"Direkte Gespräche sind sein Ding"

Einst versorgte Peter Hünig die Weißenborner im Konsum mit Ware. Nach der Wende übernahm der leidenschaftliche Feuerwehrmann die Geschäfte im Rathaus. Zum 80. Geburtstag nun haben Weggefährten ein wenig geplaudert.

Weißenborn.

Er scheint ziemlich viel richtig gemacht zu haben. Nah dran an den Wünschen und Sorgen der Bürger, sich aber auch nicht zu schade, in Dresden oder Berlin große Schlachten zu kämpfen. Sechs Jahrzehnte lang hat Peter Hünig die Gemeinde Weißenborn geprägt. Dafür ist er zu seinem 80. Geburtstag am Samstag im Schmiedestern Berthelsdorf zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde Weißenborn ernannt worden. Das hatte der Gemeinderat zuvor einhellig beschlossen.

"Menschen wie Peter Hünig sind für mich Helden des Alltags. Sie packen an, schauen den Menschen ins Gesicht und handeln", sagte Landrat Matthias Damm, der persönlich zum Gratulieren kam. Elf Jahre lang wirkte Hünig in der Fraktion der Freien Wähler im Kreistag mit. 2015 nahm er Damm als ältester Kreisrat den Diensteid ab.

In Weißenborn war Peter Hünig schon früh bekannt; seine Eltern hatten eine Bäckerei. "Dort habe ich als Junge immer Brot und Brötchen geholt", erzählt Roland Liebschner (65). "Ich weiß noch, dass er einer der schnellsten Autofahrer Weißenborns war. Mit seinem roten F 9 mit weißem Dach donnerte er immer an meinem elterlichen Grundstück vorbei", so Liebschner.

1959, da war Peter Hünig gerade 19, ist er der Freiwilligen Feuerwehr Weißenborn beigetreten - seine Passion bis heute. Dass er Organisationstalent besaß, zeigte sich, als er eine der drei Konsumverkaufsstellen im Dorf leitete. "Es war diejenige mit den besten Angeboten ... sein Engagement! Wenn eine Stunde vor Ladenschluss noch etwas gebraucht wurde, ist er in den Großhandel gedüst und hat es geholt", schildert Liebschner. So, wie er sich für die Kunden engagiert habe, habe er es später für den ganzen Ort getan. "Er kann auf Menschen zugehen und setzt stets Herz und Verstand ein."

1977 ist Peter Hünig zum Wehrleiter ernannt worden, "und das, obwohl ich nicht in der Partei war", erzählte er bei einer Veranstaltung im November 2019. Dort wurde er für sein sechs Jahrzehnte anhaltendes Engagement geehrt. 30 Jahre lang leitete er die Wehr in Weißenborn, ab 1994 die Gemeindewehr insgesamt. 1990 wurde er zum Bürgermeister gewählt. Seitdem kennt ihn auch Eberhard Löffler (83), von 1990 bis 2001 Landrat im Altkreis Freiberg. "Ich war mir sicher: Wenn jemand derartig verbunden ist mit der Feuerwehr, dann hat der Mann auch keine Probleme, eine Gemeinde zu führen." Liebschner, der mit Hünig zunächst als parteilose Gemeinderatskandidaten für die CDU antrat, erinnert sich: "Es war eine wunderbare Zeit des Aufbruches, wir waren frei gewählt und konnten einiges bewegen." Ob Kaufhalle oder Schwimmbad: "Peter Hünig hatte und hat bis heute immer Visionen und Ideen."

18 Jahre lang hatte er den Chefposten in Weißenborn inne. Bei den Wahlen 1994 und 2001 stimmten jeweils mehr als 90 Prozent der Wähler für ihn. Dass ihn auch die Berthelsdorfer nach der Eingemeindung 1994 mittragen würden, hätte Hünig nicht gedacht. Das sagte er zur Feier am Samstag.

Dass Weißenborn immer eine industriell geprägte Gemeinde war, spielte ihm in seiner Laufbahn durchaus in die Karten. "Er wusste, die Papierfabrik gehört zu Weißenborn und der Ort ist von Industrie und Gewerbe geprägt. Das hat er fortgesetzt", schildert Löffner. Seine Bemühungen darum, dass die Firma Schoeller aus Osnabrück nach der Wende die Papierfabrik übernahm und weiterführte, beeindruckte seine jungen Amtskollegen, darunter Volker Haupt (59), damals Bürgermeister von Niederbobritzsch, dann von ganz Bobritzsch-Hilbersdorf. Er beschreibt den Weißenborner als "ruhigen und ausgeglichenen Typ". "Streiten kann man mit Peter Hünig, glaube ich, nicht." Gern erinnere er sich "an die Geburtstagsfeiern zur Sommersonnenwende mit den Kollegen bei gutem Essen, viel Spaß und guten Gesprächen."

Dass sich Peter Hünig durchsetzen kann - oft mit viel persönlichem Einsatz - hat er mehrfach bewiesen. Für den Kreisverkehr beispielsweise "hat er sich mit dem Straßenbauamt bis auf die Klinge auseinandergesetzt", erinnert sich Löffler. Sporthalle, Freibad, Kita, Bürgerhaus und mehr: "Peter Hünig hat unumstritten in seiner Gemeinde Bescheid gewusst und die Wünsche der Bürger ernst genommen", schildert Löffler.

2008 hat Udo Eckert das Bürgermeisteramt von Peter Hünig übernommen. Altersbedingt zog dieser sich vom Amt zurück, sitzt aber noch im Gemeinderat. Seine Beharrlichkeit in wichtigen Angelegenheiten beschreibt Eckert so: "Wenn nötig, hat er von Chemnitz bis Osnabrück und von Dresden bis Berlin alle Amtsstuben und Büros gestürmt und seine Belange vorgetragen und mit seinem überzeugenden Einsatz so manchen Karren aus dem Dreck gezogen." Liebschner ergänzt: "Direkte Gespräche etwa im Regierungspräsidium anstelle langwieriger Schreiben, waren sein Ding."

Aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz: Bei einem Badfest musste einer baden gehen. Schließlich war es Peter Hünig, der im Anzug die Wassertemperatur testete. Und immer mit dabei: die Kameraden der Feuerwehr. Gemeindewehrleiter Gunter Backofen (64): "Er ist sehr kameradschaftlich und hat die Wehr 30 Jahre lang sehr gut geführt." Zu den größten Katastrophen zählt zweifelsohne das Hochwasser 2002. "Peter Hünig hat koordiniert. Schließlich brauchte jeder was zu essen, was zu trinken oder eine Pause", erzählt Backofen. Noch heute wirkt er bei den Vorbereitungen zur 150-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Weißenborn mit. "Wir hätten keinen besseren Bürgermeister haben können", so Liebschner.

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