Bittsteller für die Sonnenkäfer

Die Verwaltung treibt den erhofften Neubau für den Kindergarten Niederbobritzsch voran. Das letzte Wort wird aber anderswo gesprochen.

Niederbobritzsch.

Manchmal sorgen die Auswüchse der Bürokratie auch bei einem erfahrenen Bürgermeister mit 28 Dienstjahren noch für Stirnrunzeln. So geschehen bei Volker Haupt (CDU), Noch-Ortschef in Niederbobritzsch, im Zusammenhang mit Bauantrag für den erhofften Neubau des Haupthauses der Kita "Sonnenkäfer" in Niederbobritzsch. "Es wird immer wunderlicher", berichtete Haupt jüngst im Gemeinderat dazu. "Wir müssen nachweisen, dass das bisherige Gebäude an Trinkwasser, Abwasser und Energie angebunden ist." Wohlgemerkt: Das Gebäude ist seit Jahrzehnten als Kita in Betrieb.

Diese kleine Episode wird freilich eine Randnotiz bleiben, wenn die Gemeinde mit ihren Neubau-Plänen für das kommende Jahr erfolgreich ist. Ausgemacht ist das nämlich noch nicht. Am 5. November trifft sich der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreises in Mittweida, um darüber zu befinden, wer im Kreis von den Fördermitteln des Bundes für Neubauten von Kindertagesstätten im Jahr 2019 profitiert. Nach aktuellem Stand des Projekts rechnet die Gemeinde mit Investitionen in Höhe von 1,35 Millionen Euro, wovon der Bund drei Viertel beisteuern würde. Doch die Verteilung der Mittel obliegt nun dem Jugendhilfeausschuss. "Wir sind in der Priorität relativ weit oben", berichtete Haupt den Gemeinderäten. "Aber die Zahl der Bittsteller ist groß." Der entsprechende Beschlussvorschlag der Verwaltung an die Kreisräte wird derzeit vorbereitet.

Dass der Neubau dringend notwendig ist, darin wissen sich Gemeinde, Trägerverein "Kinderarche" und die Eltern einig. Wegen der maroden Bausubstanz, mangelnden Brandschutzes und des fehlenden zweiten Rettungsweges sei im Januar schon das Obergeschoss mit zwei Gruppenräumen sowie weiteren Räumen etwa für Integration gesperrt worden, berichtet Birgit Andert von der Kinderarche. Damals hatten Träger und Gemeinde selbst das Landesjugendamt eingeladen, sich ein Bild zu machen. Die Sperrung kam nicht unerwartet, im Gegenteil: Gemeinde wie Kinderarche erhofften sich eine Signalwirkung, um die Neubau-Pläne zu forcieren.

Die insgesamt 85 Krippen- und Kindergartenkinder sind seitdem in drei Gruppen im Krippenneubau und in zwei Gruppen im Erdgeschoss des Haupthauses untergebracht. Eine Übergangslösung, so die Kinderarche. Nun muss sich zeigen, ob die Rechnung aufgeht. Für Birgit Andert wäre alles andere nicht im Sinn der Kinder. "Gemeinsam mit der Gemeinde haben wir in Niederbobritzsch schon den Krippenneubau umgesetzt, weil die Bedingungen im alten Haus völlig unzureichend für die gesunde Entwicklung von Krippenkindern waren", sagt sie. "Gleiches gilt jetzt für das Kindergarten-Stammhaus: Es ist für eine gesunde und förderliche Entwicklung der Kinder nicht mehr geeignet."

Die Kita-Plätze würden aber in der Gemeinde dringend gebraucht, versichert Andert. "Besonders im ländlichen Raum brauchen wir attraktive Wohn- und Lebensbedingungen für Familien mit ihren Kindern." Dazu gehöre gute Kinderbetreuung, die den heutigen pädagogischen und baulichen Anforderungen entspräche. "Mit dem Neubau schaffen wir gute Bedingungen für 54 Kindergarten-Kinder." Ein Konzept dafür, wo die Kinder während der Zeit von Abriss und Neubau unterkommen, liegt schon fertig in der Schublade. Knapp 40 Kinder ziehen in ein Ausweichquartier, erläutert Andert. Überlegungen, dafür Container zu nutzen, seien so gut wie vom Tisch, hatte Haupt dazu den Gemeinderäten erklärt. Denn preismäßig rede man da über einen "halben Neubau". So rückte das ehemalige Bürgerhaus in Naundorf in den Blick. Andert: "Wir haben es schon während der Bauarbeiten an unserer Kita in Naundorf als Ausweichquartier genutzt."

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