Kleider aus den 50ern wieder angesagt

Anke Beger schneidert Petticoat-Modelle. Was einst für den Eigenbedarf gedacht war, ist ein Geschäft geworden. Mehr als 1000 Stück hat sie inzwischen genäht.

Freiberg.

Der kleine Raum im Haus von Anke Beger ist voller Kleider. Dicht an dicht hängen sie hier in allen Größen. An einigen Schaufensterpuppen kann man sehen, wie sie wirken, wenn man sie trägt. All diese Stücke haben gemeinsam etwas Besonderes. Denn sie sind nicht nach der neuesten Mode geschneidert, sondern scheinen aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen - deren Lebensgefühl aber noch sehr lebendig ist. Es sind Petticoat-Kleider, wie sie vor allem in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts schwer in Mode waren.

Anke Beger stellt diese Kleider heute in Freiberg her, orientiert sich dabei an den Vorlagen der Vergangenheit, verleiht ihren Kreationen einen sehr individuellen und der heutigen Zeit entgegenkommenden Pfiff. "Ich lege vor allem Wert auf ausgefallene, qualitätsvolle Stoffe mit modernen Designs", sagt sie. "Damit es nicht nur Punkte auf einem farbigen Untergrund sind."


Was sie darunter versteht, wird klar, wenn man das Kleid betrachtet, das sie selber trägt. Der Schnitt ist raffiniert, und auf dem Stoff sieht man Gesichter und Lippen. Gelernt hat die Frau mit dem einnehmenden Lächeln das Schneiderhandwerk allerdings nicht von der Pike auf. "Ich bin ausgebildete Krankenschwester", erzählt sie. Auch habe sie in ihrer Vergangenheit nicht unbedingt eine Leidenschaft für Rock 'n' Roll oder Boogie gehabt.

Doch lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, der Mitglied der Crazy Sweet Family ist. DieShowtanzgruppe hat sich ganz der Musik, dem Tanz und dem Gefühl der1950er-Jahre verschrieben und deren Können kann man bei vielen Gelegenheiten auf der Bühne bestaunen. "Natürlich habe ich schon immer gern getanzt", sagt Anke Beger. Doch in einen Petticoat schlüpfte sie erst im Jahr 2000, als sie ihrem Partner in die Crazy Sweet Family folgte.

Was aber nur schwer zu bekommen war, das waren die Kleider. Und so beschloss Anke Beger, sich selbst eines anzufertigen. "Meine Tante war Schneiderin und ich habe mir viel von ihr abgeschaut", erzählt sie. "Ich dachte mir: Das schaffst du auch." Und es gelang.

Einfach nur vorhandene Schnittmuster abarbeiten, genügte Anke Beger aber nicht. Und so brachte sie immer mehr ihre eigene Note ein. Das machte nicht nur bei den Mitstreitern in der Tanzgruppe Eindruck.

Die Nachfrage wuchs. Seit etwa 2007 bietet sie ihre Kreationen über das Internet an. Unter www.petticoatkleid.de nehmen die Kunden Kontakt auf, geben ihre Wünsche und Maße zu Protokoll und lösen die Bestellung aus. Eine Beratung gibt Anke Beger telefonisch nach Wunsch. Derzeit beträgt die Lieferzeit rund 14Tage, doch variiert das je nach Auftragslage. Zum Kleid fertigt sie noch den passenden Petticoat, jenes Unterkleid, das dem Ensemble zusätzlich das Unverwechselbare verleiht.

Hauptsächlich fertigt sie für Mitglieder von Tanzvereinigungen, die sich interessanterweise vor allem aus den alten Bundesländern bei ihr melden. Aber auch für Karnevalsgruppen schneidert sie. Schwierigstes Modell war einmal eine Anfertigung für ein Theater. "Da musste der Petticoat vierlagig sein", erinnert sich Anke Beger. "Man setzt dabei immer wieder auf und muss sehr langsam nähen."

Dass der Petticoat und mit ihm das Gefühl jener mehr als 60 Jahre zurückliegenden Zeit, noch sehr lebendig ist, zeigen die Anlässe, für die sie arbeitet. Ob Hochzeiten, Geburtstagsevents, Abiball, Jugendweihe, Schulanfang - das Petticoatkleid ist wieder angesagt, und das nicht nur in Deutschland.

Anke Beger verschickte schon nach Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Ungarn und Frankreich. Weit mehr als 1000 solcher Kleider, egal ob für Kinder oder Erwachsene, entstanden in ihrer kleinen Werkstatt. Die Freude an der Arbeit merkt man Anke Beger an. Sie schafft nicht nur ein Kleidungsstück, sondern gibt damit außerdem ein Stück Lebensgefühl.

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