Kampf gegen Impfmüdigkeit

Zum Gesetzentwurf zur Masern-Impfpflicht

Mit Impfungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten Millionen Menschenleben gerettet. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verhindern Impfungen jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle. Impfungen gehören damit zu den größten Leistungen des Gesundheitswesens unserer Zeit. Gefährliche Krankheiten, an denen über Jahrhunderte Menschen qualvoll gestorben sind, wurden ausgerottet. So ist beispielsweise an den Pocken, die früher 30 Prozent der Erkrankten nicht überlebten, seit 1978 kein Mensch mehr gestorben. Die Krankheit wurde weltweit mit einer Impfung bekämpft. Heute brauchen wir die Pockenschutzimpfung deshalb nicht mehr. Aber damals ging der Streit um den Impfzwang in Westdeutschland bis vor das Bundesverwaltungsgericht. 1959 entschieden die Richter, dass der Impfzwang mit dem Grundgesetz vereinbar sei.

Trotz der großen Erfolge von Impfungen zählt die WHO heute die mangelnde Impfbereitschaft zu den größten Gesundheitsrisiken der Welt. Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten werden auf diese Weise zunichte gemacht. So ist die Ausrottung der Masern bisher nicht gelungen. Weltweit ist die Anzahl der Erkrankungsfälle im Jahr 2017 um 30 Prozent angestiegen. In Europa erkrankten fast 24.000 Menschen. Nach den Daten der WHO kosteten die Masern weltweit mindestens 110.000 Menschenleben, die meisten davon waren Kinder unter fünf Jahren.

Das Masernvirus ist extrem ansteckend und breitet sich unter nicht durch Impfung geschützten Personen schnell aus. In Deutschland wurde deshalb jahrelang auf Informations- und Aufklärungskampagnen gesetzt, um die notwendige Impfrate von mehr als 95 Prozent zu erreichen. Das ist nicht gelungen. Die jetzt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachte Masern-Impfpflicht für Kita- und Schulkinder ist deshalb nur konsequent. Es darf nicht sein, dass in Deutschland Kinder an Krankheiten sterben, die man längst hätte ausrotten können.

Das Recht auf Selbstbestimmung und die persönliche Freiheit haben in Deutschland einen hohen Stellenwert. Doch wenn das eigene Verhalten zur Gefahr für andere wird, können auch die Grenzen dieser Freiheit gezogen werden. Der Staat darf Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern, die vor allem in den sozialen Medien ihre Ideologie verbreiten, nicht das Feld überlassen. Dazu braucht man allerdings nicht nur wirksame Sanktionen wie den Ausschluss vom Kita-Besuch und Bußgelder, sondern auch großzügige Regelungen für den äußerst seltenen Fall gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch eine Impfung. Dem Geschäft der Angst, das die Impfgegner und ihre digital verstärkte Desinformation zu einem globalen Problem gemacht hat, muss der Boden entzogen werden. Eltern sollten sich nicht durch notorische Impfgegner verunsichern lassen: Das Impfen gegen gefährliche und ansteckende Krankheiten ist ein sozialer Akt, ein Dienst an der Gemeinschaft.

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1Kommentare
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  • 0
    2
    alibaba75
    12.05.2019

    Sehr geehrter Herr Ulrich, sie wissen genau dass die Sache mit dem Impfzwang ein doppelschneidiges Schwert ist. Geimpft wird mit noch lebenden, auf Hühnereiweiß auf gezüchteten Bakterien. Hinzu kommt hier die Inkubationszeit . Wird geimpft, unmittelbar nachdem der Betroffene infiziert ist, verstärkt dass die Wirkung des Bakteriums.
    Aus diesem Wissen heraus rekrutieren sich die Impfgegner. Impfzwang kann daher eine Pandemie nur noch verschlimmern.
    Vergessen Sie bitte auch nicht die Verbesserung der Immunabwehr nach ordentlicher Ernährung . Genau das trat ab 1950 ein. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich, die Entstehung der SSPE genau zu analysieren.



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