Kirchgemeinden neu geordnet

Per Unterschrift wurden am Pfingstmontag aus 15 evangelischen Kirch- gemeinden sechs. Ein historischer Moment - darin waren sich alle einig.

Freiberg.

Das Pfingstfest gilt gemeinhin als die Geburtsstunde der christlichen Kirche. Nach Tod und Auferstehung erschien Jesus seinen Jüngern noch einmal und ließ sie den Heiligen Geist erleben. Damit flößte er ihnen nach der Überlieferung den Mut ein, das Wort Gottes zu verbreiten, in die Welt hinaus zu gehen.

Es ist nicht verwunderlich, dass zu einer solch symbolträchtigen Gelegenheit eine weitere Geburtsstunde stattgefunden hat. Am Pfingstmontag wurde im Anschluss an einen ökumenischen Gottesdienst im Freiberger Dom St. Marien in der Annenkapelle ein Papier unterzeichnet, welches künftig die Aufgliederung der Kirchgemeinden der Region neu regelt (siehe Grafik). Die Vertreter von 15 Gemeinden setzten ihre Unterschrift unter eine Vereinbarung, die im Laufe von fast genau zwei Jahren erarbeitet wurde. Am 13. Juni 2017 habe man sich zum ersten Mal zusammengefunden, um dieses Projekt in Angriff zu nehmen. "Ich erinnere mich noch an die Atmosphäre, die damals herrschte", so Lüder Laskowski, Pfarrer der Kirchgemeinde Großschirma und Vorsitzender der Kirchenbezirkssynode. Es habe eine aufmerksame, aber gereizte Stimmung geherrscht. Beim elften und bislang letzten Treffen sei dies ganz anders gewesen, Erleichterung und Freude hing im Raum.


Zur Unterzeichnung waren sich nun alle einig, dass es sich dabei um einen historischen Schritt handele. "Wir reagieren damit darauf, dass alle unserer bisherigen Modelle nicht mehr passen", sagt Urs Ebenauer, Pfarrer am Freiberger Dom St. Marien, und verweist auf entsprechende Studien, die einen weiteren Rückgang der Gemeindemitgliederzahlen prognostizieren. Unter dem Dach des neu geschaffenen Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeindebundes Freiberg finden sich nun rund 11.000 Gläubige. Doch die Tendenz ist sinkend.

"Es wäre fatal, darauf nicht zu reagieren", ist sich Ebenauer sicher. "Wir haben nun ein Modell gefunden, welches auch langfristig trägt." Dabei soll all das, was in den Gemeinden vor Ort bestens funktioniert auch weiterhin von dort aus getan werden. "Aber was gemeinsam besser geht, das tun wir nun zusammen." 18 Mal musste dafür jeder der Anwesenden bei der Vertragsunterzeichnung sein Signum setzen. Neben jeder der bisherigen 15 Gemeinden geht je ein Exemplar an die Superintendantur, an das Landes- und das Regionalkirchenamt. Hiltrud Anacker, seit dem 1. Juni neue Superintendentin des Kirchenbezirkes Freiberg, verfolgte die Zeremonie gemeinsam mit zahlreichen Gästen. "Ich freue mich, dass man sich geeinigt hat", sagte sie. "Alles war sehr gut vorbereitet, nun muss die inhaltliche Arbeit folgen."

Schon in dem Gottesdienst zuvor war das Thema Zusammenhalt allgegenwärtig. Urs Ebenauer etwa demonstrierte ein Gleichnis, indem er einzelne Bleistifte leicht zerbrach, wohingegen alle zusammen standhielten. "Das war auf die Ökumene und den Zusammenhalt der Kirchen gemünzt, aber durchaus auch für die neuen Kirchgemeinden zu verstehen", sagte er. Das Kirchenschiff war zu dieser Gelegenheit sehr gut gefüllt, doch war es vor allem die Generation der Großeltern, die auf den Bänken Platz genommen hatte. Schon in der Elterngeneration waren nur wenige zu finden, ganz zu schweigen von noch jüngeren. Die Entwicklung, auf die mit der Neuordnung reagiert wird, verdeutlichte sich, als die anwesenden Kinder gebeten wurden, zu einem Kindergottesdienst zu gehen und nur fünf dieser Einladung folgten.

Mit der Unterzeichnung ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Am 21. August soll es dann um die Personalfrage in den neuen Gemeinden gehen.

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