Für 50 Pfennige Märchenfilme geschaut

Kinogeschichten: Seit Jahrzehnten steht das Brand-Erbisdorfer Kino leer. Zukunft ungewiss. Eine Leserin erinnert sich an bessere Zeiten.

Brand-Erbisdorf.

Mit Entsetzen sah ich vor ein paar Tagen das eingestürzte Dach unseres ehemaligen Kinos, dem "Theater der Freundschaft". Es ist eine Schande, das denkmalgeschützte Gebäude in solch einem Zustand zu sehen. Das Kino war von meiner Kindheit und Jugendzeit an etwas Besonderes. Ich war mit meiner Freundin fast jede Woche im Kino. An den Wochenenden durfte ich sonnabends und sonntags 10 Uhr die schönen Märchenfilme für 50 Pfennige ansehen. Zu Weihnachten bekam ich von meinen Eltern viele Jahre lang eine 10er-Kinokarte geschenkt. Darauf freute ich mich immer. Später ging ich mit meiner Freundin Marita oft zwei Mal in der Woche abends ins Kino, entweder nachmittags oder 20Uhr. Die Vorstellungen waren immer ausverkauft. Für meine Eltern musste ich mich oft anstellen, um Karten zu holen. Es wurden wunderschöne Filme gezeigt.

Auch Veranstaltungen der Konzert- und Gastspieldirektion wurden sehr oft angeboten, die immer ausverkauft waren. In dem herrlichen Haus, was es selten in der DDR gab, kamen die Künstler aus dem In- und Ausland gern und zeigten wunderschöne Vorführungen, aber auch Künstler aus der näheren Umgebung, wie die Radartisten aus Brand-Erbisdorf, Chöre und Laienspielgruppen aus dem Kreisgebiet zeigten ihr Können. Auch der Filmklub war sehr schön und wurde von der Bevölkerung gern angenommen. Ich könnte noch mehr schwärmen und bin unheimlich traurig, dass es das Kino nicht mehr gibt. Viele Jahre schüttelte ich den Kopf und sagte mir "wie wird es wohl in dem früher herrlichen Kino aussehen?" Aber dass es so heruntergekommen ist und einstürzt, hätte ich nie gedacht. Wollen wir hoffen, dass der Freistaat Sachsen ein Einsehen hat und das "Theater der Freundschaft" erhalten bleibt, steht es doch unter Denkmalschutz.


Liebe Leser, wenn auch Sie sich an besondere Stunden oder Geschichten im Brander Kino erinnern, dann schreiben Sie uns diese per E-Mail an red.freiberg@freiepresse.de oder an Lokalredaktion "Freie Presse", Kirchgäßchen 1 in 09599 Freiberg.

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