Im "Sonnenland" beginnt der Trubel

In die Brand-Erbisdorfer Kita an der Jahnstraße ziehen nach der Sanierung wieder die Kinder ein. Die "Lebenshilfe" als Träger will noch familienfreundlicher werden - bislang fehlt dafür das grüne Licht von Behörden.

Brand-Erbisdorf.

Wenn in der Kindertagesstätte "Sonnenland" in Brand-Erbisdorf ab Montag wieder die Mädchen und Jungen aus- und eingehen, soll das unter einem besonderen Vorzeichen geschehen: Die zum Verein "Lebenshilfe" gehörende Einrichtung an der Jahnstraße will ihre Öffnungszeiten verlängern. Im Klartext: "Wenn die Eltern es wünschen, möchten wir von 5.30 bis 19 Uhr eine Kinderbetreuung anbieten", erklärt Diana Richter.

Damit sei jedoch nicht gemeint, dass die Kinder weitaus mehr Zeit in der Kita verbringen. "Wir wollen eine familiengerechte Betreuung anbieten", fasst es die stellvertretende Geschäftsführerin der "Lebenshilfe" zusammen. Die Verantwortlichen denken vor allem an jene Eltern, die im Schichtsystem arbeiten. "So könnten die Kinder auch erst mittags in die Einrichtung kommen, und der Vormittag gehört der Familie", erläutert Diana Richter. Dazu will die Tagesstätte ihre Struktur für die Kinder anpassen. "Das pädagogische Angebot, das morgens bei uns stattfindet, gibt es nachmittags noch einmal -für die Kinder, die erst mittags kommen", erläutert Kerstin Albert. Nach den Worten der Leiterin der Kita "Sonnenland" soll für die Nachmittagskinder dann auch ein Abendessen zur Verfügung stehen. Den Bedarf für verlängerte Öffnungszeiten sehen beide Frauen bestätigt. "Wir haben in den Lebenshilfe-Kitas ,Sonnenland' und ,Buratino' zusammen etwa 30 Eltern, die im Schichtsystem arbeiten. Ihnen kämen wir entgegen", sagt Diana Richter. Die Stadt Brand-Erbisdorf befürwortete den Antrag der "Lebenshilfe", wie es gestern aus der Verwaltung hieß. "Das liegt uns auch schriftlich vor", sagt die die stellvertretende Geschäftsführerin.

Das Landratsamt Mittelsachsen jedoch hat eine andere Auffassung. "Da möglicherweise ein erhöhter Personalbedarf in den Kitas, höhere Betriebskosten, Elterbeiträge und damit auch höhere Kosten für den Landkreis anfallen könnten, gibt es dazu kein Einvernehmen", gibt Diana Richter die Antwort der Behörde wieder. Diese will sich laut einer Kreissprecherin heute dazu äußern.

Die Bedenken des Landkreises seien aus Sicht des Trägervereins falsch. "Das ist eine Frage der Struktur. Wir setzen die Erzieherinnen bedarfsgerecht nach den anwesenden Kindern ein, und so erfolgt auch die Abrechnung", erklärt Diana Richter. Der Betreuungsschlüssel bilde dabei die Grundlage. Er liegt in Sachsen bei 12 Kindergartenkindern und 5Krippenkindern je Erzieherin.

Die "Lebenshilfe" hat laut Diana Richter Zusage und Ablehnung zum Öffnungszeiten-Vorschlag an das Landesjugendamt weitergeleitet. "Eine Entscheidung von dort steht seit längerem aus - wir hoffen auf eine positive", so die "Lebenshilfe"-Vertreterin. Bis die Entscheidung fällt, bleibt in der Kita "Sonnenland" alles wie bisher bei den Öffnungszeiten von derzeit 6 bis 16.30 Uhr.

Aber das Haus selbst öffnet nun nach einer kompletten Sanierung ab Montag wieder. Zwischen Juni 2017 und August 2018 wurde an der Jahnstraße gebaut - etwa 980.000 Euro investierte die "Lebenshilfe" in die beiden Gebäudeteile der Kindereinrichtung. So entstanden zwei neue Rettungswege, das gesamte Brandschutzkonzept wurde überarbeitet. Sanitäranlagen, Heizung und Elektrik sind neu, auch ein neues Dach erhielt das Gebäude. Helle, farbenfroh gestrichene Räume erwarten die Kinder, die während der Sanierung in der Kita "Buratino" in St. Michaelis betreut wurden. Nun nehmen sie das "Sonnenland" wieder in Besitz. Insgesamt 60 Plätze für Kindergarten- und Krippenkinder umfasst die integrative Einrichtung.

Der andere Gebäudeteil, er wurde ebenfalls saniert, steht noch leer. Dort will die "Lebenshilfe" eine Tagespflege für Senioren mit 20 Plätzen aufbauen. "Wir arbeiten am Konzept", sagt Diana Richter.

Tag der offenen Tür: Diesen Samstag von 10 bis 16 Uhr sind Groß und Klein eingeladen, sich im "Sonnenland" umzuschauen. Angebote für die Kinder gibt es. Die Erwachsenen können mit den Erzieherinnen ins Gespräch kommen. Die Versorgung wird abgesichert, so die "Lebenshilfe".


Kommentar: Falsche Frage

Es ist der bekannte Zwiespalt: Wie bekommen Eltern ihren Job und die Familie unter einen Hut? Die Arbeitszeit nach dem Tag in Kita und Hort auszurichten, das ist nicht allen Müttern und Vätern möglich. Und Großeltern können auch nicht immer die Betreuung übernehmen, wenn der Arbeitstag der Eltern 16.30 Uhr noch nicht zu Ende ist.

Die "Lebenshilfe" will Eltern unter die Arme greifen. Denn nicht nur in der Produktion, auch in Dienstleistungsunternehmen, im medizinischen Bereich und anderen Zweigen nimmt die Schichtarbeit zu. In der Kinderbetreuung ist also Familienfreundlichkeit gefragt. Das Konzept steht, doch damit findet die "Lebenshilfe" nicht nur Befürworter.

Kaum zu glauben, dass angesichts sprudelnder Steuereinnahmen zuerst immer noch die Kostenfrage gestellt wird - so im Landkreis. Es ist die falsche Frage in Bezug auf Kinderbetreuung. Schließlich ist Familie oberstes Gut und jeder Vorstoß, sie zu stärken, braucht Unterstützung - auch von Behörden.

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