keine Politikerin - und werde es auch nicht. Alles andere ist neben der Erfahrung, die ich schon habe, ein Lernprozess.

Wie dankbar sind Sie, dass Wolfgang Streubel die SRM weiter unterstützt?

Sehr. Seine Erfahrung wird uns helfen - vor allem beim Thema Umbauarbeiten. Die Diskussion um die vermeintliche Risikostelle Kurve 11 wird uns wahrscheinlich noch einige Zeit begleiten.

Waren Sie schon immer motorradbegeistert oder hat es der Beruf mit sich gebracht?

Ich stamme aus Oberlungwitz, war mit meinen Opa beim Grand Prix immer auf der Tribüne 2. Als es 2011 hieß, dass es der letzte Grand Prix war, habe auch ich mit der Kerze in der Hand für den Erhalt des WM-Laufes demonstriert.

Wie sehr hat sich Ihre Familie gefreut, dass Sie nun Geschäftsführerin sind?

Natürlich sehr. Sie wissen aber auch, dass es eine Herausforderung ist. Ich bin gerade aus der Elternzeit zurückgekommen. Ich kann mir zum Glück der Unterstützung meiner Familie sicher sein. Mein Mann muss sich - wie schon in diesem Sommer - zum Grand Prix um meine Tochter kümmern.

Mit 164.801 Zuschauern ist man dieses Jahr unter den Erwartungen geblieben. Dass dies Verluste im sechsstelligen Bereich bedeutet, wurde bereits bekanntgegeben. Können Sie inzwischen die genaue Summe benennen?

Daran arbeiten wir. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Um kostendeckend den Sachsenring-GP zu veranstalten, müssen rund 200.000 Zuschauer an den drei Tagen kommen. Nimmt man die Saison 2016, haben nur drei von 18 Rennwochenenden diese Marke geknackt: der Sachsenring, Spielberg und Valencia. Muss man schauen, dass man nicht nur der Zahl hinterherhechelt, sondern Kosten reduziert?

Unser Wettbewerbsnachteil ist, dass wir keine permanente Rennstrecke sind. Das können wir nicht ändern. Wir haben unter anderem höhere Kosten durch den Tribünenaufbau und die Stromversorgung. Bei der Sicherheit geht es weiter. An anderen Strecken ist ein Zaun um das Gelände, es gibt einen Eingang, wo die Ordner die Zuschauer kontrollieren. Der Sachsenring hat viele Zugänge. Deswegen brauchen wir unglaublich viel Personal, um die Sicherheit der Veranstaltung gewährleisten zu können.

Wie sieht es mit Sponsoren- oder Werbegeldern aus? Ist da noch Luft nach oben?

Es gibt noch Felder, in denen wir noch versuchen werden, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Aber auch da sind uns Grenzen gesetzt. Wir müssen eine weiße Rennstrecke liefern: Jegliche TV-relevante Werbung oder die Namensrechte des Grand Prix fließen nicht in unsere Tasche, sondern in die des internationalen Rechteinhabers, der Dorna. Gespräche müssen wir noch mit den hiesigen Unternehmen führen, die vom GP profitieren, sich aber noch nicht daran beteiligen, den WM-Lauf nachhaltig zu sichern.

Die SRM sitzt ja mit der Dorna, dem WM-Promoter, und dem ADAC an einem Verhandlungstisch. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta und ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk scheuen sich nicht davor, Konflikte öffentlich auszutragen.

Die Abstimmung mit der Dorna bei der Abwicklung des GP ist sehr positiv. Es ist Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten vorhanden. Und ich verhandle auch nicht alleine mit dem ADAC. Wir haben in der SRM Gesellschafter, die von Bürgermeistern oder eben dem Landrat vertreten werden. Es stärkt unsere Verhandlungsposition, dass man auch in der ADAC-Zentrale in München weiß, dass der Grand Prix am Sachsenring aufgrund der Tradition gut funktioniert. An anderen Strecken in Deutschland sähe das anders aus.

Der Hauptgrund für den Zuschauereinbruch in diesem Jahr war die Terminverschiebung. Das schlechte Wetter, aber auch die erhöhten Ticketpreise haben eine Rolle gespielt. Wird man nun erst einmal darauf verzichtet, Preise zu erhöhen?

Die Zahlen von 2017 können wir nicht als Referenz nehmen. Wir wissen nicht, wie viele Zuschauer uns allein durch die Terminverschiebung verloren gegangen sind. Wir müssen den GP 2018 abwarten und dann können wir daraus Schlüsse für die nächsten Jahre ziehen.

Aber 2018 muss die 200.000er-Marke erreicht werden?

Noch einen Grand Prix wie 2017 kann es für die SRM nicht geben.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung vom Freistaat?

Die Zusammenarbeit mit dem Freistaat an der Strecke ist gut. Allein für die Veranstaltung des Grand Prix wünscht man sich etwas mehr Unterstützung. Dabei geht es nicht nur um Geld. Ich meine die Außendarstellung. Dass man sich als Freistaat Sachsen bekennt: Das ist unser Grand Prix. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn wir beim Freistaat den gleichen Stellenwert wie der Tag der Sachsen hätten.

Häufig wird moniert, dass die Strukturen am Sachsenring kompliziert seien.

Diesen Kritikpunkt kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben immer gut mit dem ADAC Sachsen und dem Verkehrssicherheitszentrum (VSZ) zusammengearbeitet. Wir stehen zusammen. Es gab für die Dorna immer nur einen Ansprechpartner bei der Organisation: die SRM. Die Strukturen haben uns nie daran gehindert, einen guten Grand Prix zu organisieren.

Der aktuelle Vertrag läuft bis 2021. Was ist Ihr Ziel?

Dass wir weiter sagen können: Der Grand Prix ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region und, dass wir als SRM kostendeckend gearbeitet haben.

 
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