AfD mit Methoden autoritärer Regime

Zu Plänen der AfD im Sächsischen Landtag für Beschwerdeportal gegen Lehrer

Viele Menschen in Ostdeutschland haben in ihrem Leben Denunziation und Anschwärzung erlebt. Knapp 29 Jahre ist es nun her, dass mit dem Mauerfall jener Staat unterging, in dem genau solche Methoden gang und gäbe waren. Sie dienten letztlich einem Zweck, nämlich dem Machterhalt einer politischen Partei. Und die machte auch vor Klassenzimmern nicht Halt.

Wenn politische Kräfte heute wieder versuchen, Einfluss auf Schulkinder zu nehmen oder sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, sollten sämtliche Warnleuchten angehen. Nichts anderes bedeutet nämlich die Ankündigung der sächsischen Landtags-AfD, ein Online-Portal einzurichten, bei dem sich Schüler und Eltern über angeblich AfD-kritische Lehrer beschweren können. Wieder einmal könnte der Arm einer Partei direkt bis in die Klassenzimmer reichen. Denn die Kritik über einzelne Pädagogen soll direkt an die AfD-Fraktion weitergeleitet werden. Sie will dann prüfen, ob sie die betreffende Schule oder gar die Kultusbehörden einschaltet.

Die AfD schwingt sich damit zur Schiedsrichterin an den Schulen auf. Die Spielregeln bestimmt die Partei gleich selbst. Denn sie ist es, die die Petzereien über Lehrer prüft und filtert. Nach welchen Kriterien das vonstatten gehen soll, ist unklar. Wahrscheinlich ist es am Ende sowieso zweitrangig. Denn die eigentliche Botschaft ist eine andere: Es geht der AfD um Einschüchterung. Die pure Existenz eines solchen Beschwerde-Portals, wie es bereits in Hamburg angelaufen ist, soll eine Drohung an alle Pädagogen sein. "Wir von der AfD haben euch im Blick", lautet die unmissverständliche Botschaft, "überlegt euch gut, was ihr sagt!"

Natürlich, Lehrer müssen darauf achten, was sie sagen und wie sie in der Klasse Stellung beziehen. Sie müssen es unterlassen, Schüler parteipolitisch in eine bestimmte Richtung zu lenken oder zu erziehen. Pädagogen sind verpflichtet, sich im Unterricht weltanschaulich neutral zu verhalten. Allerdings ist es durchaus ihre Aufgabe, den Schülern das Funktionieren von Demokratie, die Freiheiten und Pflichten eines Bürgers und die Werte des Grundgesetzes zu vermitteln. Und natürlich muss es für Lehrer dazu gehören, mit ihren Schülern auch über Bedrohungen für die Demokratie zu sprechen. Gerade in der jetzigen Zeit, in der in Chemnitz erneut über rechtsterroristische Umtriebe diskutiert wird, ist es schlicht undenkbar, dieses Kapitel als Lehrer auszusparen. Vermutlich liegt genau hier ein Problem der AfD.

Eine Partei, die in Teilen so weit rechts steht, dass der Abstand zu Rechtsextremen kaum mehr erkennbar ist, eine Partei, in der manch Amtsträger offen vom Umsturz des freiheitlichen Systems spricht - ja, eine solche Partei hat Schwierigkeiten mit Lehrern, die in der AfD eine Gefahr für die Demokratie sehen. Im Grunde wäre es an der AfD, Zweifel an ihrer demokratischen Gesinnung glaubhaft auszuräumen. Bloß, mit Methoden, die aus autoritären Regimen bekannt sind, wird ihr das nicht gelingen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.2 Sterne bei 6 Bewertungen
6Kommentare
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  • 2
    2
    Blackadder
    10.10.2018

    @Hinterfragt:

    Wer sich nach einem Anschlag mit mehreren tausend Toten so äußert,

    "Jetzt spüren die Amerikaner mal selbst, wie das ist", äußert Grundschullehrerin Christa B. nach den Terrorangriffen im Unterricht. "Schließlich bombardierten sie auch unser Dresden."

    der gehört auch entlassen. Das geht gar nicht. Wenn Sie das anders sehen, können Sie das gerne begründen. Ich würde nicht wollen, dass so jemand Kinder erzieht. Das ist für mich nicht "sich negativ äußern", das ist für mich sich menschenverachtend äußern.

  • 2
    2
    Hinterfragt
    10.10.2018

    Ach @Blackadder, evtl. "GLAUBEN" Sie ja dem Spiegel ...

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20660134.html

  • 4
    2
    Blackadder
    09.10.2018

    Welcher Lehrer soll das denn gewesen sein und wie hat er sich negativ geäußert? Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich zu einem solchen Anschlag mit Tausenden Toten positiv äußern sollte. Tut mir leid, das glaube ich ihnen einfach nicht, hinterfragt.

  • 2
    5
    Hinterfragt
    08.10.2018

    Huch, wie schrecklich.
    Ich erinnere mich noch, als Lehrer zu den Vorfällen vom 11.9. negativin der Schule äußerten, wurden diese unmittelbar aus "entsorgt" ...

  • 11
    7
    Lesemuffel
    08.10.2018

    Es geht nicht um Schnüffeln, wie Hr. Peduto wieder aufklären und oberlehrerhaft schreibt. Es geht um die Verletzung des Neutraltätsgebot es in Schulen. Die Schüler dürfen nicht für den Wahlkampf gegen die AfD oder jede andere Partei missbraucht werden.

  • 11
    8
    Tauchsieder
    08.10.2018

    Das Gleiche gilt auch für Journalisten, wahrheitsgemäß und die Neutralitätspflicht gegenüber dem Leser wahren und nicht seinen Unmut und politische Einstellung zu instrumentalisieren. Dieser Kommentar zeigt ganz deutlich auf, dass dieses Prinzip hier völlig über Bord geschmissen wurde, man die Deutungshoheit und das Medium Presse missbraucht. Die Presse sollte unvoreingenommen und speziell bei kontrovers diskutierten Themen beide Seiten zu Wort kommen. Sonst kann zwischen der Leserschaft und der Presse eine Glaubwürdigkeitskrise bis hin zur Medienverdrossenheit entstehen. Scheinbar ist dieses Vertrauensverhältnis zwischen dem Leser und dem Journalismus aber schon nachhaltig gestört. Die sinkenden Auflagen sind doch mehr als ein Beweis dafür.
    An diesem schlechten Image in der Bevölkerung hat die Presse selbst alles dafür getan.



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