Ein Hauch Florentiner Kunst in Freiberg

Sie ist sonst verborgen und nur selten zu sehen: Da die berühmte Mars-Statuette des Renaissancekünstlers Giambologna aber zurückkehrt ist, steht die Grablege der Wettiner Fürsten zurzeit offen.

Freiberg.

Ein kunstvolles Gitter versperrt üblicherweise den Zugang. Und nur ein verstohlener Blick in das Innere der Begräbniskapelle im Freiberger Dom ist möglich. Zumal ein mächtiges Monument, das an den ersten albertinischen Kurfürsten Moritz (1521 bis 1553) erinnert, den Chor dominiert und das Dahinterliegende verbirgt.

Das ist jetzt anders. Für kurze Zeit können Besucher diesen Schatz besichtigen: die Grablege der Wettiner. "Eine seltene Gelegenheit", bringt es Domführerin Sabine Lohmann auf den Punkt. Im Gotteshaus liegen namhafte sächsische Adelige aus dem 16. und 17.Jahrhundert begraben, allein neun Kurfürsten, darunter August von Sachsen (1526 bis 1586), Christian I. (1560 bis 1591) und Johann Georg I. (1585 bis 1656). Erst mit dem Tod August des Starken (1670 bis 1733), der im polnischen Krakau seine letzte Ruhe fand, endet diese Tradition.


Ein opulentes und farbenprächtiges Kunstwerk hat Giovanni Maria Nosseni ab 1585 entworfen und von 1589 bis 1594 zusammen mit dem Bildhauer Carlo di Cesare ausgestattet. Eine Architektur aus Alabaster und Marmor ist zu sehen. Sechs lebensgroße Fürstenfiguren aus Bronze stechen ins Auge, auch acht Propheten ähnlicher Größe, dazu Dutzende Engelsfiguren, Wappen und Schrifttafeln. Zurzeit schreiten die Besucher über ein Podest, das mit Vlies bedeckt ist, um einige der 29 in den Boden eingelassene Grabplatten aus Messing zu schützen.

Doch warum das Ganze? Das Projekt war nicht nur teuer, wie Domführerin Lohmann, ohne einen Betrag zu nennen, versichert. Es war arbeitsintensiv. Zeitweise sollen bis zu 150 Handwerker parallel an der Ausgestaltung der Grablege gearbeitet haben. So mussten etwa Steine geschnitten, geschliffen, poliert und sogar gedreht werden. Sandstein war zu bemalen. Nicht zuletzt wurden die Bronzefiguren gegossen und andere Statuen aus Kostengründen nur mit Bronze überzogen.

Was also veranlasste Christian I. zu diesem kostspieligen Bau der Begräbniskapelle? Laut der Kunsthistorikerin Claudia Kunde wollte er sich "mit der Grablege mit der fürstlichen Elite Europas in eine Reihe stellen". Mit Erfolg, wie Domführerin Lohmann findet. "Sie ist einzigartig und nur vergleichbar mit der Hofkirche in Innsbruck und dem Escorial in Madrid", fährt die Freibergerin fort. Das gelang womöglich nur, weil der kunstliebende Adelige der Mode folgend italienische Künstler nach Freiberg holte. Das Resultat: Ein Stück florentinischer Kunst in der Tradition des bedeutenden Giambologna mitten in Sachsen. Dieser Giambologna, der eigentlich Jean de Boulogne hieß, aus Flandern stammte und sich zu einem der bedeutendsten Hofkünstler der Herrscherfamilie Medici entwickelte.

Eben mit diesem Künstlerstar der Renaissance schließt sich der Kreis. Daran lässt Domführerin Lohmann keinerlei Zweifel aufkommen. War es doch sein nur knapp 40 Zentimeter hoher Kriegsgott Mars, ein Geschenk von ihm an Christian I. zu dessen Regierungsantritt. Der Sachse war so begeistert von der Statuette, dass er Giambolognas Schüler Carlo di Cesare verpflichtete, um die Begräbniskapelle nach diesem Vorbild auszustatten. "Der Bronzeguss war das künstlerische Ausdrucksmittel jener Zeit. Den wollte jeder haben", erläutert die Domführerin. Kaum verwunderlich, dass die Medici den Künstlerstar nicht nach Freiberg ziehen ließen. "Der lebte wie in einem goldenen Käfig."

Noch bis zum 31. März kann die Mars-Statuette im Stadt- und Bergbaumuseum am Dom 1 in Freiberg besichtigt werden. Bis dahin ist mit einem Kombi-Ticket (10 Euro, ermäßigt 7 Euro) auch die Grablege im Dom zu sehen. Mittwochs und samstags finden Führungen statt. Anmeldungen unter 03731 22598 oder per Email unter verkauf@freiberger-dom.de. www.freiepresse.de/grablege

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