Abschied vom Einwegbecher

Zu den Plänen von Umweltministerin Schulze, Wegwerfbecher zurückzudrängen

Die Statistik lügt in diesem Fall nicht: 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke werden deutschlandweit pro Jahr in den Umlauf gebracht, dazu 1,3 Milliarden Plastikdeckel. Das einzig Gute an den erschreckenden Zahlen? Sie steigen seit einigen Jahren nicht mehr, sondern bleiben konstant auf hohem Niveau.

Umweltministerin Swenja Schulze will jetzt Produzenten von Einweg-Kaffeebechern zur Kasse bitten. Die Becher-Flut soll zurückgedrängt werden, indem die Kosten stärker auf die zugespitzt werden, die sie verursachen. Zudem will die Ministerin das Mehrwegsystem ausbauen. Umweltbewusstsein schaffen über den Preis? Die Idee ist gut, da das Prinzip der Freiwilligkeit unseren Planeten nicht retten wird.

Das Beispiel Plastiktüte hat gezeigt, dass schon 15 bis 20 Cent pro Tüte etwas bewirken: Der Verbrauch an Plastiktüten ist drastisch zurückgegangen. Zumindest in Deutschland. Das allein wird die Welt nicht retten, aber immerhin. Allen ist klar, dass der Einweg-Plastikbecher aus geschäumtem Kunststoff ebenso wie das Plastikbesteck oder der bunte Strohhalm, die laut EU-Verordnungen ab 2021 verboten sind, nur Symbole sind. Symbole für ein anderes, nachhaltigeres Umweltbewusstsein.

Wenn nun die beschichteten Pappbecher und die Deckel zu teuer werden, dann verschwinden sie von der Bildfläche - oder der Kaffee wird eben teurer. Was für den so geliebten und lifestylemäßig so beliebten "Coffee to go" gilt, müsste dann übrigens auch für die einschlägigen Kaffeemaschinen mit Plastikeinlage gelten. Werbe-Ikone George Clooney etwa mag vielleicht ein netter Kerl sein, mit ihm wird die Umwelt aber nun weiß Gott nicht gerettet.

Umweltministerin Schulze muss aber vor allem an die Verpackungsindustrie heran, die nahezu jede Ware in Supermärkten und Elektronikläden so verpackt, dass sie sich notfalls auch für eine Lagerung für den hoffentlich nie eintretenden Katastrophenfall eignet. Da muss die Politik endlich den Druck erhöhen.

Im Pfandsystem rechnen sich wiederwendbare Becher übrigens erst ab 25 Umläufen, wie Umweltstudien gezeigt haben. Viele Läden und einschlägige Kaffeeketten ziehen schon länger mit: Sie geben inzwischen einen Rabatt auf den Kaffee zum Mitnehmen, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt. Außerdem entstanden in den vergangenen Jahren in vielen deutschen Städten Pfandsysteme für Kaffeebecher.

Kaffeegenuss to go ist sehr gefragt. Es ist sehr praktisch, auch unterwegs überall einfach und schnell Kaffee trinken zu können. Zum Kampf gegen die Macht der Gewohnheit zählt aber auch der Verlust an Bequemlichkeit. Umweltbewusstes Handeln als neuer "Lifestyle" für alle - warum erfindet nicht einer mal so etwas?

Vor 1996, als in Deutschland erstmals ein "Kaffee zum Mitnehmen" verkauft wurde, ging es ja auch ohne Plastik. Kaffeegenuss in Ruhe, gar mit einer Tasse aus Porzellan oder Keramik? Das klingt heute wie ein Appell aus ferner Zeit. Wir können aber noch so sehr über Kosten und Verbote jammern: Deutschland muss weg von der Wegwerfmentalität.

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