Hoffen auf ein Aufblühen

Um den Förderverein "Pro Freiberg" steht es ernst. Da würde ein Genie helfen, wie es am Theater im Mittelpunkt steht.

Ihren Optimismus lassen sich Walter Angermann, Günther Knauf und Peter Tost nicht nehmen. Sie sind Vorstandsmitglieder im Förderverein "Pro Freiberg", der in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag begeht und um dessen Fortbestand es ernst steht. In erster Linie wurde der Verein gegründet, um Spenden und Sponsorengelder zu sammeln, die zu großen Teilen Aktivitäten des Freiberger Fremdenverkehrsvereins zugutekommen. "Per Definition darf ein Fremdenverkehrsverein keine Gelder einwerben und keine Spendenquittungen ausstellen", sagt Knauf, der den Fremdenverkehrsverein nach der Wende in Freiberg reanimierte, wofür er als Arzt und Freund der Silberstadt prädestiniert war. Für dieses Engagement erhielt er 2003 den Bürgerpreis der Stadt, den er dem Förderverein spendete.

Peter Tost ist im Verein für die Kontakte zu den Unternehmen zuständig, von denen immer wieder gern gespendet wurde. Aus ihnen setzt sich der Förderkreis zusammen, dem momentan auf dem Papier jedenfalls 98 Mitglieder angehören. Als es 2005 bis 2008 darum ging, die drei Postmeilensäulen der Stadt zu sanieren, war die Begeisterung in der regionalen Wirtschaft groß. So stellte es kaum ein Problem dar, 22.000 Euro dafür zu sammeln. Auch die Restaurierung der Fürstengemälde, die noch nicht vollständig abgeschlossen ist, wurde gut unterstützt, ebenso der Einblick in die Stolln unter dem Untermarkt.

Mit dem Horndenkmal gibt es ein nicht weniger attraktives Sanierungsprojekt, das der Fremdenverkehrsverein mit der Stadt realisieren möchte. Doch Spenden gibt es dafür kaum. "2017 beobachteten wir einen signifikanten Rückgang der Gelder", sagt Walter Angermann, seit Gründung des Fördervereins dessen Vorsitzender. Peter Tost ergänzt: "In jedem Jahr hatten wir für den Förderkreis eine Veranstaltung. Zur letzten 2015 kamen gerade einmal drei Leute." Die Strukturen hätten sich stärker verändert, mutmaßen die drei Herren. "Früher kannte man sich untereinander", sagt Knauf. Mittlerweile wären viele Geschäftsführer im Ruhestand. Mit den neuen Kräften sei das dann so eine Sache. Doch ist das nicht das einzige Problem. "Wir drei haben alterstechnisch alle die 8 vorne", sagt der Vorsitzende. "Ich selbst war 67, als ich in den Verein eintrat. Und jetzt ist es 20 Jahre später." Es sei kein Nachwuchs in Sicht, bedauern alle drei. "Die Existenz des Fördervereins ist ernsthaft in Frage gestellt", sagt Peter Tost und meint damit auch das Fortbestehen des Fremdenverkehrsvereins. "Ich persönlich sehe auch die Stadt in der Pflicht", meint Günther Knauf. Zwar arbeite man beim Horndenkmal gut zusammen, doch fehle an vielen anderen Stellen, etwa was die Fenster des vom Fremdenverkehrsverein betreuten Petriturmes angeht, an Unterstützung. Aber vor allem was das Engagement der Bürger und der Wirtschaft Freibergs angeht, hoffe man auf ein Aufblühen früherer Zusammengehörigkeit. Ganz andere Gefühle hegen derzeit Anna Bittner, Robert Kapelle und Ralph Sählbrandt. Die drei Schauspieler bereiten sich auf die Premiere des Stücks "Amadeus" am Samstag vor, das Schauspieldirektorin Anett Wöhlert inszeniert. Robert Kapelle spielt das Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart, Ralph Sählbrandt seinen weniger begnadeten Widersacher Salieri und Anna Bittner Mozarts Frau Constanze.

Peter Shaffers dramatische Fiktion über die Beziehung von Mozart und Salieri kennen viele Zuschauer durch den Film "Amadeus"vonMilosForman. Natürlich kennen auch die drei Darsteller den mit acht Oscars ausgezeichneten Streifen. Anna Bittner hat ihn bisher einmal gesehen, "vor etwa zwei Jahren, als ich noch nicht wusste, dass wir ,Amadeus' spielen werden", sagt sie. Jetzt habe sie sich den Film absichtlich nicht noch mal angeschaut. "Denn ich will meine eigenen Fantasien einbringen und meine eigene Figur der Constanze finden", so Bittner.

Titelheld Robert Kapelle sah sich den Film "ganz am Anfang" der Proben dreimal an. Ralph Sählbrandt sagt: "Aufgrund meines biblischen Alters habe ich den Film schon mehrfach gesehen." 1987 wurde der Hollywoodstreifen auch in der DDR gezeigt. Sählbrandt erinnere sich noch genau daran, dass plötzlich alle Mozart-Platten ausverkauft waren, vor allem das Requiem.

Das Stück unterscheidesich deutlich vom Film, sagt der Salieri-Darsteller. "Wir versuchen, das Klischee von Gut und Böse rauszulassen - zumindest bis zur Pause." Im Mittelpunkt stünden Themen wie Zuneigung, Kollegialität, Neugier - und Mittelmäßigkeit. "Die Mittelmäßigkeit ist als Begriff stark belastet. Aber mittelmäßig sind wir alle", so Sählbrandt.

Und wenn ein Genie komme und neue Wege aufzeige, stehe die Frage: Wie gehen wir mit etwas völlig Neuem um? Gezeigt werde auch die Kraft der Musik, die die Völker verbindet. (hh )

Für die Premiere am Samstag ab 19.30Uhr sind noch Karten erhältlich. Anschließend gibt es eine Premierenfeier.

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