Künftig trinken statt saugen

Zum EU-Verbot vieler Wegwerfprodukte aus Plastik

Während die Treibhausgas-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Kraftstoffe 2018 weltweit einen neuen Rekord erreicht haben, sagt das EU-Parlament wenigstens dem Plastikmüll den Kampf an: Strohhalme, Geschirr, Wattestäbchen aus Plastik - all das soll bald verboten sein, wenn es umweltfreundlichere Alternativen gibt. Laut EU-Kommission würde das Recyceln von einer Million Tonnen Plastik so viel CO2 einsparen wie eine Million Autos weniger auf den Straßen. Klimaschutz ist ein mühsames Geschäft.

Uns allen sind noch die Bilder von den Plastikmüll-Teppichen in den Meeren dieser Welt, vor allem in Asien, aber auch in der Arktis, vor Augen. So weit, so schlimm. Plastik ist zum Symbol für reiche und verantwortungslose Konsumgesellschaften geworden, deren Lebensstil die Existenz der Erde bedroht. Aber das Plastikverbot kann auch nur ein erster Schritt sein. Was ist schon dabei, wenn man die Cola bei einschlägigen Fast-Food-Ketten künftig trinkt, statt aus einem Strohhalm saugt? Oder wenn beim Grillen im Garten normales Besteck statt Einweg-Plastikgabeln benutzt wird? Es wäre auch eine Wohltat, wenn man etwa eine Speicherkarte fürs Handy nicht mehr unter Verletzungsgefahr aus ihrer Hartplastikverpackung schneiden müsste.

Aber: Erst ab 20-maligem Benutzen sind Mehrwegprodukte in der Regel besser als ihre Einweg-Alternativen, heißt es beim Umweltbundesamt. Nicht immer ist es also die geniale Lösung, Plastik einfach durch das Gleiche etwa aus Holz, aus Edelstahl oder Stoff zu ersetzen. Und überhaupt: Ob Strohhalme aus Bambus unterm Strich wirklich umweltfreundlicher sind, darf bezweifelt werden.

Die bessere Alternative ist oft: ganz weglassen. Es dürfte niemanden überraschen, wenn Ersatzstoffe oder ganz neue Optionen nicht auch neue Umweltprobleme schaffen würden. Wäre nicht das erste Mal im jahrzehntelangen Dickicht der Kreislaufwirtschaft. Gerade für den Verbraucher wird es verwirrend und ärgerlich. Beispiel: Mit dem Dosenpfand "erfanden" die Hersteller die leichte PET-Flasche. Praktisch für den Konsumenten, schlecht für die Weltmeere.

Doch passieren muss etwas: Jeder Deutsche wirft im Schnitt 220 Kilogramm Plastik pro Jahr in den Mülleimer, der größte Teil davon sind Verpackungen. Die Menge an Verpackungsabfall steigt unaufhörlich. Das muss gestoppt werden. Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einer Richtlinie, nach der sich Abfallvermeidung und Recyclingfähigkeit in den Lizenzgebühren für Verpackungen niederschlagen werden. Der Preis wäre ein Hebel für den Konsumenten, dass künftig weniger Verpackungsmüll produziert wird.

Deutschland gibt sich gern als Vorreiter in Sachen Plastikvermeidung. Aber alles wäre ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn das Problem nur in Europa und nicht endlich auch international angegangen wird. Im kenianischen Nairobi haben jüngst Staaten aus aller Welt eine Woche lang darüber beraten, wie die Menschheit das Plastikproblem in den Griff bekommen kann. Herausgekommen ist bei dieser Umweltkonferenz - vorsichtig formuliert - wenig.

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