"Jeden Tag verfüttern wir fast zwei Kilo Brei"

Die Freiberger Drillinge Elmar, Helen und Clara haben ihren ersten Geburtstag gefeiert. Demnächst besuchen sie die Krippe. Denn ab Juni will Anke Schulz wieder voll in den Beruf einsteigen.

Freiberg.

Nicht nur Drillingsgeburten sind in Mittelsachsen besonders - auch die Verpflegung einer Familie mit Drillingen. In den Einkaufswagen von Anke Schulz (31) kommt alles im XXL-Format: 10 Kilo Kartoffeln, 3Kilo Möhren, 4 Kilo Äpfel, dazu Bananen, Birnen, Haferflocken und mehr. "Jeden Tag verfüttern wir fast zwei Kilo Brei", sagt die Drillingsmutter aus Freiberg lachend. Alle paar Tage kochen sie und Papa Erik Franke (31) Mittags-, Nachmittags- und Abendbrei auf Vorrat. Einfrieren? "Brauchen wir nicht. Das ist so schnell alle!", sagt die Mutter. Am 18. April 2018 hat sie ihre Kinder Elmar, Helen und Clara zur Welt gebracht. Seitdem ist alles XXL - Milchpulverpackungen, die Wäscheberge, die Verantwortung. Zum ersten Geburtstag haben es sich die Eltern praktisch gewünscht: Drei Töpfchen und drei Hochstühle haben die Kinder von den Großeltern bekommen.

Die Drei sind sehr mobil und neugierig. Waschmaschine ausräumen, in den Geschirrspüler klettern, Steckdosen inspizieren - als Sicherheitsingenieur hat Erik die Wohnung längst kindersicher gemacht. Im Moment hat er noch einmal Elternzeit. Anke und er genießen die Tage und dass sie sich in den Turbo-Alltag reinteilen können. Gegen 6.30 Uhr wird Clara als erste wach. Gegen 22 Uhr ist der oder die letzte im Bett. Dazwischen heißt es füttern, waschen, wickeln, anziehen, spielen, füttern, wickeln, schlafen, spielen, raus an die frische Luft, füttern, wickeln, spielen, füttern, wickeln, Zähne putzen und ab in die Betten. "Langsam wird es Zeit, dass sie in die Kinderkrippe gehen", sagt Anke. "Die Drei krabbeln und turnen überall rum, und meiner Kreativität, wie ich sie beschäftigen kann, sind Grenzen gesetzt", meint die Mutter. Außerdem freue sie sich, mal wieder was anderes zu machen und arbeiten zu gehen. Ab Mai gewöhnen sich Elmar, Helen und Clara in der Kinderkrippe ein. Ab Juni gehen der Ingenieur und die stellvertretende Pflegedienstleiterin wieder arbeiten - Vollzeit, so der Plan. "Wenn die Kinder 7.30 Uhr in der Krippe sein sollen, stehen wir 5Uhr, die Kinder 6 Uhr auf. Dann sollten wir es schaffen", schätzt Anke. Je nachdem, ob sie Früh- oder Spätschicht hat, kümmert sie sich abends oder morgens um ihr Trio. Erik übernimmt den anderen Part. "Wir probieren, wie lange wir das durchhalten", sagt Anke. Großeltern und Freunde, aber auch die ehrenamtlichen Familienpatinnen Steffie Wolf und Helga Andel vom Kinderschutzbund bieten Hilfe an.


Pause machen, abschalten, Muße tun? "Ausruhen, das machen wir nachts in den sechs Stunden, die uns bleiben", erzählt Anke. "Wir haben früh Abstand genommen, tagsüber was für uns selbst zu machen. Es fällt uns abends auf die Füße, tagsüber gelümmelt zu haben", sagt sie. Ihr Tagesablauf ist optimiert, routiniert. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wenn eines der Kinder schreit, hat Anke Schnuller an der immer gleichen Stelle liegen. Wenn die Patin zu Besuch kommt, stehen Hausschuhe bereit. Wenn auf dem Boden verkleckert ist, wischt es Anke gleich weg - bevor die Kinder drüber krabbeln und sie noch mehr zu waschen hat. Einkaufen haben die Eltern in die späten Abendstunden verlegt. Wenn zu Hause Ruhe einkehrt, zieht einer los zum XXL-Einkauf. Auf die Frage, was sie tun würden, wenn jeder zwei Stunden Zeit geschenkt bekäme, in denen absolut nichts zu tun wäre und die Kinder betreut sind, überlegen beide. "Ich würde mich bei Leuten melden und meine Osterpost beantworten. Oder schwimmen gehen!", sagt Anke. "Ich würde mein Fahrrad schnappen und eine Runde drehen", sagt Erik. Demnächst will er zumindest einmal pro Woche wieder zum Feuerwehrdienst gehen.


Ministerpräsident setzt sich für Mehrlingsfamilien ein

Elterngeld wird gezahlt, um einen Ausgleich für den Verdienstausfall zu schaffen, in der Zeit, in der Eltern ihre Kinder in den ersten Lebensmonaten betreuen und erziehen. Auch für Mehrlingsgeburten wird daher nur einmal Elterngeld gezahlt, erklärt Daniela Sting vom Bundesfamilienministerium. Die Eltern von Mehrlingen bekommen pro Kind einen Zuschlag.

Überlegungen, die Regelung so zu ändern, dass es Elterngeld nicht pro Geburt, sondern pro bei der Geburt geborenem Kind gibt, gebe es nicht. Sting erklärt: Dies war vorübergehend der Fall und wurde bewusst geändert, weil es insbesondere bei Mehrlingsgeburten mit mehr als zwei Kindern zu unverhältnismäßig hohen Elterngeldzahlungen kam.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Ehrenpatenschaft für etliche sächsische Drillinge inne.Aufgrund einer Anregung beim 10. Drillingstreffen im Herbst 2018 in Dresden hat er das sächsische Sozialministerium gebeten, den Vorschlag zur Ausweitung der Anspruchsdauer von Elterngeld für Mehrlingsfamilien zu prüfen. Diese Sonderregelung soll mit der vom Bund im laufenden Jahr geplanten, umfassenden Reform des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes thematisiert werden, heißt es aus der Staatskanzlei. (cor)

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