Neue Hoffnung für Hilbersdorf

Ein Batteriehersteller soll sich für die einstige Waferfabrik des insolventen Photovoltaik-Konzerns interessieren. Der Komplex ist fast 42.000 Quadratmeter groß und sehr gut erschlossen. Im Saxonia-Gelände entsteht schon Neues.

Freiberg/Hilbersdorf.

Die riesige Produktionsanlage in Hilbersdorf war der Stolz der ehemaligen Solarworld, die im Mai vergangenen Jahres ein Insolvenzverfahren beantragt hat. Auf knapp 42.000 Quadratmetern saßen dort nicht nur Produktion und Verwaltung, auch die Logistik wurde hier vorangetrieben.

Die Zeiten sind lange vorbei: Die Anlagen stehen still, hergestellt wird hier nichts mehr. Solarworld Industries sucht seit mehreren Monaten einen Käufer. Für 56 Millionen Euro wurde die Immobilie bei einem bekannten Online-Portal angeboten. Und der Druck, sich der verwaisten Hallen zu entledigen, ist durch die neuerliche Insolvenz nicht kleiner geworden.

Seit Kurzem kursieren aber Meldungen, dass sich in dieser Angelegenheit etwas tun könnte. Nach Informationen der "Freien Presse" soll sich ein Batteriehersteller für das Areal interessieren.

Dass gerade ein Batteriehersteller Gefallen an der Solarworld-Liegenschaft finden könnte, verwundert nicht. Die Branche gilt aufgrund der steigenden Bedeutung der Elektromobilität als weltweiter Wachstumsmarkt. Daimler baut gerade einen zweite Batteriefabrik in Kamenz. Und auch asiatische Hersteller orientieren sich nach Europa. Anfang des Monats hat das chinesische Unternehmen Contemporary Amperex Technology Ltd. angekündigt, sein erstes Werk außerhalb Chinas in Thüringen zu errichten. Ein 240-Millionen-Euro-Projekt.

Wie weit die Gespräche in Freiberg hingegen vorangeschritten und wie gut die Erfolgsaussichten dabei sind, darüber wird derzeit nicht gesprochen. Als sicher gilt aber, dass schon mehrmals asiatische Produzenten das Areal an der Bundesstraße 173 im Gewerbegebiet "Freiberg Ost" in den Blick genommen haben.

Auch Insolvenzverwalter Christoph Niering kommentiert eine Anfrage der "Freien Presse" zu einem bevorstehenden möglichen Verkauf der Immobilie mehr als zurückhaltend: Er könne nur so viel sagen, "dass uns auch eine Reihe von Kaufangeboten für einzelne Immobilien vorliegen, deren potenzielle Erwerber einen anderen unternehmerischen Schwerpunkt als die Solarworld haben", teilt er mit. "Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich vor einem Vertragsabschluss keine Details mitteilen kann." Der Solarworld-Betriebsratsvorsitzende, Jens Uder, sagt erst gar nichts zum Thema. Niemand will einen potenziellen Coup gefährden.

Wirtschaftsförderer sind allerdings prinzipiell guter Dinger, dass die momentan stillgelegte Produktionsstätte eine Zukunft haben wird. Schließlich bietet sie eine Reihe von Vorteilen, mit denen man bei Interessenten Eindruck machen kann: "Das ehemalige Solarworld-Werk in Hilbersdorf ist eine ausgesprochen interessante Immobilie und Produktionsstätte", sagt der Chef der Sächsischen Wirtschaftsförderung, Peter Nothnagel. "Es ist komplett erschlossen, gut gelegen und erfüllt alle Anforderungen. Wir haben es schon wiederholt potenziellen Investoren angeboten, und ich bin optimistisch, dass sich in absehbarer Zeit ein neuer Nutzer finden wird."


Das Auf und Ab in Hilbersdorf

2006 Die Deutsche Solar macht Pläne publik, einen Produktionsstandort in Hilbersdorf einzurichten.

2007 Die Deutsche Solar AG kauft ein 20-Hektar-Areal nahe der B173 im Gewerbegebiet Hilbersdorf. Das Gelände wird ab August erschlossen.

2008 Der Grundstein für eine Waferfabrik wird am 7. Juli gelegt. Sie soll 350 Millionen Euro kosten und mehr als 500 Arbeitsplätze bieten.

2009 Der Testlauf beginnt im Dezember mit 120 Mitarbeitern. Envia M baut für über 12 Millionen Euro ein Umspannwerk und eine 110-Kilovolt-Freileitung, für 1,9 Millionen Euro wird zudem eine 4,5 Kilometer lange Brauchwasserleitung gelegt - wichtigster Kunde ist der Solarkonzern.

2010 Die Waferfabrik wird am 31.Mai offiziell eingeweiht. 150 Mitarbeiter lassen Silizium kristallisieren und schneiden die Blöcke in dünne Scheiben. Insgesamt arbeiten mehr als 1800 Menschen bei Solarworld in und um Freiberg. Vorstandsvorsitzender Frank Asbeck spricht von einer Konsolidierungsphase: "Wir haben es mit staatlich subventionierten chinesischen Mitbewerbern zu tun."

2011 Für 1,5 Millionen Euro wird eine zusätzliche Abwasserleitung nach Freiberg verlegt. Für das 3. Quartal weist der Konzern erstmals einen Verlust aus, die weltweite Überproduktion löst eine Krise in der Branche aus.

2012 Solarworld kündigt an, im Jahresverlauf 250 bis 300 der 1700 Mitarbeiter abzubauen. Der Konzern meldet für die ersten drei Quartale fast 190 Millionen Euro Verlust.

2013 Die Aktionäre stimmen im August einem Rettungsplan zu, die Aktie wird drastisch abgewertet.

2017 Solarworld beantragt im Mai die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Konzernchef Frank Asbeck startet im August mit der Solarworld Industries GmbH neu. Am 26. März 2018 zeigt sie Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beim Amtsgericht Bonn an.

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