Wissenschaftsstandort Chemnitz verliert herausragenden Forscher

Professor Thomas Geßner starb am Mittwoch in der japanischen Hauptstadt Tokio. Sein Lebenswerk hat die Region auch wirtschaftlich vorangebracht.

Chemnitz.

Der Leiter des Chemnitzer Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme (Enas) ist tot. Der 61-Jährige Wissenschaftler starb in Tokio, wo er an einer wissenschaftlichen Tagung teilnahm. Der Physiker war Inhaber des Lehrstuhls für Mikrotechnologie an der Technischen Universität Chemnitz und Leiter des Zentrums für Mikrotechnologien (ZfM) der TU. 2008 wurde unter seiner Regie das Fraunhofer-Institut Enas gegründet. Es stellt das Herzstück des Smart Systems Campus in Chemnitz dar, auf dem sich zahlreiche Hochtechnologie-Firmen angesiedelt haben.

"Wir verlieren mit Thomas Geßner einen außerordentlich engagierten, weitsichtigen und fachlich herausragenden Hochschullehrer, einen international sehr geschätzten Wissenschaftler", sagte Professor Andreas Schubert, Kommissarischer Rektor der TU Chemnitz. "Diese Nachricht ist ein mächtiger Schlag ins Kontor des Wissenschaftsstandortes Chemnitz", reagierte am Mittwoch Eberhard Alles, Kanzler der TU Chemnitz, auf die Informationen aus Tokio. Geßner sei ein sehr erfolgreicher Wissenschaftler gewesen und sei auch als anerkannter Fachgutachter für den deutschen Wissenschaftsrat tätig gewesen, sagte der TU-Kanzler. Beim Aufbau des Smart System Campus habe er maßgeblich mitgewirkt und sich mit großem Engagement auch für den wirtschaftlichen Erfolg in Chemnitz eingesetzt.

Auch für die Fraunhofer-Organisation sei der Tod von Geßner ein schwerer Schlag, sagte Fraunhofer Präsident Reimund Neugebauer: "Dieser Verlust kommt für uns plötzlich und völlig unerwartet. Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, um seine großen Leistungen zu bewahren und sein Lebenswerk fortzuführen." Geßner war Autor von mehr als 900 Publikationen und meldete 136 Patent an.

Geßner galt als international gut vernetzter Wissenschaftler, der auch hervorragende Kontakte in die asiatischen Wissenschaftszentren hatte. Zu einem seiner größten Erfolge zählte der Aufbau des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme in Chemnitz, das ursprünglich nur eine Abteilung des Berliner Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration war. Doch die positive Entwicklung des Chemnitzer Institutsteils führte zur Gründung des Fraunhofer Instituts Enas. "Professor Geßner ist es als international agierenden Netzwerker gelungen, die Chemnitzer Forschung rund um die smarten Systeme weit über Europa hinaus bekannt zu machen", sagte Professor Jan Mehner, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik. Geßner gehörte nicht nur zu den Gründern der Europäischen Plattform für Smart Systems Integration, er leitete auch die internationale Smart Systems Integration Conference und Ausstellung als Vorsitzender seit ihrer Etablierung im Jahr 2007.

Der gebürtige Karl-Marx-Städter studierte Physik an der TU Dresden und promovierte dort 1983 an der Fakultät für Naturwissenschaften. Seine Habilitation erhielt er 1989 an der TU Karl-Marx-Stadt. Aus dem Technikum Mikroelektronik gründete Geßner 1991 das Zentrum für Mikrotechnologie. 1993 erhielt er einen Ruf als Professor für Mikrotechnologie an die TU Chemnitz. Von 1994 bis 1997 war Geßner Prorektor für Forschung der TU Chemnitz, von 2006 bis 2009 war er Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.

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1Kommentare
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  • 5
    0
    fp2012
    26.05.2016

    Ein ganz Großer der Wissenschaft in Chemnitz tritt ab. Tiefe Verneigung !



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