1,7 Millionen Euro für Ausbau der B 101

Bis zum 18. Oktober kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, wie die Trasse einmal aussehen soll. Denn die Pläne liegen aus. Doch bis die ersten Bagger anrollen, vergehen noch Jahre.

Mittelsaida.

1,68 Millionen Euro: Mit diesen Kosten plant das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) die Erneuerung der Bundesstraße 101 in Mittelsaida. Davon zahlt der Bund 1,29 Millionen Euro, das Land Sachsen 173.000 Euro und die Gemeinde Großhartmannsdorf 141.000 Euro. So steht es in den Planungsunterlagen, die das Lasuv nun öffentlich ausgelegt hat.

Seit langem trommeln Anwohner und Pendler für die Erneuerung der zerschundenen Ortsdurchfahrt Mittelsaida. Dazu kommen Probleme mit starken Niederschlägen. Seit Jahren wird untersucht, geplant, beobachtet. Nun steht der Plan und hat jeder bis 18. Oktober die Möglichkeit, Zeichnungen und Erläuterungen in der Gemeindeverwaltung Großhartmannsdorf einzusehen, Stellung zu beziehen oder Einwendungen abzugeben.


"Freie Presse" hat sich die Unterlagen schon angeschaut und greift Aspekte heraus.

Verkehr: 2015 ergab eine Straßenverkehrszählung, dass im Schnitt in 24 Stunden 4091 Fahrzeuge auf der B 101 durch Mittelsaida fahren. 12,2 Prozent davon ist Schwerlastverkehr. Bei der Zählung fünf Jahre zuvor waren es noch 3465 Fahrzeuge. Das heißt, die Verkehrsbelastung hat in fünf Jahren um 18 Prozent zugenommen. Für das Jahr 2030 wird in der Landesverkehrsprognose des Freistaates Sachsen für den Erneuerungsabschnitt in Mittelsaida mit 4000 bis 4500 Fahrzeugen innerhalb von 24Stunden gerechnet.

Straße: da die Straße in sehr schlechtem Zustand und die Kreuzung am Abzweig Röhrenbohrer unübersichtlich ist, soll die Fahrbahn auf einer Länge von 570 Metern und einer Breite von 6,50 Metern erneuert werden. Die Erneuerung beginnt am südlichen Ortsrand von Mittelsaida und endet circa 70 Meter nach dem Knotenpunkt B 101/Am Saidenbach/Obersaidaer Straße. Dafür muss die Bundesstraße gesperrt werden. Zwei Umleitungsstrecken sind bereits vorgesehen: Wenn die Kreuzung B 101/S 207 gebaut wird, müssen Kraftfahrer einen Umweg über Großwaltersdorf fahren. Wenn der Knotenpunkt B 101 /Röhrenbohrer einschließlich Entwässerung gebaut wird, führt eine weiträumige Umleitung für den Verkehr ins Erzgebirge von Großhartmannsdorf über Obersaida, Pfaffroda auf die B 171 nach Pockau-Lengefeld. DerAnliegerverkehr in Mittelsaida selbst soll abgesichert bleiben. Das Lasuv geht von einer Bauzeit von 12 Monaten aus, die sich über zwei Jahre erstrecken wird.

Bushaltestelle: Durch Mittelsaida rollt mit der Linie 492 Marienberg - Freiberg und der Linie 400 Annaberg-Buchholz - Dresden der regionale Busverkehr ins Erzgebirge. Deshalb sollen die beiden vorhandenen Busbuchten erhalten bleiben und die Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden.

Gehwege: Zu Fuß sind an der B 101 in Mittelsaida nach Einschätzung der Planer nur wenige Menschen unterwegs; wenn, dann sind es zumeist Anwohner. Um die Situation zu verbessern, will die Gemeinde den Fußweg erneuern. Laut Planung soll der linksseitig vorhandene Gehweg erneuert und um 105 Meter verlängert werden. Er wird dann zwei Meter breit sein.Die Kosten trägt die Gemeinde.

Unfallkreuzung: Die Kreuzung B 101/Röhrenbohrer ist als Unfallschwerpunkt seit vielen Jahren bekannt und wird von der Unfallkommission des Landkreises Mittelsachsen beobachtet. Von 2012 bis 2016 hat es 16 Unfälle gegeben. Elf Menschen wurden dabei leicht verletzt. Um die Kreuzung sicherer zu machen, ist dort eine Ampelanlage geplant. In der jüngsten Gemeinderatssitzung war zudem die Rede davon, dass das Eckgebäude Annaberger Straße 20, welches die Sicht auf den Verkehr einschränkt, im Zuge eines Neubaus an anderer Stelle abgerissen werden könnte.

Entwässerung: Weil die Straße Trinkwasserschutzzonen durchquert, ist eine vollständig neue Entwässerungslösung notwendig. Das Problem: Bei Starkregen schießt das Wasser über die Mittelstraße und läuft in die Grundstücke. Geplant ist deshalb eine Versickerungsanlage auf der Ackerfläche am südlichen Ortseingang. Zudem soll das Straßenoberflächenwasser in Zukunft nicht mehr in den Saidenbach fließen, sondern aus der Trinkwasserschutzzone II herausgeleitet werden. Dafür müssen die Regenwasserkanäle und weiterführende Anlagen komplett neu verlegt werden. Das bedeutet, die Straßenentwässerung wird abgetrennt von der übrigen Entwässerung in Mittelsaida. Letztere soll vom Abwasserzweckverband Olbernhau erneuert werden.

Einsicht: Das Planfeststellungsverfahren ist das Genehmigungsverfahren, das sicherstellt, dass alle Bürger ihre Belange vortragen und in die Entscheidungsfindung einbringen können. Jeder kann sich bis 18. Oktober die Pläne im Internet oder zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung ansehen. Einwendungen, Stellungnahmen und Äußerungen dazu können bei der Landesdirektion oder bei der Gemeindeverwaltung abgegeben werden.

Wenn das Planfeststellungsverfahren reibungslos verläuft, könnte dies nach ein bis zwei Jahren beendet sein, erklärte eine Lasuv-Sprecherin im Januar. Ziel ist, von der Landesdirektion Baurecht zu bekommen. Gibt es Einwände, werden diese vom Lasuv geprüft; gegebenenfalls gibt es einen Änderungsantrag und das Prozedere beginnt von vorn. Wenn die Landesdirektion den Bau genehmigt hat, gilt einen Monat Widerspruchsfrist. Widerspricht niemand, gilt vollziehbares Baurecht.

Die Pläne können im Internet unter folgendem Link eingesehen werden

lds.sachsen.de/bekanntmachung

 


Seit 17 Jahren in Planung

Seit 2002 wurde eine Planung zum Ausbau der B 101 zwischen Pockau und Großhartmannsdorf bearbeitet, welche auch die Ortsdurchfahrt Mittelsaida beinhaltet. Für den Gesamtabschnitt mit einer Länge von 8,8 Kilometern wurde 2006 ein Vorentwurf aufgestellt, der jedoch nicht genehmigt wurde. Für die Ortsdurchfahrt Mittelsaida wurde entschieden, eine eigenständige Planung mit dem Ziel einer zeitnahen Realisierung aufzustellen. 2015 erfolgten zwei Baugrunduntersuchungen. Im März 2017 wurde für das Vorhaben ein Vorentwurf aufgestellt; diese wurde im Mai 2017 vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr genehmigt. (cor)

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