Hunderte Schlaglöcher im Dorf

In Helbigsdorf sind Krater in der Staatsstraße rot markiert worden. Zugleich besprühten Unbekannte ein Ortseingangsschild und Warnbaken. Auch anderswo wächst die Wut über die Buckelpisten.

Freiberg/Helbigsdorf.

Der Ärger über die Schlaglöcher nimmt neue Ausmaße an. Auf der Ortsdurchfahrt in Helbigsdorf fallen jetzt rot umrandete Schlaglöcher auf. Ein besprühter Flickenteppich gewissermaßen. Zudem hatten Unbekannte in der Nacht zum Freitag ein Ortseingangsschild und Warnbaken beschmiert - die Farbe ist allerdings schon wieder entfernt. Der Polizei liege dazu keine Anzeige vor, sagte Marcus Gerschler, Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit in der Polizeidirektion Chemnitz, am Dienstag auf Anfrage der "Freien Presse".

Die Wut über den Zustand der Staatsstraße 210 kommt nicht von ungefähr: In Helbigsdorf wird Autofahren zum gefährlichen Abenteuer. In dem Muldaer Ortsteil gibt es scheinbar mehr Schlaglöcher als Einwohner. Laut Katrin Weigold vom Ortsverein "Drei weiße Birken" Helbigsdorf klaffen hunderte Schlaglöcher mit einer Tiefe bis zu 20 Zentimetern auf den Straßen im Ort, der rund 360 Einwohner zählt.


Ihre Anregung für den Flickenteppich verrät schwarzen Humor - und Verzweiflung: "Da das lang ersehnte Heißmischgut für die durch den Winter arg geschädigten Straßen nach wie vor nicht zur Verfügung steht, bieten die sächsischen Gärtnereien derzeit Stiefmütterchen und Primeln als Alternativen an." Im Gegensatz zum tristen Asphaltschwarz stünden zahlreiche farbige Varianten von Gelb über Blau, Rosa und Rot bis hin zu Lila zur Verfügung", so die Freie-Wähler-Gemeinderätin. Für die "vorgefertigten Pflanzlöcher" würden Erde und vier bis fünf Pflanzen benötigt. Weigold: "Das bedeutet, dass für die Verschönerung der Helbigsdorfer Ortsdurchfahrt lediglich mit geschätzten Kosten im vierstelligen Bereich zu rechnen ist, was im Vergleich zu den meist sechs- bis siebenstelligen Beträgen für den Ausbau der Straßen doch durchaus sparsam wäre."

Allerdings sei das hohe Verkehrsaufkommen auf der Verbindung zur Bundesstraße 101/Großhartmannsdorf schlecht für die Haltbarkeit. Katrin Weigold: "Aber vielleicht muss die Straße aufgrund des äußerst desolaten Zustandes ohnehin in Kürze gesperrt werden, was einer deutlich längeren Lebensdauer der Pflanzaktion zugute käme."

Auch aus anderen Orten in der Region werden Winterschäden auf den Straßen gemeldet. So verweist Wolfram Fischer auf "die Kraterlandschaft von Schlaglöchern auf der Muldentalstraße zwischen Rechenberg und Holzhau". Seit fünf Jahren werde an der Instandsetzung der Zugangsstraße zum Skigebiet Holzhau herumgeplant, so der Holzhauer: "Dieses Jahr soll nun endlich der Ausbau beginnen, allerdings glauben wir hier erst daran, wenn die ersten Baumaschinen ihre Arbeit begonnen haben - nachdem wir hier jedes Jahr auf das nächste Jahr vertröstet wurden." Der Zustand erinnere ihn immer mehr an viele Erlebnisse mit schlechten Straßen in Entwicklungsländern in Afrika und sei ein negatives Aushängeschild für diesen Landkreis.

Jörg Meier aus Brand-Erbisdorf ärgert sich über die Talstraße im Stadtteil St. Michaelis. Speziell vor dem Haus Nummer 14 sehe es schlimm aus, urteilt der Bergstädter. Sein Kommentar: "Kein Wunder, denn es wird ja nur gespart. Vorbeugende Maßnahmen wie die Riss-Versiegelung zu DDR-Zeiten gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr."

Für Gerd Mittmann aus Dittersbach bei Frauenstein gehört die Staatsstraße 208 in seinem Ort zu den schwerer geschädigten Pisten im Landkreis. "Am Ortseingang von Burkersdorf her, in Höhe der Hausnummern 7, 10 und 46 sowie entlang der Kurve in Richtung Ölmühle und der Kreuzungsbereich mit der Nassauer Dorfstraße", zählt er die schlimmsten Stellen auf.

Im Landratsamt seien die Schadstellen bekannt, versichert Behördensprecher André Kaiser. Jede der sechs Straßenmeistereien sei mit zwei Fahrzeugen der mobilen Straßenaufsicht in ihrem Revier unterwegs und kenne "daher sehr aktuell die entsprechenden Schadenslagen auf den einzelnen Abschnitten". Wann die dauerhafte und langlebige Schadensbeseitigung beginne, könne er aber noch nicht sagen: "Dies ist von der Witterung abhängig - wir brauchen dauerhafte Plusgrade, damit der heiße Asphalt hält."

Schlaglöcher gesucht: Schreiben Sie uns, wo der Winter besonders große Schäden hinterlassen hat - per E-Mail an:

red.freiberg@freiepresse.de

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...