Ein Opfer, das den Sieg bringt

Hier steht was wirklich wichtig ist. Heute: Was die Schach-WM und Bewerbung um das Weltkultur-Erbe gemeinsam haben.

Es gibt in Sachsen ein Wort, das treibt dem Kulturträger Mensch Schauer auf den Rücken und Gänsehaut unter die Fingernägel. Nein, die Rede ist diesmal nicht von Pegida. Die Rede ist von einem Bauwerk, dessen Namen nicht genannt werden darf. Ein Bauwerk, dessen Name mit W wie Wahnsinn beginnt und mit aldschlösschenbrücke aufhört. Sie wissen schon, jenes Bauwerk, dessen Name nicht genannt werden darf und das den internationalen Transitverkehr galant zwischen den Villen und Plattenbauten der Dresdner Vororte Johannstadt und Blasewitz versickern lässt. Wie nun der Kultursachse weiß, haben die Unesco-Herren in Paris wegen der Waldschlössenbrrrr - also wegen dieses Bauwerks, dessen Namen nicht genannt werden darf, ja damals Dresden den Titel als Weltkulturerbe aberkannt. Und nun beweisen die Macher des neuen Welterbes von der Montanregion, dass sie aus der Geschichte gelernt haben. Dass sie einen Weitblick haben sonder gleichen. Sie haben gelernt: Die Weltkulturerbe-Hüter in Paris wollen nicht nur Titel zuerkennen, oh nein: Sie wollen auch aberkennen. Sie wollen auch ab und zu mal jemanden rasieren, fressen, ihre Zähne zeigen. Eine Schwäche, nur allzu menschlich.

Und die Macher der Montanregion wissen nun um diese Schwäche der Welterbehüter seit jener Sache mit der Waldschlössenbrrrrr - also wegen dieses Bauwerks, dessen Namen nicht genannt werden darf. Eine Schwäche, die es auszunutzen gilt. Also haben die Macher der Montanregion in ihren ersten Antrag ganz bewusst ein paar, wir sagen mal, leckere Bestandteile eingebaut, quasi Silbertablett, damit die Welterbehüter in Paris etwas zu fressen haben, ihre Zähne zeigen können. Und zwar nicht nur so unscheinbare Erbstücke wie Herders Ruh. Sondern ein richtig schmackhafter Leckerbissen wie Schloss Augustusburg. Und in Paris sagt man da natürlich: Zubeißen. Ein ganzes Schloss hinunterwürgen. Und eh das Schloss verdaut ist, zaubert die Montanregion eine neue Bewerbung aus dem Hut, bei der Bestandteile aberkannt sind, die noch gar nicht anerkannt waren. Wie eben Herders Ruh, Augustusburg und Co. Ein genialer Schachzug der Montanregioner. Im Schach würde man sagen: Damenopfer. Unsere Dame war Schloss Augustusburg. Im letzten Spiel der Schach-WM in dieser Woche hat Magnus Carlsen seine Dame geopfert. Es war der Zug, der ihm wieder den WM-Titel sicherte. Was für uns hier nur einen Schluss zulässt: Wenn der Norweger mit dem Damenopfer den WM-Titel gewinnt, dann sollte uns der Welterbetitel kaum mehr zu nehmen sein.

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