Das Ende einer Ära am Lederinstitut

Michael Stoll verlässt die Spitze des Forschungsinstituts für Leder und Kunststoffbahnen (Filk). Ein Kolloquium ehrte ihn.

Freiberg.

Über 40 Jahre im Unternehmen, davon 25 an dessen Spitze. Wenn das keine Ära sei, was dann?, fragte der Moderator des Kolloquiums zu Ehren von Professor Michael Stoll am Donnerstag im Mittelsächsischen Theater. Stoll verlässt zum Jahresende das Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (Filk), das er in den vergangenen Jahren schon gemeinsam mit Haiko Schulz geleitet hatte. Er übergibt seine Funktionen an Michael Meyer, derzeit noch Prokurist und Forschungsleiter. Zu Stolls Ehren waren namhafte Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Politik erschienen, unter ihnen der frühere sächsische Finanzminister Georg Unland und viele Wegbegleiter. "Ich erinnere mich noch an das erste Treffen mit ihm", sagte etwa Professor Günter Reich, Vorgänger Stolls als Institutsleiter. "Das war 1978 bei seinem Vorstellungsgespräch, bei dem er sagte, er nehme die Stelle nur, wenn er ein Praktikum in Dresden zu Ende führen dürfe." Diese Einstellung habe sehr für den jungen Diplomchemiker gesprochen.

Die Ehre eines eigenen Kolloquiums freue ihn, so Michael Stoll. "Aber es ist immer ein Erfolg des ganzen Teams", betonte er. "Deshalb sind die Mitarbeiter des Filk heute hier." Auch wenn er selbst die Zukunft des Instituts nicht mehr mitgestalten wird, etwas hat er gemeinsam mit seinen Mitstreitern noch auf den Weg gebracht. Mit der Billigung des sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für das Forschungs- und Technologiezentrum am Meißner Tor durch den Freiberger Stadtrat ist man der Modernisierung und Erweiterung der Einrichtung einen erheblichen Schritt näher gekommen. Der Gebäudebestand soll saniert und ein Neubau errichtet werden. Die Investitionen, so Stoll, bewegen sich in einem höheren zweistelligen Millionenbereich.

Dieses Projekt werden vom 1. Januar an Haiko Schulz und Michael Meyer hauptsächlich betreuen. "Es war die Zeit für einen sauberen Schnitt", sagt Michael Stoll, der im Februar 65Jahre alt wurde. "Man soll nicht ewig an etwas festhalten." Das seien durchaus neue Herausforderungen, bestätigt Haiko Schulz. "Aber wir sagen nicht, der Schalter lag bislang links, nun soll er rechts liegen", meint er. "Es wird ein fließender Übergang." So habe man Umstrukturierungen im Forschungsbereich gemeinsam bereits angepackt und nicht erst auf den Ruhestand gewartet. Dennoch: "Wenn jemand so lange hier ist, dann bleiben Lücken, das ist ganz klar." Und: "Michael Stoll kann man nicht einfach ersetzen."

Mit großer Vorfreude, aber auch gesunder Skepsis geht Michael Meyer an seine neuen Aufgaben. Er ist seit 1996 im Unternehmen, also alles andere als ein "Neuer". Die Verantwortung für 150 Mitarbeiter sei nicht gerade klein, meint er. Schon längere Zeit war er in die Aufgaben der Geschäftsleitung mit eingebunden. Michael Stoll selbst freut sich nun auf die kommenden Monate. "Sie sollen durchaus eine Phase der Unruhe sein", sagt er. Sein ganzes Berufsleben war er im Filk. Nun komme eine Zeit, in der er auch einfach mal machen könne, was er wolle.

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