Freiberger wollen Bergbau in Zinnwald wieder aufleben lassen

Der Deutschen Lithium ist das Bergrecht für das gut 250 Hektar große Areal an der Grenze zu Tschechien bewilligt worden. 2019 soll es losgehen.

Freiberg/Zinnwald.

Der Claim ist abgesteckt - so kommentiert Professor Armin Müller den Bescheid, den er jetzt vom Sächsischen Oberbergamt erhalten hat. Darin erteilt die Freiberger Behörde der Deutschen Lithium GmbH die "bergrechtliche Bewilligung zur Gewinnung bergfreier Bodenschätze" in einem etwas mehr als 250 Hektar großen Gebiet zwischen Zinnwald und Altenberg. Müller ist Geschäftsführer der Freiberger Firma, die hier ab 2019 nach Lithium-Eisen-Glimmer graben und ab 2021 voll produzieren will.

Das Material, das von Mineralogen auch Zinnwaldit genannt wird, ist als Lithiumlieferant interessant. Das Leichtmetall wird in Lithium-Ionen-Akkumulatoren verwendet und gewinnt angesichts der immer breiteren Nutzung von Elektroautos, Smartphones und Akkuwerkzeugen an Bedeutung.


Rund 500.000 Tonnen Gestein sollen pro Jahr aus dem Bergwerk mit sechs Sohlen bis in eine Tiefe von etwa 300 Metern abgebaut werden. Das Material werde in Altenberg gemahlen und die Körner mittels eines Magnetabscheiders "sortiert", so der 56-jährige Firmenchef weiter: "Dabei machen wir uns zunutze, dass Zinnwaldit auch Eisen enthält." Das so gewonnene Konzentrat soll dann in einer Chemieanlage bei Dresden auf etwa 1000 Grad erhitzt und gelaugt werden, um Lithiumverbindungen zu gewinnen, die verkauft werden können.

Die geplante Jahresausbeute liegt nach den Worten des Chemikers bei 8000 Tonnen. Auf dem Weltmarkt werde die Tonne derzeit mit bis zu 12.000 Dollar gehandelt. Aus dem geschätzten Vorrat von 96.000 Tonnen reinem Lithium ließen sich theoretisch etwa 500.000 Tonnen Lithium-Verbindungen gewinnen - der Boden unter Zinnwald wäre damit etwa 5 Milliarden Euro wert.

Müller hält diese Zahl aber für zu reißerisch. Erstens lasse sich die Lagerstätte nicht restlos ausbeuten - geplant ist ein Kammerbergbau, bei dem sogenannte Pfeiler stehen bleiben - und zweitens dürfte der Tonnenpreis wieder sinken. "Wir erleben seit 2015 einen Hype. Zuvor hat die Tonne lange Jahre etwa 6000 Euro gekostet", weiß der Fachmann.

Die Schwierigkeit des Projekts bestehe daher weniger im Abbau und der Verarbeitung des Materials, so Müller, "sondern darin, auch dann noch profitabel zu sein, falls der Preis sinkt." Dazu werde derzeit eine "bankenfähige Machbarkeitsstudie" erarbeitet; immerhin werden für die Investitionen gut 100 bis 120 Millionen Euro benötigt.

Auch so haben die derzeit fünf Mitarbeiter der Deutschen Lithium noch jede Menge "Hausaufgaben" zu erledigen. So sind beispielsweise ein Rahmenbetriebsplan und diverse Gutachten für das Bergwerk zu erarbeiten. "Bei der Genehmigung prüfen die Behörden, ob wir alle Schutzvorschriften beispielsweise für die Menschen, das Wasser und die Luft in dem Gebiet einhalten", erläutert der Geschäftsführer.

Seine Firma hat ihren Sitz an der Berthelsdorfer Straße 111 in Freiberg - im Verwaltungsgebäude der in Liquidation befindlichen Solarworld. Sie war 2008 als Solarworld Solicium GmbH gegründet und nach dem Einstieg der Bacanora Minerals in diesem Jahr - der kanadische Konzern hält 50 Prozent der Anteile und hat eine Kaufoption für den Rest - in Deutsche Lithium umbenannt worden. An dem Projekt in Zinnwald wird seit 2010 gearbeitet. Zunächst wurden Erkundungsbohrrungen ausgewertet und verifiziert, die zum Teil bis in das Jahr 1917 zurückreichen. 2013/14 sind dann sechs weitere Bohrungen niedergebracht worden; bis Jahresende soll das Erkundungsnetz um 15 weitere Bohrungen verdichtet werden.

In Zinnwald war seit dem Mittelalter Zinn abgebaut worden. Der letzte Schacht wurde 1991 im nahen Altenberg geschlossen. "Die Leute dort haben großes Interesse am Bergbau", sagt Müller. Die Zinnwaldit-Lagerstätte selbst reiche bis nach Tschechien hinein: "Es gibt im Altbergbau Untertage sogar ein Gitter an der Stelle, wo die Grenze verläuft." Auf böhmischer Seite lägen etwa zwei Drittel der Gesamtvorräte. Diese untersuche ein australisches Unternehmen genauer.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Nixnuzz
    08.11.2017

    Als Flachland-Wessi wünsch ich der Region und den alten und wohl zukünftigen neuen Bergleuten "Alles Gute" oder "Glück auf!". Zumindest einem Müller, der den Weg aus dem Rheinland zurück in die heimischen Gefilde fand.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...