Netzausbau: Landkreis erntet Kritik

Breitband-Konferenz: Rathauschefs enttäuscht

Freiberg/Döbeln.

Ein Glasfasernetz wird künftig so wichtig sein wie die Trinkwasserleitung - in dieser Ansicht fühlt sich Lothar Hofmeister nach der Breitband-Konferenz des Landkreises am Dienstag bestärkt. Das Treffen in Döbeln habe dazu gedient, so der Vertreter der Stadt Oederan weiter, auch die Kommunen zu motivieren, die sich bisher beim schnellen Internet zurückgehalten haben: "Uns hat die Konferenz nicht so viel gebracht, wir sind schon weiter." In Oederan laufen die Ausschreibungen für den Netzausbau, der mit gut 20 Millionen Euro veranschlagt ist.

Oberschönas Bürgermeister Rico Gerhardt (CDU) wird noch deutlicher: "Das kommt alles viel zu spät. Der Arbeitsstand in den Kommunen ist inzwischen so unterschiedlich, dass das kaum noch unter einen Hut zu bringen ist." Seine Gemeinde beispielsweise habe ihre Antennenanlagen an eine private Firma vergeben, die über diese Kabel den Datentransfer aufbaue.

Auch sein Amtskollege aus Halsbrücke bekennt, dass sich insbesondere die kleinen Gemeinden in Mittelsachsen schon viel früher Unterstützung durch die Landkreisverwaltung beim Breitbandausbau erhofft hätten. "Jetzt wird denen geholfen, die abgewartet haben", urteilt Andreas Beger (CDU).

Kritik gibt es auch vom Grünen-Landtagsabgeordneten Wolfram Günther: "Es wurmt mich richtig, dass der Landkreis beim Breitbandausbau jahrelang nichts unternommen hat." Die Grünen hätten schon vor Jahren gefordert, dass der Landkreis den Breitbandausbau koordinieren müsse: "Jetzt ist der Landrat gefordert, den verursachten Investitionsstau schneller als andere Landkreise nachzuarbeiten."

Vize-Landrat Lothar Beier (CDU) hatte dazu erklärt, dass erst jetzt Fördermittel für einen Breitband-Koordinator bereitstünden. Die Funktion übt Mattias Borm aus, der sich in Döbeln vorstellte. Wie Cornelia Kluge vom Landratsamt ergänzt, sei die Breitbandförderung inzwischen vereinfacht und so verbessert worden, dass ein flächendeckender Ausbau verfolgt werden könne. So sei auch eine Übernahme oder Kompensation der Eigenanteile der Kommunen geplant. Das sei in Döbeln vom Breitbandkompetenzzentrum Sachsen und dem Bundes-Büro "atene KOM" aufgezeigt worden. Der Landkreis werde Datenerhebungen, Beratungsleistungen und Projektrealisierung arbeitsteilig steuern und koordinieren. Als Nahziel des Kreises nennt die Pressesprecherin eine flächendeckende Versorgung mit Internetanschlüssen bis mindestens 100 Megabit pro Sekunde. (jan)

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