Alkoholschäden schon vor der Geburt: Felix lebt in ständiger Ausnahme

Bei dem Neunjährigen ist Normalität kaum möglich, denn der Junge leidet an einer Schädigung des Gehirns und der inneren Organe - ein vierbeiniger Freund könnte ihm zur Seite stehen. So können "Freie Presse"-Leser helfen.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Mit einem lauten Jauchzen, in dem eine ganze Welt voller Fröhlichkeit liegt, springt Felix von der Plattform seines Baumhauses hinab auf den Rasen, nur um sofort zu einem beeindruckenden Sprint durch die Hälfte des Gartens anzusetzen. Dabei jubelt er glücklich und scheint keinerlei Grenzen zu kennen. Wie das so ist bei einem Jungen von neun Jahren.

Und doch ist bei Felix vieles anders, was man auf den ersten Blick gar nicht bemerkt. Denn Felix ist krank. Er wurde krank geboren und seit er ein halbes Jahr alt ist, lebt er bei Heike und Sylvio Weigel, seinen Pflegeeltern. Die sind für ihn ganzselbstverständlich Mama und Papa. Der Junge leidet am Fetalen Alkoholsyndrom, kurz FAS. Dabei handelt es sich um eine vorgeburtliche Alkoholschädigung des Gehirns und der inneren Organe. "Gleich zu Beginn seines Lebens kämpfte er mit einem Alkohol- und Nikotinentzug", erzählt Sylvio Weigel. "Als er zu uns kam, wog er gerade einmal 4400 Gramm und war nur 54 Zentimeter groß."

Die Male, die der Junge allein in seinen ersten drei Lebensjahren in verschiedenste Kliniken musste, können die Pflegeeltern kaum noch zählen. Erst 2017 gelang es Ärzten des Herzzentrums in Leipzig, ein großes Loch in Felix' Herz zu verschließen. "Von da an ging es ihm gesundheitlich deutlich besser", sagt Heike Weigel. So war es möglich, dass er 2019 in eine Förderschule für geistig behinderte Kinder eingeschult wurde, wo er seinem Entwicklungsstand entsprechend betreut und unterrichtet wird.

An dem Tag, an dem der Mann von der Zeitung ihn besucht, ist das Wetter ungemütlich. Das macht Felix nichts aus. Er springt durch den Garten des Hauses in Oberbobritzsch, klettert auf Bäume, blödelt mit den Eltern herum, spielt Haschen mit der Kamera. Für kleine Filmchen ist er gerne der Hauptdarsteller, schaut auch sehr konzentriert zu, als Heike und Sylvio Weigel ein Interview geben, lacht herzerfrischend, als Papa sich verhaspelt. Dann aber schlägt seine Stimmung unmerklich um. Für ein Foto ist der Junge nicht mehr zu haben. Er versteckt sich, läuft weg. Die gute Laune bleibt zwar, aber die Kooperationsbereitschaft ist für diesen Moment dahin. Das ist auch ein Teil seines Krankheitsbildes, zu dem emotionale Instabilität, Hyperaktivität, Arglosigkeit, aber auch Bindungsstörungen gehören. "Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Sprachstörungen, verminderte Intelligenz und ein sozial-emotionales Unvermögen sind ebenso Folgen seiner Schädigung", erklärt Sylvio Weigel. Schon jetzt steht fest, dass es trotz aller möglichen Therapien für Felix keine Heilung geben wird und er sein ganzes Leben lang unter Betreuung und Aufsicht verbringen muss.

Er brauche immer jemanden, der bei ihm ist, mit dem er herumalbern, an den er sich anschmiegen kann, meint Heike Weigel. Seine Impulsivität, gepaart mit einem hohen Bewegungsdrang, birgt, bei aller Lebensfreude, auch hohe Gefahren. Um ihm einen Partner an die Seite zu geben, der stets in seiner Nähe ist und auf ihn aufpasst, wollen die Weigels einen Assistenzhund anschaffen. Diese Tiere sind ganz speziell und über einen längeren Zeitraum ausgebildet. In Lalendorf, einer Gemeinde südlich von Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, werden solche Servicehunde trainiert, immer ganz speziell auf eine Person, in diesem Fall Felix. Man sei schon dort gewesen, habe den richtigen Hund gefunden, erzählen die Weigels. Weil die Hündin bei ihrer Geburt ein wenig grün ausgesehen haben soll, nennt man sie nur Gurke. Die Verbindung zu Felix war sofort da. Eine mehrjährige Ausbildung soll erreichen, dass Gurke das emotionale Empfinden von Felix erkennt und darauf reagiert, ihn bei Frust oder Aggression beruhigt, ihn in Menschenmengen abschirmt, Weglauftendenzen verhindert, Gefahrensituationen erkennt und darüber hinaus ein Freund ist.

All das kostet Geld. 30.000 Euro müssen die Weigels für Ausbildung und Anschaffung des Hundes aufbringen. Um das zu erreichen, haben sie bereits mit einer Plakat- und Fly-eraktion begonnen. "Für den Jungen wäre es ungemein wichtig und eine unschätzbare Hilfe, wenn er den Hund an seiner Seite hätte", wenden sich die Weigels mit der Bitte um Hilfe an die Öffentlichkeit, eine Hilfe, die Felix einen Freund und zudem eine Perspektive schenkt.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.