Zwickau stoppt Stadionbau vollständig

Eines der aufsehenerregendsten Projekte in der Stadt ist gestorben

Sie hätte einen 30-Millionen-Euro-Beschlussvorschlag nicht unterschrieben: So begründete Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) am Montag ihre Haltung zum endgültigen Baustopp am Westsachsenstadion. Und damit steht sie nicht allein da: In einer siebenstündigen Krisensitzung waren am Freitag Verwaltungsspitze, Planer, Projektsteuerer, Sachverständige und die vier Fraktionsvorsitzenden aus dem Stadtrat zu dem Ergebnis gekommen, dass die geplante Sanierung zu teuer wird. Von 27,5 bis 30 Millionen Euro war zuletzt die Rede.

Dabei hatte man vor der Sommerpause alle Beteiligten nochmal an die Rechenschieber geschickt, um die damals gehandelten 22 Millionen Euro Baukosten schlanker zu rechnen. Das misslang. Unter anderem deshalb, weil die Sicherung des Baugrundes viel aufwändiger wird als angenommen. Aber auch, weil sich mit immer genauerer Planung gezeigt habe, dass der Denkmalschutz die Arbeiten verteuert, begründete die Rathauschefin die hohen Kosten, die am Ende das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Summe betrugen. Schuldzuweisungen indes, so beteuerte Findeiß, habe es während der Krisensitzung nicht gegeben -und wolle sie auch nun nicht aussprechen.

2,7 Millionen Euro hat die Stadt nach Auskunft von Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) bereits ins Stadion gesteckt. Davon waren 1,7 Millionen Euro Förderung. Für weitere zwei Millionen Euro - die Hälfte davon vom Land - soll das Stadion soweit wieder hergestellt werden, dass es als Sportstätte funktioniert. Für Rodelwettkämpfe, niederklassigen Fußball, aber auch für Konzerte soll es taugen. Damit wird die Stadt immer noch den Anforderungen des städtebaulichen Vertrages gerecht, der die Grundlage für die Förderung ist. Meyer geht unterdessen nicht davon aus, dass Fördermittel zurückgefordert werden.

Solange es keine Fußballmannschaft gibt, die oberhalb der Regionalliga spielt, ist damit für alle gesorgt. Der FSV Zwickau muss sich also auf lange Sicht in Eckersbach einrichten. Dennoch betonte Findeiß, dass das im Sommer regionalligatauglich ausgebaute Sportforum Sojus 31 nach wie vor nur eine Zwischenlösung ist. "Wir werden dem Stadtrat 2012 Vorschläge unterbreiten, an anderer Stelle ein neues Stadion zu bauen." Ort, Zeit und Finanzierung stehen bislang nicht fest. Nur so viel: Es gibt zurzeit kein Förderprogramm, auf das sich die Stadt stützen könnte. Der Neubau soll laut Meyer maximal 20 Millionen Euro kosten.

Um diesen Plänen eine Grundlage zu geben, muss allerdings noch der Stadtrat darüber abstimmen. Die Bürgervertreter sollen im Oktober einen geänderten Vorhabensbeschluss fassen und damit den Umbau endgültig zu den Akten legen.


Nico Quade: Die dritte Liga könnte in fünf Jahren aktuell sein

Der FSV Zwickau wird so schnell nicht wieder im Westsachsenstadion spielen. Sara Thiel sprach mit Trainer Nico Quade über die neue Situation.

Freie Presse: Das Stadion wird nicht gebaut - wie haben Sie das aufgenommen?

Nico Quade: Gar nicht. Ich war jetzt zwei Tage nicht da und höre jetzt das erste Wort davon.

Freie Presse: Ist die Aussicht, dass der FSV Zwickau nie wieder zu höherklassigen Punktspielen im Westsachsenstadion antreten wird, eine traurige?

Nico Quade: Für mich ist das kein Problem. Meine Aufgabe heißt, die Mannschaft in die Regionalliga zu führen. Da spielt es keine Rolle, wo wir spielen.

Freie Presse: Das Sportforum Sojus 31 in Eckersbach ist also auch als längerfristige Spielstätte in Ordnung?

Nico Quade: Wir haben uns der Realität gestellt - und die heißt Sojus 31. Dort fühlen wir uns als Mannschaft sehr wohl,. Wir haben dort einmal mit und einmal ohne Zuschauer gespielt - das passt schon.

Freie Presse: Sie würden sich aber auch nicht wehren, wenn eines Tages ein ganz neues Stadion an einem ganz neuen Ort gebaut würde.

Nico Quade: Natürlich nicht. Jeder Verein würde sich über ein neues Stadion freuen. Aber das liegt nicht in unserer Entscheidung. Das müssen schon die Verantwortlichen in der Stadt alleine machen.

Freie Presse: Das neue Stadion soll drittligatauglich sein. In welcher Zeit könnte die Mannschaft das realistischerweise erreichen?

Nico Quade: So, wie ich sie jetzt erlebe, wären fünf Jahre realistisch. Allerdings sollte man in dieser Zeit auch richtig arbeiten können.

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