Bergstadt feiert in diesem Jahr kein Jubiläum

Brand-Erbisdorf lässt ein mögliches Fest ohne Fest an sich vorüberziehen. 1994 wurde eine ganze Woche lang gefeiert - doch auf welcher Grundlage?

Brand-Erbisdorf.

Wird dieses Jahr das 825-jährige Bestehen der Stadt Brand-Erbisdorf gefeiert? Anfragen von Stadträten dazu hat es in öffentlichen Sitzungen in der Bergstadt mehrfach gegeben. Begründet wurden diese unter anderem damit, dass es im Jahr 1994 in der Stadt eine große Festlichkeit gab. Damals wurde eine ganze Woche lang gefeiert: 800 Jahre Brand-Erbisdorf. Und so war es wohl auch jetzt die Idee, 25 Jahre später das nächste Jubiläum auszugestalten.

Den Anfragen allerdings erteilte Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos) mit einer Gegenfrage eine Abfuhr: "Was wollen wir denn feiern?" Die alleinige Antwort, beispielsweise von Stadträtin Heidemarie Glöckner (BfBED), dass ja vor 25 Jahren auch das Stadtjubiläum begangen worden sei, ließ der OB nicht gelten. Auch als Stadtrat Rudolf Knechtel (Freie Wähler) kurze Zeit später nochmals nachhakte, blieb Antonow bei seiner Antwort. "Es gibt kein Dokument, das Brand mit dem Jahr 1194 verbindet", sagt er nun erneut. Nach seinen Worten ist das Stadtfest 1994 "unter falschem Etikett gefeiert worden".

Logisch wäre es gewesen, ein Fest anlässlich des Brander Bergfleckens, der im Jahr 1515 Erwähnung fand, zu feiern. "Oder auch zu Ehren des Stadtrechts, das Brand-Erbisdorf im Jahr 1834 erhielt", nennt Antonow einen weiteren Anlass. Und er fügt an: "Gefeiert haben wir 2012 anlässlich der 100 Jahre bestehenden Vereinigung von Brand und Erbisdorf."

Für eine 825-Jahr-Feier in Brand-Erbisdorf in diesem Jahr sieht auch Thomas Maruschke, Leiter des Brand-Erbisdorfer Museums "Huthaus Einigkeit", keinen Grund. "Die Gegend ist seit etwa 800 Jahren besiedelt, auch Erbisdorf und Freiberg gehören dazu. Aber ein genaues Datum für die Gründung von Erbisdorf lässt sich nicht ausmachen", sagt er.

Verbrieft sei lediglich, dass es zwischen 1200 und 1209 schon als Siedlung existierte. Im Kloster Altzella habe der damalige Abt Matthias beschrieben, das Dorf Erbisdorf sei vom Kloster erworben worden. "Auf das Jahr genau ist das aber nicht nachweisbar", erläutert Maruschke. Wenn man hätte feiern wollen, dann wäre 2009 ein besseres Datum gewesen im Rückblick auf 1209 - als Erbisdorf dann besiedelt war.

Brand sei dann inmitten von Erbisdorfer Flur gegründet worden. "Archäologische Funde legen nahe, dass es im 13. Jahrhundert als Bergmannssiedlung existierte", sagt Thomas Maruschke.

Die 800-Jahr-Feier von Brand-Erbisdorf 1994 erklärt er so: "Eigentlich sollte schon 1992 die Besiedlung gefeiert werden. Das war bereits zu DDR-Zeiten im Gespräch. Wegen der Wendezeit hat sich das auf 1994 verschoben." In den Festschriften von damals wird die Feier mit der Besiedlung im 12. Jahrhundert durch den Bergbau begründet.

Laut Antonow habe sich kein Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, kein Kulturschaffender oder Geschichtsinteressierter in Brand-Erbisdorf auf eine 825-Jahr-Feier eingerichtet. Außerdem: "Ein würdiges Fest lässt sich nicht innerhalb eines halben Jahres auf die Beine stellen, die Jubiläen von Linda und Langenau wurden zwei Jahre vorbereitet", erinnert der Oberbürgermeister.

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