Der Graf im Endspurt

Am Samstagabend erlebt das Musical "Der Graf von Monte Christo" seine Premiere in Freiberg. Der Besuch einer Probe.

Freiberg.

Die Erwartungen sind hoch. Am Samstag, 19.30 Uhr, findet die Premiere der neuen Musicalproduktion "Der Graf von Monte Christo" am Freiberger Theater statt. Die Tickets sind ausverkauft. Nach dem Erfolg des Musicals "Jekyll und Hyde", ebenfalls von Frank Wildhorn, startet das Team um Regisseur Stefan Haufe mit den Hauptdarstellern Alexander Donesch und Susanne Engelhardt erneut durch.

17.55 Uhr: Regisseur Haufe demonstriert den Darstellern Tanzfiguren. Dass er eine Ausbildung als Tänzer hat, ist unverkennbar.

18.10 Uhr: Ähnlich wie bei "Jekyll und Hyde" gibt es eine einprägsame, in die Handlung reinziehende Eingangsmusik. Die Mittelsächsische Philharmonie, diesmal dirigiert von Juheon Hans Nachfolger Jörg Pitschmann, geht in die Vollen. Nach wenigen Takten steigen die Chormitglieder in schwarzen Gewändern mit unter die Haut gehendem Gesang ein - Erinnerungen an Orffs "Carmina Burana" werden wach. Deutlich hebt sich die Solostimme von Rea Alaburic ab. Die Sopranistin steht ganz oben auf dem Bühnenkonstrukt (Ausstatter Thilo Staudte), das an ein großes Klettergerüst erinnert und sich später in einen Hafen, ein Gefängnis und ein Piratenschiff verwandelt. Bariton Christian Härtig fungiert wie bei "Jekyll" als Erzähler - und dann auch wieder als Freund der Hauptfigur.

18.20 Uhr: Bei der Hafenszene zeigen die Chormitglieder, was sie drauf haben. Regisseur Staudte korrigiert noch Standorte, abgesehen davon wirkt alles eingespielt. Das gilt auch für die Technik. Nur ab und zu steigt Beleuchtungsmeister Klaus Emil Zimmermann auf die Bühne und rückt Scheinwerfer zurecht. 18.30 Uhr: Edmont Dantès, der spätere Graf von Monte Christo (Alexander Donesch in einer Doppelrolle), und Mercédès singen am Tag ihrer Hochzeit ein herzergreifendes Duett. Im Gegensatz zu Engelhardt ist Donesch leiser als gewohnt, wohl um seine Stimme für Generalprobe und Premiere zu schonen.

18.40 Uhr: Die Intrige gegen Edmont Dantès nimmt ihren Lauf. Eine Herausforderung für die Theaterleute ist, dass gleich drei Sänger krankheitsbedingt ausgefallen sind: Johannes Pietzonka, Sergio Raonic Lukovic und Frank Unger, die Dantès' Widersacher geben. Ungers Vertreter Hinrich Horn, der zum Ensemble der Musikalischen Komödie Leipzig gehört, ist erst kurz vor der Probe mit dem Zug in Freiberg angekommen. Deshalb steht Regisseur Haufe teils neben ihm auf der Bühne und zeigt ihm, wo er sich hinbegeben muss. Und: Da Horn lauter singt als zuvor der (erkältete) Unger, muss Tontechniker Thomas Fiedler die Lautstärke anpassen. Der Ersatz von Lukovic, Peter Fabig, ist den zweiten Tag dabei. "Da ist es eingespielter", sagt Intendant Ralf-Peter Schulze, der die Probe aufmerksam verfolgt. Für Johannes Pietzonka steht an einigen Stellen Regisseur Haufe stumm auf der Bühne - und vom Rand aus spricht und singt Studienleiterin Niki Liogka die Rolle des Intriganten Fernando Mondega, der es auf Mercédès abgesehen hat (und sie später heiratet).

18.55 Uhr: Im Kerker darbt der zu Unrecht eingesperrte Edmont Dantès; Doneschs gebeugte Haltung zeigt es deutlich: Er ist völlig am Boden. Doch dann taucht Abbé Faria (Elias Han) auf. Der Mitgefangene bereitet Dantès auf sein späteres Leben vor, erzählt ihm von einem Schatz. Abbè Faria stirbt, und Edmont Dantès gelingt die Flucht.

19.30 Uhr: Dantès lernt die Piraten und ihre fesche Anführerin (Dimitra Kalaitzi-Tilikidou) kennen, die nicht nur singen, sondern auch fechten kann. Als Mercédès mit ihrem betrunkenen Gatten streitet, kann sich Sängerin Susanne Engelhardt das Lachen nur mit Mühe verkneifen. Denn als Fernando Mondega steht diesmal vertretungsweise Regieassistentin Sophia Pervilhac am Rand - in weißen Hotpants, weil sie in der nächsten Szene mittanzt.

19.35 Uhr: Pause. Dimitra Kalaitzi-Tilikidou und andere Darsteller und Musiker treffen sich in der ehemaligen Kantine. "Ich mag die Rolle. Eine Piratin war ich noch nie", sagt die Mezzosopranistin und lacht.

20 Uhr: Nach der Pause nimmt das Musical noch einmal Fahrt auf. Eine Sternstunde ist das Wiedersehen des gealterten Edmont Dantès, jetzt Graf von Monte Christo, mit Mercédès. Der ergraute Donesch sieht aus wie Jeremy John Irons, Susanne Engelhardt wie eine Diva.

20.45 Uhr: Der Vorhang ist gefallen. Jetzt proben die Darsteller noch ihre Reihenfolge zum Applaus.

Die Premiere am Samstagabend ist ausverkauft. Restkarten gibt es noch für 6. und 17. März, je 19.30 Uhr.


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