Für den ernstesten aller Ernstfälle

Seit einem Jahr wird am Hüttenteich in Berthelsdorf an einer neuen Anlage zur Hochwasserentlastung gebaut. Im besten Fall bleibt das 1,7 Millionen Euro teure Projekt aber ungenutzt.

Berthelsdorf.

Fast geschafft: Seit gut einem Jahr wird gebaut am Berthelsdorfer Hüttenteich. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) lässt für 1,7 Millionen Euro eine neue Hochwasserentlastungsanlage errichten, deren Zweck es ist, den denkmalgeschützten Damm des Hüttenteiches vor einem Bruch zu bewahren. 90 Prozent der Arbeiten sind erledigt. Mitte Juni, sechs Wochen früher als geplant, wird die Anlage fertig sein, sagt Mirko Salzmann. Als Bauingenieur leitet er das Projekt bei der LTV.

Derzeit ist der Hüttenteich größtenteils abgelassen, nur am Teichgrund steht noch etwas Wasser, in dem sich Pflanzen und Tiere wohlfühlen. Der Großteil des Wassers wird umgeleitet. Normalerweise sind im Hüttenteich rund 300.000 Kubikmeter Wasser angestaut. Der Teich ist der unterste Zwischenspeicher der Revierwasserlaufanstalt Freiberg und wird über den Münzbach aus der Talsperre Rauschenbach gespeist. Der Abfluss befindet sich unter dem Fluterhaus und kann durch Dammbalken reguliert werden. Im Normalfall fließen hier 100 Liter Wasser pro Sekunde ab; der Freiberger Industrie dient es als Brauchwasser, beispielsweise zum Kühlen von Anlagen.

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Bei Starkniederschlägen und Hochwasser wird der Teich höher eingestaut als im Normalfall. Diese Wassermassen müssen abgeführt werden können, ohne die Standsicherheit des Dammes zu gefährden. Die alte Hochwasserentlastungsanlage ist dafür nach den aktuellen Vorgaben nicht ausreichend. 1822 war der Damm schon einmal gebrochen. Damit das nicht noch einmal passiert, hat die LTV die neue Anlage geplant. Sie kann 29 Kubikmeter, also 29.000 Liter Wasser pro Sekunde fassen und ableiten, erklärt Salzmann vor Ort. Geplant und berechnet wurde für einen Ernstfall, den es so noch nicht gab, der statistisch einmal in 5000 Jahren auftritt. Quasi "für den Fall, den keiner will", sagt er. "Die alte Anlage bleibt aufgrund des Denkmalschutzes erhalten und in Betrieb. Die neue Anlage bringt die Leistung", erläutert er. Das heißt: "Im Normalfall bleibt die neue Anlage immer trocken. Nur bei einem hundertjährlichem Hochwasser würde sie anspringen", erläutert Salzmann. Dann würde das Wasser aus dem Teich über eine breite Überlaufschwelle in die circa sechs Meter breite Sammel- und Schussrinne fließen.

Die Rinne verjüngt sich in Fließrichtung und leitet das Wasser etwa 180 Meter weiter unten in den alten, bereits bestehenden Graben des Münzbaches. Die 29 Kubikmeter pro Sekunde würden hier nicht geordnet weiter abfließen, sondern sich über die Wiese ausbreiten. Ziel der neuen Anlage sei aber auch nicht der Hochwasserschutz für besiedelte Gebiete der Stadt Freiberg, sondern: den Damm vor einem Bruch zu schützen, klärt Salzmann auf.

Zu den größten Herausforderungen zählt Salzmann die Nähe zur Straße. Die sollte durch den Bau auf keinen Fall beeinträchtigt werden. Dafür wurde in einem Abschnitt eine Stützwand mit Stahlträgern eingezogen. Im heißen Sommer vergangenes Jahr sei auch die Arbeit mit Beton schwierig gewesen. "Beton darf bei der Anlieferung maximal 30 Grad haben. Wenn er zu warm ist, können später Risse entstehen", erklärt der Ingenieur.

Im nächsten Jahr könnte die neue Anlage zum Einsatz kommen, denn auch die alte Anlage soll erneuert werden. Die Planungen laufen schon, sagt der Ingenieur. 2020 könnte gebaut werden. Das Fluterhaus soll dabei erhalten bleiben. Der Teich selbst ist nunmehr 464Jahre alt. 1555 wurde er angelegt, und zwischen 1558 und 1560 erweitert. Der Teich, das Fluterhaus und der 443 Meter lange Damm stehen unter Denkmalschutz und gehören zum Weltkulturerbe-Antrag für die Montanregion Erzgebirge. (mit jan)

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