Gegen das Vergessen: Tafel erinnert an Schachtunglück

Die Häuerglocke ertönte zum Gedenken an das Ereignis von 1880. Elf Bergleute verloren damals ihr Leben.

Freiberg.

Zehn Uhr am Samstagvormittag hat die Häuerglocke im Dachfirst des ehemaligen Treibehauses der Anlagen des Abrahamschachtes in Freiberg geläutet. Der Grund dafür war ein doppelter: Zum einen erklingt sie seit Jahren immer am letzten Tag im Februar. Jana Fritzsche und Mathias Weidenmüller, die 2006 die benachbarte Bergmannsschmiede übernahmen und als Wohnhaus sanierten, erinnern damit stets an das schwerste Grubenunglück im Freiberger Revier. Es riss am 29. Februar 1880 insgesamt elf Bergleute in den Tod, außerdem gab es zwei verletzte Bergleute. Eine Kette war damals gerissen, als die Männer zur Nachtschicht auf einem Fahrkunstgestänge einfuhren.

Dem Gedenken an jene Geschehnisse galt auch der zweite Grund des diesmaligen Läutens, denn in einem festlichen Akt wurde eine neue Tafel enthüllt, mit der die Erinnerung wachgehalten werden soll. "Aufmerksam auf das Unglück wurden wir, als während unserer Bauarbeiten an der Schmiede ein Nachfahre eines der Opfer von damals zu uns kam und uns davon erzählte", sagt Mathias Weidenmüller. Die Geschichte ließ beide nicht los, vor allem Jana Fritzsche beschäftigte sich weiter damit. Es ist ihnen wichtig, mit dem Glockenläuten jenes Unglück, welches sogar als schwerstes im Erzbergbau der Region gilt, im Gedächtnis der Menschen zu bewahren.

Die Häuerglocke selbst stammt aus dem Jahr 1540, wie Bernd Schieck vom Förderverein "Himmelfahrt Fundgrube" erzählt. "1994 haben wir sie wieder über dem Treibehaus aufgehängt", sagt er.

Die neue Tafel, aufgestellt am Aufgang zur ehemaligen Scheidebank, in der heute ein großes Antiquariat zu finden ist, ersetzt eine ältere, deren Inhalte zwar übernommen, aber außerdem um neue Erkenntnisse und vor allem die Namen der damals Verstorbenen ergänzt wurde. Zudem ziert sie das Logo des Unesco-Welterbes. "Die Genehmigung dafür haben wir kurz vor Schluss glücklicherweise bekommen", freut sich Erich Fritz, Vorsitzender des Fördervereins "Himmelfahrt Fundgrube". Gemeinsam mit Freibergs OB Sven Krüger und Rainer Bruha, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins, enthüllte er im Beisein von Mitgliedern der Freiberger Knappschaft und zahlreicher Gäste nun die Tafel.

Sven Krüger erinnerte vor allem an die Auswirkungen des Unglücks von 1880. Die Bergmänner hinterließen zehn Ehefrauen und 28 Kinder. "Der Stadtrat rief damals zu Spenden auf", erinnerte Krüger. "Und selbst König Albert von Sachsen gab 500 Reichsmark." Die Anteilnahme an den Beerdigungen sei so groß gewesen, dass man die Tore des Donatsfriedhofs habe schließen müssen. "Solch Mitgefühl und Unterstützung wünsche ich mir für unsere heutige Zeit", meinte das Stadtoberhaupt.

Rainer Bruha zitierte ein Gedicht, welches seinerzeit in der Zeitung abgedruckt worden war: "In dem Himmelfahrter Huthaus/tönet frommer Knappen Beten/die zum ernsten Tagewerke/Frischen Muts zusammentreten/Und hinauf zum Himmeldome/dringt die Bitte, dass behüte/Auf dem schreckbedrohten Wege/alle des Allvaters Güte."


Der Abrahamschacht

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein war der Abrahamschacht der Hauptschacht der Himmelfahrt Fundgrube. Dem Niedergang des Silberbergbaus folgte die Stilllegung 1913. Zu DDR-Zeiten war das Berg- und Hüttenkombinat "Albert Funk" für die Anlagen zuständig. Von Januar 1992 bis April 1993 war die Saxonia AG Metallhütten und Verarbeitungswerke Freiberg Eigentümer des Abrahamschachtes. Es folgte ein zweijähriges Intermezzo im Besitz des damaligen Landkreises, bevor der Förderverein "Himmelfahrt Fundgrube" bis Ende 2013 alles übernahm. Seit dem 1. Januar 2014 befindet sich die Anlage Abrahamschacht im Besitz der Saxonia Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft. ( wjo)


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