"Diese Krankheit ist nicht heilbar"

Ein Spezialist erläutert, woran der 23-Jährige leidet, der über ein Spendenprojekt des "Freie Presse"-Hilfsvereins unterstützt wird

Waldheim/Dresden.

Dr. Falk Thielemann ist leitender Oberarzt der Sektion Kinderorthopädie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Einer der Schwerpunkte ist die Versorgung von Patienten mit Zerebralparese, der Oberbegriff für die Krankheit, an der Gregor leidet. Für den 23-Jährigen wird über ein Spendenprojekt des "Freie Presse"-Hilfsvereins Geld zur Einrichtung eines kleinen Wohn- und Schlafzimmers mit Sanitärbereich gesammelt. Bisher sind 1360 Euro eingegangen. Dr. Thielemann erklärt Babette Philipp die Erkrankung.

Freie Presse: Gregor leidet an spastischer Tetraparese. Wie kann es zu der Krankheit kommen?

Dr. Falk Thielemann: Meist durch eine vorgeburtlich unreife Entwicklung des Gehirns. Es kann auch durch Blutungen in die Hirnsubstanz, Stoffwechselerkrankungen oder Sauerstoffmangel zur Schädigungen unterschiedlich großer Hirnareale kommen und damit zu diesem Krankheitsbild.

Gregor ist reichlich zwei Monate zu früh zur Welt gekommen. Ist es möglich, dass dies die Ursache für seine Erkrankung ist?

Das ist sehr wahrscheinlich. Insbesondere bei unreifen Frühgeborenen kommt es zu einer unzureichenden Hirnreifung.

Was sind Symptome und Folgeschäden?

Es kommt zu einer verzögerten motorischen und geistigen Entwicklung des Kindes. Das heißt, die Erkrankten lernen nicht oder nur eingeschränkt, sich zu bewegen und Bewegungen der Hände, Beine und Füße bewusst auszuüben. Es kann zudem zu Gleichgewichtsstörungen und spastischen Störungen einzelner Muskelgruppen kommen. Zur Erklärung: Der Begriff Spastik kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Krampf". Eine Spastik ist demnach eine Verhärtung und Versteifung von Muskeln, was dazu führt, dass Bewegungen unkontrollierbar werden.

Ist die Krankheit heilbar?

Nein. Es können nur die Symptome gelindert und vorhandene Fähigkeiten speziell trainiert und damit für den Gebrauch im Alltag verbessert werden. Zum Beispiel die Verwendung der Hände zum Essen oder zur Bedienung eines Telefons.

Wie und mit welchem Ziel kann man behandeln?

An erster Stelle steht, Funktionen zu lernen oder zu verbessern, die zum Bewältigen des Alltags nötig sind. Das Spektrum reicht von Laufen, Stehen, Sitzen, Greifen, Sprechen bis zu lediglich einer schmerzfreien Lagerung.

Ist prinzipiell für die Betroffenen ein relativ selbstständiges Leben möglich?

In Fällen einer geringen Schädigung, wenn nur eine Hirnhälfte betroffen ist, kann viel kompensiert werden. Die Patienten leben eigenständig mit gewissen Behinderungen. Bei Tetraparetikern, bei denen wie bei dem jungen Mann beide Hirnhälften verändert sind, sind beide Arme und Beine von den motorischen Störungen betroffen. Trotzdem gibt es wiederum in Abhängigkeit des Ausmaßes der Schädigung erhebliche Unterschiede - von gehfähig mit Handicap und geistig hoch intelligent bis hin zum schwer geistig und motorisch geschädigten Patienten, der 24 Stunden pflegebedürftig sind.

Was heißt das im Falle von Gregor?

Ich kenne den jungen Mann nicht und kann demnach keine stichhaltige Prognose geben. Anhand des mir vorliegenden Bildes kann ich lediglich erkennen, dass er offenbar stehfähig, vielleicht gehfähig ist. Ganz ohne Hilfe zu leben, wird für ihn eher nicht möglich sein. Aber ein gutes Stück Selbstständigkeit doch. Das geplante eigene kleine Reich ist eine gute Basis.


Einen Weg ins Leben ebnen

Gregor ist schwerstbehindert. Da die Wohnung der Eltern, in der er lebt, klein und verwinkelt ist, kann er nicht mit einem Rollstuhl fahren und verbringt sein Leben überwiegend auf einer Couch. Um nach draußen zu kommen, müssen ihn die Eltern eine steile Treppe nach unten tragen. Der Vater hat begonnen, im Erdgeschoss ein kleines Wohn-Schlafzimmer mit Sanitärbereich rollstuhlgerecht auszubauen. Da er alles selbst macht und es an Geld für Fachfirmen fehlt, dauert das. Mit den Spenden soll der Ausbau fertiggestellt und Gregor so ein Weg ins Leben geebnet werden.

Spenden So können Sie helfen: Spendenkonto: Verein Leser helfen, Volksbank Chemnitz, IBAN: DE 4787 0962 1402 2442 2440, BIC: GENODEF1CH1, Kennwort: "Gregor".

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