Ein Fünkchen Wahrheit

Mitglieder des Altertumsvereins gehen sagenhaften Geschichten auf den Grund. Heute: Das erste Erz wurde am Schüppchenberg gefunden.

Freiberg.

Die wahrscheinlich älteste aller Freiberger Sagen handelt von Hallenser oder auch Goslaer Fuhrleuten, die im oder beim Münzbach in den Spuren ihres Wagens Silber fanden. Diese Legende ist bereits 1546 bei einem der frühesten der sächsischen Bergbauforscher Georgius Agricola zu finden.

Lange Zeit versuchte man diesen Vorfall möglichst genau zu verorten. Ja es gibt sogar eine Plakette, die dem geneigten Besucher genau zu zeigen vermag, wo der erste Erzfund stattgefunden hat. Leider ist bereits dieser - dem Kern der Stadtgeschichte entspringende - Mythos kaum mehr als eine vage Legende, die von Stadtführern erzählt wird, um Geschichte anschaulich zu vermitteln.

Viele Bergstädte erzählen von seltsamen Gegebenheiten und geheimnisvollen Umständen, unter denen ihr erstes Erz gefunden wurde. Doch was ist von solchen Sagen zu halten? Niemals mit voller Gewissheit, doch immerhin mit einiger Wahrscheinlichkeit ist in ihnen ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Leider nützt diese Einsicht der Rekonstruktion der Geschichte nicht, wenn man nicht weiß, was wahr und was Dichtung ist. Dem Ort des ersten Freiberger Erzfundes kann man sich daher nur einschränkend nähern.

Mit großer Wahrscheinlichkeit (aber nicht einmal dies ist wirklich sicher) war es Erz aus einem der mächtigsten der Freiberger Erzgänge, dem Hauptstollngang Stehenden, das um 1168/70 gefunden wurde. Dieser verläuft auf einer Linie vom Erbischen Tor, der Wasserturmstraße zur Berggasse und schließlich über die Pfarrgasse zur Terrassengasse und am Krankenhaus vorbei in Richtung Tuttendorfer Weg. Besonderheiten in der Lagerstätte lassen vermuten, dass der erste Erzfund eher östlich des heutigen Helmertplatzes geschah. Zusätzlich wissen wir, dass das erste Mal jemand einen Erzbrocken auf der Flur von Christiansdorf aufhob, dessen Ortslage von Süden bis an die Meißner Gasse reichte.

Damit jedoch hört die einigermaßen gesicherte Geschichtsschreibung auf und wir müssen uns wieder unserer Sage zuwenden. Laut dieser war eine Wegeführung im Spiel, auf der der Fernhandel reiste, denn schließlich sollen es Salzhändler gewesen sein, die zufällig das erste Erz fanden. Doch so sehr man es sich wünscht und es von früheren Forschern versucht wurde - den Verlauf der hochmittelalterlichen Wegeführung in und um das alte Christiansdorf kann man nicht mehr rekonstruieren. Die Stadt Freiberg, die nach den ersten Erzfunden entstand, überprägte alles davor gewesene. Hinzu kommt, dass die Fernwege des Mittelalters in der Regel nicht durch Bachauen führten, sondern hochwassersicher weiter oben am Hang, oft sogar auf den Kämmen der Hochflächen verliefen. Somit lag mit einiger Wahrscheinlich der Erzfundort eher nicht unten in der Talsohle des Münzbachs, sondern höher am Hang. Ob am Schüppchenberg (heute Berggasse), unter der Pfarrgasse oder der Terrassengasse - wo genau, bleibt bis heute reine Spekulation.

Im Übrigen wurden bei Bauarbeiten an der Terrassengasse Bergwerke entdeckt, die, ebenso wie ein Schacht am Tuttendorfer Weg, mit großer Wahrscheinlichkeit in die erste Bergbauperiode Freibergs datieren und somit zu den ältesten gesicherten Zeugnissen des Bergbaus unserer alten Bergstadt zählen.

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