Der Nachbarschaftstreff zwischen Grenzsteinen

Als wegen Corona die Grenze geschlossen wurde, trafen sich Deutsche und Tschechen am "Göhrener Tor". Eine Gedenktafel erzählt nun die Geschichte.

Neuhausen.

In 834 Meter Höhe, mitten im Wald, liegt das "Göhrener Tor" bei Neuhausen. Früher führte hier ein Handelsweg zwischen Deutschland und Böhmen entlang, nach der Wende entdeckten Wanderer, Rad- und Skifahrer den Platz.

Seit 2. Mai 2020 gibt es ein weiteres Kapitel zu erzählen. Denn nachdem wegen Corona die Grenze dicht war, trafen sich Deutsche und Tschechen zwischen den Grenzsteinen, sozusagen auf neutralem Boden. Daraus entstand die Initiative "Samstage der Nachbarschaft". Die Begeisterung auf beiden Seiten war groß. 50 bis 60 Leute kamen stets zusammen, um gemeinsam zu picknicken, zu musizieren, zu reden. Das bewog die Initiatoren vom Klub Tschechisch-Deutsche Partnerschaft diese Treffen im 14-tägigen Rhythmus zu wiederholen. "Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir uns durch die Grenzschließung nicht trennen lassen", sagt Lars Helbig (47), der Vorsitzende der Interessengruppe aus Olbernhau.

An diese außergewöhnliche Aktion in einer außergewöhnlichen Zeit erinnert seit einigen Tagen eine Gedenktafel. 45 Natur- und Wanderfreunde aus beiden Ländern waren zur Einweihung gekommen - sogar aus Thalheim, Dresden, Sebnitz und Pirna. "Ich habe Bekannte in Mähren und gute Beziehungen zu den tschechischen Freunden, deshalb ist es für mich wichtig, dass wir uns hier gemeinsam treffen, um unsere Freundschaft und Gemeinsamkeit zum Ausdruck zu bringen", erzählte Stephan Degen aus Pirna.

Vladan Renák aus Litvínov gehört zu den Initiatoren aus Tschechien. Er unterrichtet Deutsch an einer tschechischen Schule und fungiert deshalb auch als Dolmetscher bei den Zusammenkünften. "Ich freue mich, dass wir mit unserem Klub Menschen aus zwei Ländern verbinden. Wir fühlen uns nicht mehr als Tschechen und Deutsche, wir sind einfach Erzgebirger", sagt er.

Kontakte über die Grenze hinweg gab es schon lange vor Corona. Steffen Träger betreibt bei Facebook die Seite "Brandauer Heimatfreunde", die sich mit Geschichte und Gegenwart Brandaus und ihrer Einwohner beschäftigt. Über dieses Portal lernten sich Lars Helbig, Steffen Träger, Vladan Renák und Karel Jirácek kennen. Zwischen den Familien entstand eine Freundschaft. Im Oktober 2018 gründeten die vier in einer Gaststätte in Litvinov eine Facebookgruppe und den Klub Tschechisch-Deutsche Partnerschaft. Schnell schlossen sich Menschen aus beiden Ländern an. "Rund 50 sind es auf jeder Seite, die Facebook-Gruppe zählt bereits 2000 Mitglieder. "Um eine größere Aufmerksamkeit zu erreichen, haben wir Aufkleber für Autos und Anstecker herstellen lassen", erzählt Lars Helbig aus Olbernhau.

Ziel der Klubmitglieder ist es, die Verbindung von Deutschen und Tschechen zu vertiefen, indem sie das alltägliche Leben miteinander gestalten. So plant der Klub, gemeinsame Ausflüge zu organisieren, will bei der Jobsuche behilflich sein und Dolmetscher zur Verfügung stellen, ebenso Hilfe beim Erlernen der jeweils anderen Sprache geben.

Schon vor der Coronapandemie gab es gemeinsame Ausflüge, so in eine tschechische Brauerei. Auch Ausfahrten nach Aue, Decin, Most und nach Prag wurden gemeinsam organisiert. Einmal im Monat trifft man sich in der Litvínover Gaststätte "U Partika", der Klubzentrale sozusagen.

Informationen und Anfragen bei Lars Helbig, Telefon 0152 51606768

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