Der BER - Berlins neues Tor zur Welt

BER statt TXL und SXF - der Hauptstadt-Flughafen geht am Samstag endlich an den Start. Berlins innerstädtischer Airport Tegel schließt eine Woche später. Die bisherigen Anlagen in Schönefeld am südöstlichen Stadtrand werden Teil des künftig drittgrößten Luftdrehkreuzes in Deutschland nach Frankfurt und München.

Auf dem BER ruhen große Hoffnungen. Das neue Tor zur Welt soll mehr attraktive Flugverbindungen, Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen, zur Wachstumsmaschine werden wie andere große Airports. Zum Feiern gibt es dennoch wenig Grund. Denn der Makel des neuen Kürzels in den Flugplänen ist zu groß, es steht für Missmanagement und politisches Versagen.

In der schier endlosen Geschichte von Skandalen, Pech und Pannen ist es eine besondere Ironie, dass der "Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt" ausgerechnet in der größten Krise der internationalen Luftfahrt startet. Jahrelang schien der Airport neben dem einstigen DDR-Flughafen Schönefeld zu klein geplant, wurde um Standort und Ausbau heftig gestritten.

Nun aber sind wegen Corona die Passagierzahlen weltweit eingebrochen, Airlines und Airports schreiben Milliardenverluste, ohne Staatshilfen droht das Aus. Das gilt für die Lufthansa wie für den BER - mit dem Unterschied, dass der Hauptstadt-Flughafen schon zuvor ein schwerer Sanierungsfall war.

Die Pandemie macht aber alles noch schlimmer. Nachdem sich bereits die Baukosten auf sechs Milliarden Euro verdreifacht haben, könnte der BER auch im Betrieb noch länger auf Finanzhilfen der Steuerzahler angewiesen sein und zum noch größeren Milliardengrab werden. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup erwartet in diesem Jahr bestenfalls 10 Millionen Passagiere an der Spree, der Airport geht aber mit der vierfachen Kapazität an den Start.

Die größten Boom-Jahre der Luftfahrt hat Berlin verpasst und ist selbst daran schuld. Nach den Verantwortlichen muss man nicht lange suchen. Es reicht ein Blick in die Annalen der missratenen Flughafenpolitik der Bundesregierung und der Länder Berlin und Brandenburg, die es nach dem Mauerfall nicht schafften, für die Hauptstadt und die Region zügig ein neues Luftdrehkreuz zu planen und umzusetzen.

Zunächst scheiterte die Privatisierung der öffentlichen Aufgabe auf ganzer Linie, dann geriet der Bau in staatlicher Regie zum Desaster. Die unfassbare Zahl von 20.000 Baumängeln vom Brandschutz bis zu Kabelsalat verhinderte die Freigabe durch die Behörden, so musste die Eröffnung 2012 kurzfristig abgesagt und der Start seither viele weitere Male verschoben werden. Weltweit folgten Spott und Häme, bis heute.

Viele Plätze im schicken neuen Terminal werden nun erst mal leer bleiben. Die Einnahmen fehlen, die ohnehin defizitäre und hoch verschuldete Flughafengesellschaft muss sparen und hat den weiteren Ausbau gestoppt.

So bleibt vorerst nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Der Luftverkehr wird aber auch wegen der Klimakrise nicht mehr so wachsen wie einst. Kurzflüge sollte die Bahn ersetzen. Anders als Tegel ist der BER mit dem Zug schnell erreichbar, ein wichtiger Fortschritt. Und in Tegel hat Berlin nun die Chance, es besser zu machen - und dort, wo bisher Flieger starteten, ein nachhaltiges Stadtquartier der Zukunft zu schaffen. Wenigstens diese Chance sollte die Hauptstadt nutzen.

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