Klinik-Azubis übernehmen das Ruder

Am Freiberger Kreiskrankenhaus ist das Projekt bereits eine gute Tradition. Angehende Gesundheits- und Krankenpflegerinnen leiten für zwei Wochen eine Station. Eine von ihnen bekommt dabei besondere Verantwortung.

Freiberg.

Linda Schreckenbach ist die Chefin. Zum ersten Mal in ihrem Leben. Zwar nur für zwei Wochen, aber das ändert nichts an der damit verbundenen Verantwortung.

Das Besondere: Linda ist erst 22Jahre alt und Gesundheits- und Krankenpflegeschülerin im dritten Lehrjahr am Kreiskrankenhaus Freiberg. Gemeinsam mit 16 weiteren Azubis, teilweise aus dem zweiten Lehrjahr und einige von ihnen aus der Klinik am Tharandter Wald in Hetzdorf, hat sie für zwei Wochen die geriatrische Abteilung der Gesundheitseinrichtung übernommen. Da eine Person dabei den Hut aufhaben muss, wurde Linda Schreckenbach von allen anderen zur Chefin gewählt.


Bis Freitag dauert das Projekt, das schon traditionell am Kreiskrankenhaus stattfindet. "Wir arbeiten dabei ganz normal in drei Schichten", erzählt die junge Frau. "Insgesamt gibt es hier zwölf Zimmer, auf denen maximal 30 Patienten liegen können." Die Schüler betreuen im Tandem jeweils zehn Patienten in ihrer Schicht. "Der Tag beginnt ganz normal mit der Grundpflege, dann gibt es Frühstück", erzählt Linda Schreckenbach. "Wir gehen bei der Visite mit, schauen die Kurven durch, messen Blutdruck, bereiten Medikamente vor oder entnehmen Blut." Ganz allein sind sie dabei allerdings nicht. Eine examinierte Fachkraft ist stets in der Nähe.

Ungewohnt sei das alles schon, gesteht Linda Schreckenbach, besonders für sie in der ihr zugekommenen Position. "Ich habe so etwas noch nie gemacht, Anweisungen zu geben", gesteht sie. "Das Projekt ist schon eine Herausforderung, auch einmal aus sich herauszukommen." Als besonders angenehm empfindet sie es, endlich einmal mit den anderen Schülern zusammenzuarbeiten. Sonst sei man ja über die verschiedenen Stationen im Haus verstreut. Die geriatrische Abteilung bringt noch den Vorteil mit sich, dass man hier auch einmal mit Physio- oder Ergotherapeuten in Berührung komme, die man sonst ja nicht kennen lerne. Von deren Wissen würden die Auszubildenden allerhand mitnehmen.

Ganz stolperfrei funktionierte die Aktion am Anfang nicht. "Wir dachten, wir passen uns einfach den Abläufen auf der Station an", erzählt Linda Schreckenberg. "Doch das führte ganz schnell zu Kommunikationsproblemen." Den eigenen Ablauf finden, ohne dass es zu Lasten der Patienten geht, sei eine der Aufgaben.

Praxisanleiterin Cornelia Metge und Trainee Sandra Böhme, eine examinierte Fachkraft, sind zufrieden mit dem, was die Schüler leisten. "Die Prüfungen der dritten Lehrjahre sind vorbei und sie können ganz ohne Last auf den Schultern die Aufgaben angehen",sagt Cornelia Metge. "Und deren Energie überträgt sich spürbar auf das zweite Lehrjahr." Es hätte auch schon Jahre gegeben, da sei das Projekt "eine regelrechte Katastrophe gewesen". Das hänge laut der Praxisanleiterin auch damit zusammen, auf welcher Station die Schüler zum Einsatz kommen.

Diesmal jedoch sei es sehr harmonisch gelaufen, betont Metge. Was ihrer Meinung nach auch bedeutet, dass die Hierarchien stimmen und mit Linda Schreckenberg wohl die richtige den Chefposten erhalten hat. Nicht zu vergessen die Patienten, die selber neugierig genug auf die jungen Menschen waren und sich über die Abwechslung freuten.

Linda Schreckenberg wird nach dem Ende ihrer Lehrzeit ab September weiter im Kreiskrankenhaus Freiberg tätig sein - dann allerdings in der Klinik für Urologie. Die Erfahrungen, die sie und ihre Mitstreiter in diesen vergangenen zwei Wochen gemacht haben, werden ihr dabei sicherlich sehr nützlich sein.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...