Johannis-Kita wird doch nicht abgerissen

Das Rathaus rudert zurück: Die Tagesstätte in der Freiberger Bahnhofsvorstadt soll wohl nun doch an ihrem Platz bleiben. Und das Viertel könnte sogar noch eine weitere Kita bekommen.

Dorothea Schönherr aus Freiberg hat drei Kinder. Ihr ältestes, eine Tochter, hat den Evangelischen Kindergarten "St. Johannis" am Roten Weg besucht. Derzeit wird ihr mittlerer Sohn dort betreut. "Das ist eine tolle Einrichtung", sagt sie. "Sie ist nicht sehr groß. Das ist mir sehr wichtig." Entsprechend engagiert sie sich gern im Elternrat. Und entsprechend, so steht es für sie fest, wird auch die Jüngste am "Roten Weg" angemeldet. Umso unerwarteter traf sie die beim jüngsten Stadtrat bekannt gewordene Nachricht, dass die Stadt Fördermittel für den Abriss und Neubau der Kindertagesstätte beantragt hat.

Auch der Träger, die Kirchgemeinde St. Petri/St. Johannis, wurde von der Neuigkeit kalt erwischt. Einen Tag vor der Stadtratssitzung war Pfarrer Michael Tetzner von der Verwaltung informiert worden, dass das Gebäude zur Disposition steht. Für eine Information an die Eltern vor der Stadtratssitzung war es zu spät.

Doch nun kommuniziert die Stadtverwaltung einen Sinneswandel. Die Stadt Freiberg rechnet bis 2025 mit steigenden Kinderzahlen und braucht jeden Betreuungsplatz, sagte Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD). "Derzeit steht die Kita nicht infrage", versicherte der OB wörtlich der "Freien Presse". Dass dies beim Träger anders angekommen ist, sei auf unglückliche Kommunikation der Verwaltung zurückzuführen, räumte Krüger ein. Bei der Erarbeitung des Fördermittelantrags zur Finanzierung der Idee habe Zeitdruck geherrscht, gleichzeitig sei er persönlich mehrere Wochen krank gewesen.

Statt dass die evangelische Kita einen neuen Standort bekommt, soll also die Bahnhofsvorstadt möglichst eine zusätzliche Kita bekommen, so Krüger. Denn laut Bedarfsprognose des Landkreises seien in der Stadt Betreuungsplätze knapp - und die Situation könnte sich noch zuspitzen. Derzeit sind 57Kinder nicht versorgt, davon 45Krippenkinder, 10 ab zwei Jahren sowie zwei Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren. Verschiedene Prognosen sagen für die kommenden Jahre eine Unterversorgung zwischen 40 und rund 200 Plätzen voraus. Außerdem entwickle sich die Bahnhofsvorstadt aktuell positiv.

Dass es noch keine hundertprozentige Garantie für den Fortbestand der Kita am Roten Weg gibt, hängt laut Krüger mit dem Förderprogramm "Soziale Stadt" zusammen, über das der neue Kindergarten finanziert werden soll. Da dieses Programm die Aufwertung von Stadtvierteln zum Ziel hat, sei ein bloßer Neubau nicht förderfähig. "Ein Neubau muss mit einer Ordnungsmaßnahme verbunden sein", so der OB. Sprich: Es muss auch eine Brache verschwinden.

Für die neue Kita hat die Stadt zwei Standorte im Blick. Einen an der Friedrich-Olbricht- und einen an der Berthelsdorfer Straße. Die Verwaltung favorisiert die Berthelsdorfer Straße, so Krüger. Wo genau, das wollte er noch nicht verraten. Verhandlungen mit den Eigentümern stünden kurz vorm Abschluss. Werden beide Seiten einig, so Krüger, dann müssten auf dem Grundstück Gebäude abgerissen werden, die Voraussetzung für die Förderung über "Soziale Stadt" sei erfüllt. Würde der Kauf des Grundstücks Berthelsdorfer Straße aber nicht zustande kommen und die Friedrich- Olbricht-Straße in den Blick rücken, müsse man neu nachdenken.

Um den Bedarf an Betreuungsplätzen zu erfüllen, will die Stadt darüber hinaus eine weitere, innenstadtnahe Kita bauen. Auch dafür wollte Krüger den Ort noch nicht nennen und verwies auf Gespräche mit derzeitigen Eigentümern. Bis 2020 aber, so das Ziel, sollten beide neuen Einrichtungen stehen.

Zufrieden äußerte sich Pfarrer Tetzner über die neue Entwicklung. Auch Dorothea Schönherr vernahm die Botschaft mit Genugtuung: "Ich bin sehr erleichtert." 2021 kommt der Jüngste in die Schule. Solange, hofft sie, wird es die Kita am Roten Weg noch geben.

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