Für ihre Kinder muss sie stark sein

Stefanie Lojewski hat 2018 mehrere Schicksalsschläge verkraften müssen. Erst verlor sie ihren geliebten Stiefvater, kurz nach der Geburt des vierten Kindes auch noch ihren Ehemann. Dabei sollte in diesem Jahr die Sanierung ihres gerade erst gekauften Hauses so richtig losgehen.

Oederan.

Zum Trauern ist keine Zeit. Dafür sorgt Lotte. Das acht Monate alte Mädchen sitzt auf dem Schoß der Mutter und greift neugierig nach allem, was ihr in die Hände kommt. Stefanie Lojewski kennt das. Lotte ist ihr viertes Kind. Mit Routine und Ruhe kümmert sie sich um ihre Tochter, während sie über die letzten Monate erzählt - über ein Jahr 2018, das zum Schicksalsjahr für die Familie aus Oederan wurde. Ab und zu wird die 29-Jährige dabei nachdenklich, auch traurig. Doch Lotte holt sie schnell zurück in den Alltag. "Es gibt ganz viele Leute, denen es schlechter geht als mir", sagt Stefanie Lojewski. Sie will stark sein.

Als Lotte noch im Bauch ihrer Mutter Stefanie war, musste diese im November 2017 eine schlimme Nachricht verkraften: Beim Stiefvater wurde Krebs diagnostiziert. "Er hat mich immer wie sein eigenes Kind behandelt, hat seine Enkel über alles geliebt", sagt Stefanie Lojewski. "Er wollte unbedingt die Geburt unseres vierten Kindes erleben." Die Hochschwangere kümmerte sich ab Dezember gemeinsam mit ihrer Mutter um den Stiefvater. "Als dann ein Platz im Hospiz frei wurde, haben wir ihn dort pflegen lassen - und ihm versprochen, dass wir ihn rausholen, wenn Lotte auf der Welt ist", sagt Stefanie Lojewski.

Daraus wurde aber nichts. Am 7. Februar dieses Jahres verstarb der Stiefvater. Viel Zeit, die Trauer darüber zu verarbeiten, blieben Stefanie Lojewski und ihrem Mann André nicht. Am 9. März kam ihre Tochter Lotte zur Welt - als erstes ihrer Kinder kerngesund.

Lea, die älteste, kam 2009 als Frühchen, musste lange Zeit im Krankenhaus bleiben. Finn wurde nur ein Jahr später geboren, er hatte von Anfang an mit einer Schwerhörigkeit zu kämpfen. Seit er fünf Jahre alt ist, muss er ein Hörgerät tragen.

"Unser Schicksalsjahr war dann 2013, als unsere Kiara geboren wurde", sagt Stefanie Lojewski. Denn das Mädchen kam herzkrank zur Welt. Unter anderem sorgte eine Engstelle in der Hauptschlagader dafür, dass nicht genug Blut aus dem Herzen gepumpt werden konnte. Als Kiara alt genug war, wurde sie im Januar 2016 operiert. "Es war grausam, als sie in den OP-Saal geschoben wurde und nach uns rief", erinnert sich die Mutter. "Ohne meinen Mann hätte ich das nicht überstanden."

Mittlerweile lebt die Fünfjährige ein ganz normales Leben, hat die Startschwierigkeiten überwunden. Der große Halt ihrer Mutter allerdings, ihr Mann André, ist nicht mehr da. Knapp drei Wochen nach Lottes Geburt verstarb er - in der Nacht auf Gründonnerstag. "Nach der Geburt hatte er einige Tage Urlaub, ist dann in der letzten Märzwoche wieder auf Arbeit gegangen", erinnert sich Stefanie Lojewski.

Ihr Mann war bei einer Firma in Limbach-Oberfrohna als Produktionshelfer angestellt. "Er ist gern zur Arbeit gegangen", sagt seine Witwe. "Am jenem Abend vor Gründonnerstag hatte er Spätschicht, ist wie immer ganz normal nach Hause gekommen, hat mir noch ein Fläschchen für die Kleine fertiggemacht." Als die junge Mutter dann am nächsten Morgen ins Wohnzimmer kam, fand sie ihren Mann leblos vor. Die herbeigerufenen Sanitäter konnten nur noch den Tod feststellen.

Weil es das Gesetz so will, wurde auch die Polizei hinzugezogen, um Fremdeinwirkung auszuschließen. Der Leichnam wurde mitgenommen und untersucht, drei Tage später freigegeben, sodass die Familie bei der Bestattung Abschied nehmen konnte. "Fremdeinwirkung wurde ausgeschlossen. Aber woran mein Mann tatsächlich gestorben ist, weiß ich bis heute nicht - und ich will es auch gar nicht wissen", sagt Stefanie Lojewski. "Das bringt ihn auch nicht zurück."

Die ersten Tage nach dem Verlust habe sie nur funktioniert, sich irgendwie um die Kinder gekümmert, sagt die Oederanerin. "Mir ging es ganz schlecht, aber die drei sollten ja so wenig wie möglich mitbekommen", sagt sie. Unterstützung erhielt sie von ihrer Mutter, den Schwiegereltern und den Mitarbeitern des Oederaner Hospizes, die weiter in Kontakt mit ihr geblieben waren.

Bis heute hatte Stefanie Lojewski nie wirklich Zeit, die tragischen Verluste dieses Jahres zu verarbeiten. Und es stehen schon die nächsten Herausforderungen an. Denn erst kürzlich hatten sie und ihr Mann das Haus ihrer Tante und ihres Onkels gekauft, in dem sie seit einiger Zeit wohnen.

Aktuell sollte das völlig veraltete Bad saniert werden. "Dazu fehlen mir jetzt natürlich die Zeit und auch das Geld", sagt sie. Mit Spenden der Aktion "Leser helfen" oder Hilfe von Baufirmen soll nun wenigstens das Bad schön werden.

Einen weiteren Bericht zur "Leser helfen"-Aktion sowie den Spendencoupon finden Sie auf Seite 14. Im Internet erhalten Sie zudem zusätzliche Infos über aktuelle Spendenprojekte. Zugleich haben Sie die Möglichkeit, dort Ihre Spende direkt zu überweisen. Dafür bedanken wir uns herzlich! www.freiepresse.de/leserhelfen

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